MÄRKTE EUROPA/Sehr schwach - China-Gipfel, Öl und Zinsen belasten
15.05.2026 / 18:12 Uhr
DOW JONES--Mit deutlichen Verlusten haben die europäischen Aktienmärkte am Freitag den Handel beendet. Stark steigende Renditen und Inflationssorgen wegen anziehender Ölpreise belasteten. Dazu gesellte sich ein enttäuschend verlaufener Gipfel in China: Wie befürchtet kehrte US-Präsident Donald Trump mit leeren Händen vom Treffen mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping zurück. Verbindliche Zusagen zu einer Vermittlung Chinas im Iran-Krieg gab es nicht, entsprechend sprang die Ölsorte Brent um 3,7 Prozent auf 109,64 Dollar nach oben. Auch gab es nicht die erhofften Mega-Deals für die vielen CEO der Technologie-Branche, die mit nach China gereist waren.
UBS-Chefvolkswirt Paul Donovan sagte zu dem Gipfel: "Viel vom immer rarer werdenden Kerosin ist verbrannt worden, um nichts mit realer Substanz zu erreichen". Die Inflationsangst durch lange Zeit hohe Ölpreise und gleichzeitige Staatsverschuldung sorgte für Ausbrüche von langlaufenden Renditen nach oben. Die 30-jährige Bundesanleihe sprang auf 3,68 Prozent, die 10-jährige Anleihe notierte auf einem 15-Jahreshoch.
Der DAX beschloss die Handelswoche mit einem kräftigen Minus von 2,1 Prozent auf 23.951 Punkte, der Euro-Stoxx-50 fiel um 1,8 Prozent auf 5.828 Punkte.
Die massivsten Verluste wiesen Europas Minen-Aktien auf, ihr Sektor-Index brach um 5,4 Prozent ein. Die Einzelwerte der Branche stellten allesamt die Hauptverlierer im gesamten Stoxx-600 dar. Die Kombination aus steigender Inflation und gleichzeitig enttäuschendem China-Gipfel wurde als Störfeuer für die globale Konjunktur gesehen. Entsprechend zählten Kupfer-Minen-Betreiber wie Fresnillo und Gold-Silber-Produzenten wie Hochschild mit bis zu 10 Prozent Minus zu den größten Verlierern. Aber auch Antofagasta und Anglo American fielen um bis zu 10,7 Prozent.
Im DAX wurden auch rohstoffnahe Titel wie Heidelberg Materials mit 7,2 Prozent Minus vom Branchenabsturz belastet. Zudem verschärfte sich die Krise im deutschen Wohnungsbau im April massiv. Wie das Ifo-Institut mitteilte, brach das Geschäftsklima im Sektor so stark ein wie seit zwei Jahren nicht mehr.
Die Angst vor einem Konjunktureinbruch drückte auch die Vorzeigeaktien aus dem Sektor: Siemens fielen um 5,2 Prozent, Schneider Electric in Paris um 2,7 Prozent.
Aktien von Chipherstellern litten wie schon in Asien unter Zweifeln, ob die USA weitere Chipverkäufe nach China zulassen würden und ob China überhaupt vermehrt Chips importieren wollte. Dazu drückte der Zinsanstieg die sehr hohen Bewertungen der Technologieaktien und schob alle Branchenwerte ins Minus. Infineon schlossen 4,2 Prozent im Minus, Aixtron verloren 6,0 Prozent, STMicro und ASML fielen um 4,2 bzw. 4,4 Prozent.
Fraport büßten 4,7 Prozent ein. Die Streiks bei der Lufthansa hatten wie erwartet das Passagieraufkommen am Frankfurter Flughafen im April erheblich geschmälert. Von den insgesamt sechs Streiktagen durch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Flugbegleitergewerkschaft Ufo im April waren rund 500.000 Fluggäste betroffen.
Freenet gewannen 3,9 Prozent. Das Unternehmen verdiente nach einem negativen Ergebniseffekt bei dem übernommenen Unternehmen Mobilezone im ersten Quartal wie erwartet weniger. Freenet wollte nun "gezielte operative und kommerzielle Maßnahmen" ergreifen, um den Effekt für die Finanzziele auszugleichen.
Unter Druck standen auch china-nahe Luxusgüter: Burberry verloren 2,0 Prozent, in Paris gaben LVMH um 1,1 Prozent nach. Der Luxusgüterhersteller verkaufte die Marke Marc Jacobs für 850 Millionen Dollar - am Markt waren aber höhere Verkaufspreise erhofft worden.
Stellantis verloren in Mailand 3,5 Prozent, nachdem der französisch-italienische Autobauer einen rund 1 Milliarde Euro schweren Vertrag mit dem chinesischen Partner Dongfeng unterzeichnete, um Fahrzeuge der Marken Peugeot und Jeep in China zu produzieren.
=== Index Schluss Entwicklung in % Seit Jahresbeginn (%) Euro-Stoxx-50 5.828 -1,8 2,48 Stoxx-50 5.047 -1,5 4,22 Stoxx-600 607 -1,5 4,03 DAX 23.951 -2,1 -0,14 FTSE-100 London 10.373 -1,7 4,45 CAC-40 Paris 8.082 -1,6 -0,82 AEX Amsterdam 1.022 -1,1 7,38 ATHEX-20 Athen 5.834 -2,4 9,03 BEL-20 Brüssel 5.532 -1,2 8,94 BUX Budapest 132.427 -0,6 19,27 OMXH-25 Helsinki 6.295 -0,4 10,37 OMXC-20 Kopenhagen 1.538 0,4 -4,33 PSI 20 Lissabon 9.124 -1,0 10,41 IBEX-35 Madrid 17.809 -1,1 2,90 FTSE-MIB Mailand 50.050 -1,9 11,36 OBX Oslo 1.930 1,7 20,80 PX Prag 2.513 0,9 -6,42 OMXS-30 Stockholm 3.048 -0,4 5,73 WIG-20 Warschau 131.378 -1,8 14,15 ATX Wien 5.922 -1,0 11,18 SMI Zürich 13.213 0,1 -0,41 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mi, 17:05 EUR/USD 1,1623 -0,4 -0,0045 1,1668 1,1709 EUR/JPY 184,49 -0,2 -0,3100 184,8 184,8400 EUR/CHF 0,9148 +0,0 0,0004 0,9144 0,9161 EUR/GBP 0,8723 +0,2 0,0016 0,8707 0,8662 USD/JPY 158,69 +0,2 0,3400 158,35 157,8600 GBP/USD 1,3322 -0,6 -0,0077 1,3399 1,3514 USD/CNY 6,8092 +0,4 0,0241 6,7851 6,7908 USD/CNH 6,8143 +0,4 0,0279 6,7864 6,7876 AUS/USD 0,7148 -1,0 -0,0072 0,722 0,7256 Bitcoin/USD 79.142,64 -2,8 -2.237,18 81.379,82 79.780,76 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 105,48 +4,3 4,31 101,17 Brent/ICE 109,64 +3,7 3,92 105,72 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.534,10 -2,5 -115,38 4.649,48 Silber 76,13 -8,8 -7,35 83,48 Platin 1.975,65 -3,9 -80,03 2.055,68 ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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