ZEW-Chef Wambach schlägt European Supply Security Board vor
16.06.2026 / 08:43 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, hat die Schaffung eines Gremiums angeregt, dass die Einhaltung sektorspezifischer Vorgaben zur Diversifizierung von Lieferketten überwacht. EU-Handelskommissar Maro? ?ef?ovi? hatte ein Diversifizierungsinstrument vorgeschlagen, das Unternehmen verpflichten soll, ihre Lieferquellen zu diversifizieren. Hintergrund sind Abhängigkeiten vor allem bei strategisch wichtigen Vorleistungen wie Chips oder Seltenen Erden. Ziel soll sein, bei solchen kritischen Lieferungen sicherzustellen, dass mindestens drei verschiedene Lieferanten zur Verfügung stehen.
Wambach weist darauf hin, dass Unternehmen oft die aus Diversifizierung entstehenden Kosten scheuten. Er argumentiert: "Was in der Debatte aber oft fehlt, ist die Perspektive, dass diese Mehrkosten als Risikoprämie einer Versicherung verstanden werden sollten, also als bewusst gezahlter Preis für den Schutz vor Versorgungsausfällen." Unternehmen hätten häufig nicht genügend Anreize, ihre Lieferketten ausreichend zu diversifizieren, da sie die gesamtwirtschaftlichen Folgen eines Versorgungsausfalls nicht in ihre Kalkulationen einbezögen.
"Beispielsweise können sie damit rechnen, dass der Staat mit Kurzarbeitergeld, Liquiditätshilfen oder Subventionen im Krisenfall einspringt", erläutert der Ökonom. Grundsätzlich sei das Management von Lieferketten eine privatwirtschaftliche Aufgabe, aber dort, wo systemische und moralische Risiken zusammenkämen, seien staatliche Vorgaben gerechtfertigt.
Zu rigide Vorgaben könnten Wambach zufolge die "Versicherungskosten" in die Höhe treiben. Sinnvoller wären nach seiner Meinung sektorspezifische Vorgaben, die sich an den jeweiligen Risiken orientieren. "Um diese festzulegen, sollte ein European Supply Security Board geschaffen werden, welches Datenerhebungen zu Lieferketten koordinieren und sektorspezifische Stresstests durchführen könnte", so Wambach.
So würden Diversifizierungsanforderungen dort greifen, wo die Risiken am größten seien und Diversifizierungskosten dazu in einem ausgewogenen Verhältnis stünden. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass technologische Souveränität zukünftige Souveränität bedeute. Maßnahmen zur Resilienz sollten daher so ausgestaltet sein, dass sie Anreize für Forschung und Entwicklung in Schlüsseltechnologien stärkten.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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