KONJUNKTUR IM BLICK/Iran-Krieg trübt die Unternehmensstimmung
20.03.2026 / 15:30 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Seit die USA und Israel vor drei Wochen den Iran angegriffen haben, geht in Wirtschaft und Politik die Angst vor einer Wiederholung des zu Beginn des Ukraine-Kriegs beobachteten Szenarios hoher Ölpreise und rasant steigender Inflationsraten um. Bei allen Unterschieden zu den Geschehnissen im Frühjahr 2022 - Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ab Sommer ihren Leitzins anheben wird und befürchten, dass aus der einen von der Fed in Aussicht gestellten Zinssenkung in diesem Jahr nichts mehr wird. Außerdem könnten anhaltend hohe Energiepreise Konsum- und Investitionsneigung der Akteure beeinträchtigen.
Angesichts der Unsicherheit hinsichtlich Dauer und Intensität des Iran-Kriegs und seiner Auswirkungen auf die oben genannten Variablen ist es nicht erstaunlich, dass es um die Stimmung der Unternehmen nicht zum Besten steht. Allerdings könnten unterschiedliche Indikatoren durchaus unterschiedlich reagieren.
Ifo-Geschäftsklimaindex fällt im März deutlich
So dürfte die vom Ifo-Institut gemessene Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen im März wegen des Iran-Kriegs abgestürzt sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte rechnen damit, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex auf 85,5 (Februar: 88,6) gefallen ist. Das wäre der niedrigste Stand seit Februar 2025. Grund ist, dass in die Berechnung dieses Index die Geschäftserwartungen der Unternehmen eingehen, die stark unter dem Iran-Krieg und den damit einhergehend hohen Energiepreisen gelitten haben dürften. Für den Index Geschäftserwartungen wird ein Rückgang auf 86,3 (90,5) prognostiziert, für die Lagebeurteilung werden 85,7 (86,7) Punkte erwartet.
Das Ifo-Institut veröffentlicht die Daten am Mittwoch (10.00 Uhr). Beeinflusst werden die Erwartungen für den Ifo wahrscheinlich noch von den Einkaufsmanagerindizes (PMI), die am Dienstag (9.30 Uhr) veröffentlicht werden, wobei hier Vorsicht geboten ist.
Europäische Einkaufsmanagerindizes sinken etwas
Zwar dürften sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen auch laut dieser Umfrage deutlich eingetrübt haben, doch geht diese Komponente nicht direkt in die PMI-Berechnung ein. Denkbar ist allerdings, dass sich in den PMIs bereits unsicherheitsbedingt schwächere Auftragseingänge zu spiegeln beginnen. Andererseits könnte der deutsche Industrie-PMI von den umfangreichen Investitionsvorhaben der öffentlichen Hand profitiert haben. Stützend könnten generell auch längere Lieferzeiten gewirkt haben, die das PMI-Modell als Anzeichen einer "brummenden Wirtschaft" interpretiert, auch wenn sie vielleicht von Lieferkettenstörungen herrühren.
Außerdem interessant: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht am Donnerstag (11.00 Uhr) eine aktualisierte Version ihres Wirtschaftsausblicks, die Szenarien für den Fortgang der sich anbahnenden Energiekrise enthalten dürfte. Ebenfalls am Donnerstag (10.00 Uhr) informiert die EZB über die Entwicklung der Kreditvergabe im Euroraum im Februar.
Zudem erhalten im Wochenverlauf diverse EZB-Offizielle die Gelegenheit, ihre Sicht auf den Inflationsausblick zu darzulegen - darunter am Mittwoch bei der Konferenz "The ECB and its Watchers" Präsidentin Christine Lagarde (9.45 Uhr) und Chefvolkswirt Philip Lane (10.15 Uhr). Am Donnerstag (10.00 Uhr) spricht EZB-Vizepräsident De Guindos und am Freitag (17.00 Uhr) EZB-Direktorin Isabel Schnabel.
Am Ende der Woche, am Sonntag (3.00 Uhr), werden in Deutschland die Uhren eine Stunde vorgestellt. Von da an herrscht bis auf Weiteres mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ).
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/sha/mgo
(END) Dow Jones Newswires
March 20, 2026 10:29 ET (14:29 GMT)
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