KONJUNKTUR IM BLICK/Eine zweite Chance für das dritte Quartal
02.10.2026 / 16:54 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Wie stark hat sich das deutsche Wirtschaftswachstum nach einem überraschend guten ersten Halbjahr verlangsamt? Nach den schwachen Daten für Juli, den ersten Monat des dritten Quartals, lautete die Antwort von Analysten: Deutlich. Aber mit den Daten für August bekommt das dritte Quartal nun gewissermaßen eine zweite Chance. Auf dem Veröffentlichungskalender stehen Zahlen zu Auftragseingang, Industrieumsätzen, Produktion und Außenhandel. Die Einzelhandelsumsätze haben bereits etwas positiv überrascht. Außerdem kommen die Sitzungsprotokolle von US-Notenbank und Europäischer Zentralbank (EZB).
Deutscher Auftragseingang sinkt im August
Der Auftragseingang der deutschen Industrie dürfte sich im August nach drei monatlichen Anstiegen in Folge verringert haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte rechnen damit, dass die Bestellungen gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent gesunken sind, nachdem sie im Juli um 2,5 Prozent angezogen hatten. In allen drei vorangegangenen Monaten hatten die Auftragseingänge positiv überrascht, in zwei Fällen waren im Vorfeld Rückgänge erwartet worden. Die Auftragslage der Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten zumindest im Durchschnitt stetig verbessert.
Zusammen mit den Auftragsdaten kommen am Dienstag (8.00 Uhr) die zum Industrieumsatz und die Umsatzdaten für den Dienstleistungssektor für Juli. Einen Tag später kommen zur gleichen Zeit Daten zur Produktion.
Deutsche Produktion steigt im August
Die Produktion im produzierenden Sektor Deutschland dürfte im August zugelegt haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass die Produktion gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen ist, nachdem sie im Juli um 1,1 Prozent nachgegeben hatte. Die Produktion ist den vergangenen vier Quartalen trotz des recht dynamischen Auftragsgeschehens mehr oder weniger unverändert gewesen. Das lag zum Teil daran, dass es sich um nur langsam abzuarbeitende Großaufträge handelte. Gestützt wurde die Aktivität in letzter Zeit von der Bauwirtschaft.
Deutsche Exporte steigen im August um 1,0 Prozent
Die deutschen Ausfuhren (Donnerstag, 8.00 Uhr) dürften im August gestiegen sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass sie gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent zugenommen haben, nachdem sie im Juli erstmals seit Januar gefallen waren. Für die Importe wird ein Zuwachs von 2,6 Prozent prognostiziert und für die saison- und kalenderbereinigte Handelsbilanz ein Überschuss von 19,3 (21,3) Milliarden Euro.
Fed-Protokoll bietet Einblicke in Diskussionen vor Zinserhöhung
Der Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve hatte am 16. September seine erste Zinserhöhung seit drei Jahren beschlossen und Zinsprognosen veröffentlicht, die darauf hindeuteten, dass es noch in diesem Jahr mindestens zu einer zweiten Zinserhöhung kommen würde. Der hawkishe Gesamteindruck, den Zinsbeschluss, Projektionen und Pressekonferenz hinterließen, bewegte unzählige Analysten dazu, ihre Prognosen für den Zinskurs anzuheben.
Unerwartet schwache Inflationsdaten haben die Zinserwartungen seither wieder etwas sinken lassen, wobei der Arbeitsmarktbericht für September schwächer als erwartet ausgefallen war. Das nun zur Veröffentlichung anstehende Sitzungsprotokoll wird Einblicke in die Diskussionen der FOMC-Mitglieder gewähren. Veröffentlicht wird es am Mittwoch (20.00 Uhr). Am Donnerstag (13.30 Uhr) veröffentlicht die EZB ihr entsprechendes Protokoll.
EZB veröffentlicht Protokoll der Ratssitzung vom 9./10. September
Der EZB-Rat hatte am 10. September beschlossen, seinen Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent anzuheben - das höchste Niveau seit März 2025. Die Entscheidung kam angesichts der Inflationsentwicklung und der Kommunikation von EZB-Offiziellen nicht überraschend.
Die zu Jahresbeginn immer mal vernehmbaren Warnungen davor, dass eine übertriebene Straffung der Geldpolitik das zarte Wachstumspflänzchen zerstören könnten, sind angesichts überraschend robuster Wachstumsdaten verstummt. Das nun zur Veröffentlichung anstehende Sitzungsprotokoll dürfte unter anderem Einblicke darin geben, wie die Ratsmitglieder das Risiko eines breiteren Inflationsanstiegs diskutiert haben.
Kontakt: Hans.Bentzien@dowjones.com
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