MÄRKTE EUROPA/Schwach - China-Enttäuschung und Zinsen belasten
15.05.2026 / 14:12 Uhr
DOW JONES--Kräftig im Minus zeigen sich Europas Börsen am Freitagmittag. Wie befürchtet, kehrt US-Präsident Donald Trump mit leeren Händen vom Gipfel mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping zurück. Entsprechend geht es mit dem Preis für die Ölsorte Brent um 2,4 Prozent auf 108,30 Dollar nach oben. UBS-Chefvolkswirt Paul Donovan sagte zu dem Gipfel: "Viel vom immer rarer werdenden Kerosin ist verbrannt worden, um nichts mit realer Substanz zu erreichen". Die Inflationsangst durch lange Zeit hohe Ölpreise und gleichzeitige Staatsverschuldung sorgt für Ausbrüche von langlaufenden Renditen nach oben. Die 30-jährige Bundesanleihe springt auf 3,65 Prozent. Der DAX verliert 1,7 Prozent auf 24.040 Punkte, der Euro-Stoxx-50 fällt ebenfalls um 1,7 Prozent auf 5.832 Punkte.
Einige Börsen wie die in der Schweiz, die an Christi Himmelfahrt geschlossen hatten, holen Kursgewinne vom Vortag nach. Zum Wochenausklang pausiert nur noch die Börse in Kopenhagen am Brückentag.
Mit einem Kurseinbruch von 4,6 Prozent zeigen sich die Rohstoffwerte. Die Sorge vor steigenden Zinsen und gleichzeitig einbrechender Konjunktur macht diesen Sektor unattraktiv. Unter Druck steht auch der Technologiesektor.
Neben Gewinnmitnahmen bremsen die steigenden Zinsen. Hintergrund sind immer neue Preisdaten, die eine noch stärkere Inflation zeigen als ohnehin wegen des Energierpreisschocks in Folge des Iran-Kriegs erwartet. Zuletzt fielen in den USA Verbraucher-, Erzeuger- und Importpreise höher als geschätzt aus. Zinsanhebungen der Notenbanken dürften die Folge sein. Und höhere Zinsen bedeuten geringere Gewinnmargen bei den Unternehmen. Die deutsche 10-Jahres-Rendite liegt aktuell bei 3,05 Prozent, im Bereich eines 15-Jahreshochs.
Aktien von Chipherstellern leiden wie schon in Asien unter Zweifeln, ob die USA weitere Chipverkäufe nach China zulassen werden und ob China überhaupt vermehrt Chips importieren will. Dazu werden Technologieaktien wegen ihrer oft hohen Bewertungen vor dem Hintergrund des Zinsanstiegs kritischer gesehen. Infineon notieren 5,2 Prozent im Minus, Aixtron 6,7 Prozent, STMicro und ASML fallen bis zu 5,7 Prozent,
Rohstoffaktien leiden dazu unter nachgebenden Preisen für Gold und Silber. Fresnillo und Hochschild Mining büßen bis zu 9,8 Prozent ein. Die Schwäche bei den Edelmetallen wird ebenfalls auch auf die hohen Zinsen zurückgeführt, weil das zinslose Gold als Anlage an Attraktivität beispielsweise zu Anleihen verliert. Die Aktie des breiter aufgestellten Bergbaukonzerns Anglo American verlieren 7,5 Prozent, Glencore fallen um 3,6 Prozent.
Fraport verlieren 2,7 Prozent. Die Streiks bei der Lufthansa haben wie erwartet das Passagieraufkommen am Frankfurter Flughafen im April erheblich geschmälert. Von den insgesamt sechs Streiktagen durch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Flugbegleitergewerkschaft Ufo im April waren rund 500.000 Fluggäste betroffen.
Beim IT-Dienstleister Nagarro hat sich im ersten Quartal die Phase der Nachfrageschwäche aus dem Vorquartal fortgesetzt, die Aktie büßt 3,6 Prozent ein. Nagarro hat gleichwohl den Ausblick bestätigt. Freenet gewinnen 2,9 Prozent. Das Unternehmen hat nach einem negativen Ergebniseffekt bei dem übernommenen Unternehmen Mobilezone im ersten Quartal wie erwartet weniger verdient. Freenet will nun "gezielte operative und kommerzielle Maßnahmen" ergreifen, um den Effekt im Hinblick auf die finanziellen Ziele für 2028 auszugleichen.
Unter Druck stehen auch china-nahe Luxusgüter: Burberry brechen um 4,8 Prozent ein, in Paris geben LVMH um 1,5 Prozent nach. Der Luxusgüterhersteller verkauft die Marke Marc Jacobs für 850 Millionen Dollar, worüber laut Analysten zuvor bereits spekuliert wurde, wobei teils höhere Preiserwartungen kursierten.
Stellantis verlieren in Mailand 2,7 Prozent, nachdem der französisch-italienische Autobauer einen rund 1 Milliarde Euro schweren Vertrag mit dem chinesischen Partner Dongfeng unterzeichnet hat, um Fahrzeuge der Marken Peugeot und Jeep in China zu produzieren.
Aktien aus dem Bausektor neigen zum Wochenschluss zu ausgeprägter Schwäche. Unter anderem geben Heidelberg Materials um 6,2 Prozent, Holcim um 4,1 und Buzzi um 3,8 Prozent nach. Zu Heidelberg Materials heißt es von Jefferies, dass schwächere Margen in einem von Wetterbedingungen geprägten Umfeld zu leichten Senkungen der Konsensprognosen für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 geführt hätten. Zudem hat sich die Krise im deutschen Wohnungsbau im April massiv verschärft. Wie das Ifo-Institut mitteilte, ist das Geschäftsklima im Sektor so stark eingebrochen wie seit zwei Jahren nicht mehr.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 5.831,74 -1,7 -103,22 5.934,96 0,7 Stoxx-50 5.050,37 -1,5 -75,15 5.125,52 2,7 DAX 24.039,65 -1,7 -416,61 24.456,26 -1,8 MDAX 31.340,39 -1,7 -553,49 27.039,42 2,4 TecDAX 3.793,24 -1,7 -63,72 3.091,28 4,7 SDAX 18.399,54 -1,1 -204,82 13.062,07 7,1 FTSE 10.197,83 -1,7 -175,10 10.372,93 2,7 CAC 7.963,10 -1,5 -119,17 8.082,27 -2,3 SMI 13.220,80 +0,1 7,84 13.212,96 -0,4 ATX 5.867,53 -0,9 -54,27 5.921,80 10,2 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mi, 17:05 EUR/USD 1,1632 -0,3 -0,0036 1,1668 1,1709 EUR/JPY 184,43 -0,2 -0,3700 184,8 184,8400 EUR/CHF 0,9142 -0,0 -0,0002 0,9144 0,9161 EUR/GBP 0,8704 -0,0 -0,0003 0,8707 0,8662 USD/JPY 158,54 +0,1 0,1900 158,35 157,8600 GBP/USD 1,3361 -0,3 -0,0038 1,3399 1,3514 USD/CNY 6,8104 +0,4 0,0253 6,7851 6,7908 USD/CNH 6,8078 +0,3 0,0214 6,7864 6,7876 AUS/USD 0,7154 -0,9 -0,0066 0,722 0,7256 Bitcoin/USD 80.679,45 -0,9 -700,37 81.379,82 79.780,76 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 104,22 +3,0 3,05 101,17 Brent/ICE 108,3 +2,4 2,58 105,72 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.554,82 -2,0 -94,66 4.649,48 Silber 78,50 -6,0 -4,98 83,48 Platin 1.993,66 -3,0 -62,02 2.055,68 ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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May 15, 2026 08:11 ET (12:11 GMT)
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