Kiel Institut: Europa könnte Treasuries schärfer regulieren

23.06.2026 / 16:36 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Europa könnte nach Aussage von Forschern des Kiel Institut eine schärfere Regulierung von US-Staatsanleihen einsetzen, um den geopolitischen Vorstößen der USA Paroli zu bieten. Sie schreiben in einer Studie (Shorting America: Europe's financial leverage over the United States), dass die USA in jüngster Zeit verschiedene Druckmittel - Zölle, militärische Gewalt - eingesetzt hätten, um ihre geopolitischen Ziele zu erreichen. Europa könnte darauf im Notfall reagieren, indem es regulatorische Privilegien wie die Nullrisikogewichtung von US-Staatsanleihen unter Solvency 2 und CRR aufhebe.

"Angesichts einer US-Schuldenquote von über 120 Prozent und einer vorherigen Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes ist dieses Privileg der Nullrisikogewichtung allein aus aufsichtsrechtlichen Gründen schwer zu rechtfertigen", sagt Forscher Farzad Saisdi.

Die Autoren schätzen, dass die Aufhebung des Privilegs über ein Jahrzehnt hinweg bei europäischen Versicherern, Banken und Pensionsfonds zu einem Rückgang der Nachfrage nach US-Staatsanleihen von 200 Milliarden Dollar führen würde. Der daraus resultierende Anstieg der US-Renditen würde die Kreditkosten des US-Bundes um geschätzte 33 bis 42 Milliarden Dollar pro Jahr erhöhen.

Dies entspräche zwischen einem Fünftel und einem Viertel des derzeitigen Budgets des US-Verteidigungsministeriums. Es könnte zudem zu einer Umschichtung von Kapital hin zu europäischen Staats- und Bankanleihen kommen. "Dadurch würden sich die Refinanzierungsstrukturen europäischer Banken verbessern und ihre Abhängigkeit von Dollar-Finanzierungen verringern", kalkulieren die Forscher.

Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte wären nach ihrer Ansicht beherrschbar. Da ein Großteil der europäischen Dollar-Bestände abgesichert sei, erzeuge die Auflösung dieser Absicherungen teilweise ausgleichende Kapitalflüsse. "Dies führt dazu, dass eine mögliche Abwertung des Dollar und ein Anstieg der Renditen eher allmählich als abrupt eintreten würden", argumentieren sie. Dennoch würden die Wechselkursentwicklungen eine genaue Beobachtung erfordern.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/ros

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June 23, 2026 10:35 ET (14:35 GMT)

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