Bank of England hebt Zinsen erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs an

05.11.2026 / 13:20 Uhr

Von Paul Hannon

DOW JONES--Die Bank of England (BOE) hat ihren Leitzins erstmals seit dem durch den Iran-Krieg ausgelösten Höhenflug der Ölpreise angehoben. Gleichzeitig signalisierte die Notenbank, dass sie im Kampf gegen die steigende Inflation voraussichtlich nicht so aggressiv vorgehen wird, wie viele Investoren erwartet hatten. Die britische Zentralbank erhöhte ihren Leitzins von 3,75 Prozent, wo er seit Dezember verharrt hatte, auf 4,0 Prozent.

Der Kernpunkt

Die Preise für Öl und Erdgas sind seit Beginn des Krieges Ende Februar auf hohem Niveau geblieben. Allerdings gaben sie nach, seitdem die Demokraten bei den Zwischenwahlen am Dienstag die Kontrolle über den Senat und den Kongress erlangten, was Hoffnungen auf eine Beilegung des Nahost-Konflikts schürte. Angesichts der Aussicht auf einen kräftigen Inflationsanstieg sahen die BoE-Währungshüter ein erhöhtes Risiko von Zweitrundeneffekten - insbesondere einen sprunghaften Anstieg der Lohnforderungen Anfang 2027 als Reaktion auf drastisch gestiegene Heizkosten für Haushalte.

Die Vertreter der Notenbank signalisierten jedoch, dass sie nicht davon ausgehen, dass die Kreditkosten so stark steigen werden wie von Investoren erwartet; eine weitere Anhebung auf 4,25 Prozent gelte als wahrscheinlich. Vor der Sitzung hatte die BoE geschätzt, dass Marktteilnehmer von einer Erhöhung des Leitzinses auf 5,00 Prozent bis Ende nächsten Jahres ausgingen. "Die heutige Anhebung sollte nicht als der Beginn einer unvermeidlichen langen Serie von Zinsschritten verstanden werden", sagte Notenbankgouverneur Andrew Bailey. "Aber solange der Nahost-Konflikt nicht gelöst ist, dürfte es sich wohl auch nicht um die letzte Anhebung handeln."

Viel wird davon abhängen, wie sich das Ergebnis der US-Wahlen auf den Konflikt auswirkt. Eine Lösung noch vor Jahresende würde die Energiepreise senken und die britische Inflation schneller als bisher angenommen wieder nach unten bringen.

Während sich kein Mitglied des geldpolitischen Ausschusses (Monetary Policy Committee, MPC) gegen die Zinserhöhung aussprach, mahnten mehrere Mitglieder zur Vorsicht bei künftigen Schritten. "Eine weitere Straffung hängt von anhaltendem Energiepreisdruck sowie von deutlichen Anzeichen für ein Überspringen auf die heimischen Löhne ab", sagte Alan Taylor, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Columbia University und Mitglied des MPC.

Der Kontext

Die US-Notenbank Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan haben ihre Leitzinsen seit Kriegsbeginn jeweils mindestens einmal angehoben. Die BoE hielt sich dagegen bislang zurück. Eine Mehrheit der Notenbanker verwies darauf, dass ihr Leitzins bei Ausbruch des Krieges bereits höher lag als die Sätze ihrer europäischen Pendants. Auch ohne eine Änderung der BoE-Politik waren die Fremdkapitalkosten für Haushalte und Unternehmen gestiegen, da die Kurse von Staatsanleihen in den vergangenen Monaten einbrachen. Laut Zahlen der BoE sind die Hypothekenzinsen seit Kriegsbeginn um einen vollen Prozentpunkt gestiegen.

Dieser Anstieg der Kreditkosten sollte dazu beitragen, die Konjunktur und die Inflation abzukühlen. Doch die wachsende Wahrscheinlichkeit, dass höhere Energiepreise die Teuerung bis ins Jahr 2027 hinein antreiben werden, überzeugte die Währungshüter davon, dass ein Handeln erforderlich war - und sei es nur, um vor der anstehenden intensiven Tarifrunde ein Signal an Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu senden.

Laut neuen Prognosen, die auf einem Ölpreis von 108 US-Dollar pro Barrel basieren, erwartet das MPC, dass die jährliche Inflationsrate im zweiten Quartal 2027 mit 4,9 Prozent ihren Höchststand erreichen und erst im dritten Quartal 2028 wieder auf das 2-Prozent-Ziel der Notenbank zurückkehren wird.

Die britische Wirtschaft erwies sich im weiteren Kriegsverlauf als widerstandsfähiger als erwartet, was teilweise auf Aktivitäten im Bereich künstliche Intelligenz zurückzuführen ist. Die BOE hob ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr von jeweils 1,1 Prozent auf 1,6 bzw. 1,3 Prozent an. Da jedoch erwartet wird, dass die Energiepreise das Wachstum länger als bisher angenommen dämpfen, und die Kreditkosten höher liegen, senkte die Notenbank ihre Prognose für das Jahr 2028.

Ein starker Rückgang der Energiepreise im Falle eines Friedensabkommens würde den Ausblick jedoch verändern; die Inflation dürfte dann schneller wieder auf den Zielwert sinken.

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November 05, 2026 07:19 ET (12:19 GMT)

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