KONJUNKTUR IM BLICK/Ifo-Index sinkt und Warsh tritt in Jackson Hole an
21.08.2026 / 16:17 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Wachstum, Preise und die Reaktion der Zentralbanken darauf - so könnte man das Programm für die vor uns liegende Woche zusammenfassen. Auf der Agenda stehen die zweiten BIP-Veröffentlichungen für das zweite Quartal in Deutschland und den USA, das Ifo-Geschäftsklima, Inflationszahlen aus den USA, Frankreich und Spanien sowie das EZB-Sitzungsprotokoll und das geldpolitische Symposium in Jackson Hole. Außerdem wirft das Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure seine Schatten voraus. Die Woche beginnt ernsthaft am Dienstag mit dem deutschen BIP und dem Ifo-Geschäftsklimaindex.
Destatis bestätigt BIP-Wachstum von 0,2 Prozent im 2Q
Die deutsche Wirtschaft befindet sich auf einem Erholungspfad, den nach dem Beginn des Iran-Kriegs im Februar kaum jemand für möglich gehalten hätte: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im ersten Quartal um 0,4 Prozent gestiegen und im zweiten Quartal - nach vorläufigen Berechnungen - um 0,2 Prozent. Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht nun detaillierte Zahlen, und Analysen erwarten, dass es dabei den vorläufig genannten Wachstumswert von 0,2 Prozent bestätigen wird. Destatis veröffentlicht die Daten am Dienstag (8.00 Uhr).
Ifo-Geschäftsklimaindex steigt im August
Am aktuellen Rand sahen die Aktivitätsindikatoren zuletzt etwas weniger gut aus als die rückwärtsgewandten BIP-Zahlen. Nach Wachstumsraten von 0,4 und 0,2 Prozent im ersten und zweiten Quartal dürfte sich das Wachstum im dritten Quartal abgekühlt haben - nicht wegen der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus, sondern weil der in der Industrie ablaufende Aufschwung von den niedrigen Wasserständen wichtiger Flüsse, vor allem des Rheins, gebremst wird. Dieses Thema hat in den vergangenen Wochen an Prominenz gewonnen und dürfte die Ifo-Umfrage für August beeinflusst haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten gleichwohl einen Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex auf 87,1 (Juli: 86,6) Punkte. Die Zahlen kommen am Dienstag (10.00 Uhr).
US-BIP-Wachstum verringert sich im 2. Quartal
Das Wirtschaftswachstum in den USA dürfte sich im zweiten Quartal etwas verringert haben. Das Bureau of Economic Analyses (BEA) hatte Ende Juli gemeldet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 1,5 Prozent gestiegen ist. Das waren deutlich weniger als die für das erste Jahresviertel gemeldeten 2,1 Prozent. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass das BEA den vorläufigen Wert bestätigen wird. Veröffentlicht werden die Zahlen am Mittwoch (14.30 Uhr), zusammen mit denen zur PCE-Inflation im Juli.
US-PCE-Teuerung sinkt im Juli leicht
Der Inflationsdruck in den USA - gemessen am Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Deflator) - dürfte im Juli leicht abgenommen haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass der PCE-Deflator gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent gestiegen ist und um 3,6 (Juni: 3,7) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lag. Für den von der Fed besonders beobachteten Kern-PCE-Index (ohne Nahrungsmittel und Energie) wird ein monatlicher Anstieg von 0,2 Prozent und eine Jahresrate von 3,2 (3,3) Prozent prognostiziert. Inflation ist auch das große Thema von Fed-Chairman Kevin Warsh, der am Freitag (16.00 Uhr) beim geldpolitischen Symposium in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming spricht.
Jackson Hole mit neuem Fed-Chairman - Schnabel bei Panel
"Jackson Hole" ist immer von einem gewissen Geheimnis umgeben. Normale Sterbliche erfahren das aktuelle Thema sowie wer wann worüber spricht erst kurz zuvor. Zwei Termine sind bisher klar: Der jeweilige Fed-Chairman eröffnet die Konferenz normalerweise am Freitag um 16.00 Uhr, und mancher von ihnen hat diese Gelegenheit in den vergangenen Jahren für programmatische Reden genutzt. Man darf gespannt sein, was der neue Fed-Chairman Kevin Warsh daraus macht. Unter Marktteilnehmern herrscht angesichts der sparsamen Kommunikation des Fed-Chefs Verunsicherung. Ein weiterer Termin ist dank einer Mitteilung der EZB bekannt: Direktorin Isabel Schnabel nimmt am gleichen Tag (ab 17.55 Uhr) an einem Panel zum Thema "Financial Innovation: Implications for Payments and Policy" teil.
Stellvertretende Finanzminister und Notenbankgouverneure der G20 in den USA
Und weil wir gerade in den USA sind: Am Samstag und Sonntag treffen sich die stellvertretenden Finanzminister und Notenbankgouverneure der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in den USA, um das Treffen ihrer Chefs in der Woche danach vorzubereiten. Eine der Aufgaben der "Deputies" besteht traditionell darin, Meinungsverschiedenheiten in geld- und finanzpolitischen Fragen beizulegen und ein Kommunique vorzubereiten. An Meinungsverschiedenheiten herrscht neuerdings kein Mangel, nachdem der Hauptsponsor einer regelgebundenen Weltwirtschaftsordnung, die USA, die Veranstaltung verlassen hat. Negativer Höhepunkt war zuletzt eine nicht kommunizierte Intervention zur Stützung des Yen über den Verkauf von Euro.
Und auch der gerade angekündigte verstärkte Rückkauf langlaufender Treasuries durch das US-Finanzministerium stellt einen erläuterungswürdigen Eingriff in das Finanzsystem dar. Es darf bezweifelt werden, dass so interessante Themen in der Abschlusserklärung eine Rolle spielen werden.
EZB veröffentlicht Protokoll der Ratssitzung vom 22./23. Juli
Der Rat der EZB hatte am 23. Juli beschlossen, seinen Leitzins wie erwartet bei 2,25 Prozent zu belassen. Zugleich aber hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde gesagt, dass einige Mitglieder des Gremiums eine sofortige Zinsanhebung für erwägenswert gehalten hätten. Damit weckte sie die Erwartung, dass der Rat im September zur Tat schreiten würde, wenn die Bedingungen dafür gegeben sind. Einen Monat später kann man sagen, dass sich der Inflationsausblick seither nicht verbessert hat. Das am Donnerstag (13.30 Uhr) zur Veröffentlichung anstehende Sitzungsprotokoll wird Einblick in die Diskussionen Ende Juli geben, als die gerade eine Sperrung des Roten Meers für den Tankerverkehr in Kraft getreten war.
Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien
Im Vorfeld der EZB-Ratssitzung am 10. September steht die Entwicklung der Verbraucherpreise im Mittelpunkt des Interesses. Frankreich und Spanien kommen bereits Ende dieser Woche mit vorläufigen Zahlen heraus. Für Frankreich wird eine Jahresrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von 2,7 (Juli: 2,4) Prozent prognostiziert und für Spanien eine HVPI-Teuerung von 4,4 (3,8) Prozent. Die Zahlen werden am Freitag (8.45 Uhr und 9.00 Uhr) veröffentlicht. Eurostat und Deutschland folgen in der Woche darauf.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/apo/mgo
(END) Dow Jones Newswires
August 21, 2026 10:17 ET (14:17 GMT)
Bitte beachten Sie das Regelwerk
DAX®, MDAX®, TecDAX® und SDAX® sind eingetragene Markenzeichen der ISS STOXX Index GmbH
EURO STOXX®-Werte bezeichnet Werte der Marke „EURO STOXX“ der STOXX Limited und/oder ihrer Lizenzgeber
TRADEGATE® ist eine eingetragene Marke der Tradegate AG
Kurse in EUR; Fremdwährungsanleihen in der jeweiligen Währung
Zeitangaben in CEST (UTC+2)
Top 5 Umsatz
Letzte Aktualisierung:
21.08.2026 @ 16:57:22


