MARKT USA/Weiter Verkaufsstimmung für KI-Aktien - Marktzinsen fallen kräftig

15.10.2026 / 13:01 Uhr

Die Futures auf die US-Aktienindizes deuten auf fallende Kurse zum Start am Donnerstag an der Wall Street hin - und das, obwohl es mit den Renditen an den Anleihemärkten steil abwärts geht. Marktteilnehmer vermuten dahinter aber eher die Flucht in vermeintlich sichere Anlagen angesichts des andauernden Ausverkaufs von Aktien mit KI-Fantasie.

Dazu heißt es, die höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten vom Vortag und die damit verbundenen Zinserhöhungserwartungen belasteten KI-Aktien gleich von mehreren Seiten. Zum einen verteuerten sich dadurch die Finanzierungen der oft massiven KI-Investitionen, zum anderen könnten deswegen die KI-Investitionen abebben. Außerdem führe ein höheres Zinsniveau zu höheren Aktienbewertungen. Daneben leidet der KI-Sektor aber auch unter jüngsten Meldungen über einen zunehmenden Wettbewerb durch asiatische Unternehmen.

Die US-Zehnjahresrendite, die nach den Inflationsdaten zunächst nach oben geschossen war auf 5,33 Prozent, war am Vortag im Verlauf wieder deutlich zurückgekommen auf 5,19 Prozent, aktuell liegt sie bei 5,08 Prozent. Zu den sinkenden Renditen könnten auch echte Anlagekäufe beitragen angesichts des attraktiven Renditeniveaus, sagen Marktbeobachter. Eine kleine Rolle könnte auch spielen, dass die Ölpreise sinken, Brent um 1,7 Prozent auf 104,17 Dollar. Händler sprechen von Anzeichen für eine Erholung der Rohöllieferungen aus dem Nahen Osten.

Die Märkte hätten gerade 24 unglaublich turbulente Stunden hinter sich, weil auf höhere Inflationsraten wachsende Ängste rund um den KI-Handel folgten, kommentieren die Marktstrategen der Deutschen Bank das Geschehen. Die Angst vor einer breiteren Verschärfung der Kreditbedingungen und den daraus folgenden negativen Rückwirkungen auf den KI-Sektor, der derzeit stark im Vordergrund stehe, führe zu wachsenden Zweifeln ob die Fed trotz der hohen Inflation tatsächlich handeln werde.

Unter den Halbleiterakatien werden Nvidia vorbörslich 2,0 Prozent niedriger gesehen, AMD 2,6 und Broadcom 1,7 Prozent. Marvell geben um 3,0 Prozent nach, Micron um 3,7. Coreweave, die am Vortag schon um 15 Prozent einknickten, geben um weitere 5,8 Prozent nach. Das Unternehmen ist auf KI-Infrastruktur und die Bereitstellung von Grafikprozessoren spezialisiert. Börsianer sprechen von Sorgen um die finanzielle Gesundheit des Unternehmens, nachdem die Coreweave-Anleiherenditen die Marke von 15 Prozent überschritten hätten. GE Vernova geben um weitere 3,3 Prozent nach - das Umternehmen liefert Strom- und Netzinfrastruktur für Rechenzentren.

Dass der KI-Entwickler Anthropic mit der Nachricht aufwartete, dass der Umsatz im dritten Quartal um 45 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar gestiegen sei, geht unter. Analysten weisen zudem darauf hin, dass das Umsatzwachstum des Herstellers des Claude-Chatbots nachgelassen habe. Ebenso geht unter, dass der führende Auftragsfertiger für Chips, Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) im Dreimonatszeitraum bis zum 30. September einen Rekordgewinn einfuhr nach einer Steigerung um fast 70 Prozent.

Rocket Lab rutschen um gut 10 Prozent ab, nachdem das Unternehmen den Start seiner Neutron-Rakete auf das nächste Jahr verschoben hat. Vanda Pharmaceuticals hat in einer Phase-3-Studie zur Behandlung von Angststörungen das Ziel verfehlt hat. Die Aktie gibt um 1,7 Prozent nach.

Konjunkturseitig hat der Kalender einiges zu bieten, ob die Daten aber gegen die nachwirkenden Inflationsdaten vom Vortag ankommen, scheint eher fraglich. Berichtet werden die Erzeugerpreise für September, der Philadelphia-Fed-Index, der Empire State Manufacturing Index und die wöchentlichen Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitsloslosenhilfe.

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