Bundesbank: Konjunkturerholung der deutschen Wirtschaft stockt
21.10.2026 / 12:00 Uhr
DOW JONES--Die konjunkturelle Erholung in Deutschland hat sich nach Einschätzung der Bundesbank im dritten Quartal 2026 vorübergehend festgefahren. Wie die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht schreibt, dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Jahresviertel saisonbereinigt stagniert haben, nachdem es im ersten Halbjahr noch merklich zugelegt hatte. Für die Unterbrechung des Erholungskurses macht die Bundesbank vor allem temporäre Belastungsfaktoren verantwortlich. Gleichzeitig warnt sie vor einer vorerst erhöht bleibenden Inflation sowie einem merklichen Teuerungsschub im ersten Halbjahr 2027.
"Damit wurde die konjunkturelle Erholung zunächst unterbrochen", heißt es in dem Bericht. Ausschlaggebend hierfür seien jedoch im Wesentlichen vorübergehende Effekte gewesen. Für das Jahresende zeigt sich die Notenbank optimistischer: "Im vierten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung wieder spürbar wachsen", prognostiziert die Bundesbank mit Verweis auf die jüngst verbesserten Ifo-Geschäftserwartungen der Unternehmen.
Insbesondere die außergewöhnlich niedrigen Pegelstände am Rhein und die dadurch eingeschränkte Binnenschifffahrt bremsten im laufenden Quartal die Produktion und den Außenhandel. Zudem liefen Sonderkonjunkturen aus dem zweiten Quartal - etwa temporäre Wettbewerbsvorteile durch Lieferkettenprobleme im Zuge des Nahost-Konflikts - im Sommer aus. Neben Werksferien belastete eine mehrwöchige Werksschließung für die Umstellung auf Elektrofahrzeuge die Automobilindustrie.
Auch vom privaten Konsum gingen kaum Impulse aus. Sondereffekte im Zusammenhang mit dem Tankrabatt führten zu zeitlichen Verlagerungen von Kraftstoffkäufen und drückten die Einzelhandelsumsätze im dritten Quartal, während hohe Energiepreise die Kaufkraft dämpften. Ein positiver Gegenpol blieb der Bau: Insbesondere der Tiefbau profitierte von der Lockerung der Fiskalpolitik, und auch die Bauproduktion zog im August erneut an.
Die Bundesbank rechnet damit, dass die Inflation vorerst auf hohem Niveau verharrt. Trotz des befristeten Tankrabatts von Oktober bis Dezember wirkten die gestiegenen Energiepreise verzögert auf Transport, Nahrungsmittel und Industriegüter durch. Einen spürbaren Inflationsschub erwartet die Bundesbank zu Beginn des Jahres 2027: Neben dem Auslaufen des Tankrabatts dürfte die geplante Gesundheitsreform durch höhere Zuzahlungen bei Medikamenten und Krankenhausdienstleistungen die Teuerungsrate im ersten Halbjahr 2027 merklich nach oben treiben.
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