Bank of Japan erhöht Leitzins auf 1,25 Prozent - Höchster Wert seit 1995
18.09.2026 / 06:48 Uhr
Von Jason Douglas
DOW JONES--Die Bank of Japan (BoJ) hat ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit 30 Jahren angehoben und mögliche weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt. Die Notenbanker vollzogen damit eine politische Kehrtwende mit potenziell weitreichenden Auswirkungen über Japans Grenzen hinaus.
Japanische Investoren besitzen rund 2,5 Billionen US-Dollar an US-Aktien, Anleihen und anderen Finanzanlagen, was etwa die Hälfte von Japans enormen Auslandsportfolio-Beständen von 5 Billionen US-Dollar ausmacht.
Mit steigenden Zinsen könnte die Aussicht auf höhere Renditen im Inland einen Teil dieses Geldes zurück nach Japan locken und damit den bislang verlässlichen Kapitalstrom verlangsamen oder sogar umkehren, der die Kurse an den US- und anderen Weltmärkten gestützt hat.
"Der Yen-Supertanker wendet", sagte Rory Green, Leiter der Asien- und Schwellenländerforschung bei GlobalData TS Lombard in London.
Die BoJ teilte am Freitag mit, sie habe ihren Leitzins auf 1,25 Prozent angehoben.
Die Entscheidung folgt auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank am Mittwoch sowie auf eine ungewöhnlich öffentliche Kampagne von Finanzminister Scott Bessent, der Japan zu höheren Kreditkosten drängte. Weitere Zentralbanken dürften folgen, da der Krieg im Iran die Energieversorgung verknappt und die Inflation anheizt.
Die Maßnahmen erfolgen vor dem Hintergrund weltweit steigender Anleiherenditen. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe erreichte kürzlich 5 Prozent. In Japan liegen die zehnjährigen Renditen bei etwa 3 Prozent, ein Niveau, das seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr erreicht wurde. Steigende Renditen spiegeln die Sorge der Anleger über Inflation und Staatsverschuldung wider, aber auch einen gewissen Optimismus hinsichtlich künstlicher Intelligenz und deren möglicher Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.
Niedrige Zinsen in Japan führten dazu, dass japanische Investoren jahrelang im Ausland nach besseren Renditen suchten und US-Staatsanleihen sowie europäische Staatsanleihen, Aktien, Unternehmensanleihen und andere Vermögenswerte aufkauften. Japanische Banken liehen sich günstig im Inland Geld, um es im Ausland zu verleihen und die Differenz als Rendite einzustreichen.
Der staatliche japanische Pensionsfonds GPIF, der mehr als 2 Billionen US-Dollar für japanische Arbeitnehmer verwaltet, parkte einst rund 60 Prozent seines Vermögens in japanischen Staatsanleihen. Vor mehr als einem Jahrzehnt begann er, in ausländische Anleihen und Aktien umzuschichten; heute machen inländische japanische Anleihen nur noch etwa ein Viertel seines Portfolios aus.
Um Renditeziele zu erreichen, "erkannten sie, dass sie eine höhere Aktienquote brauchten", sagte Eiji Ueda, der von 2020 bis 2025 Chief Investment Officer des GPIF war und heute Asien-Pazifik-Chef bei Apollo Global Management in Tokio ist.
Der GPIF besitzt laut aktuellen Finanzberichten rund 240 Milliarden US-Dollar an US-Staatsanleihen. Die größten ausländischen Aktienpositionen sind Nvidia, Apple und Microsoft.
Japans Finanzministerin Satsuki Katayama hat erklärt, sie würde es begrüßen, wenn der GPIF mehr seiner Mittel im Inland investieren würde, doch Regierungsbeamte, die den Fonds beaufsichtigen, haben erklärt, dass noch keine neuen Entscheidungen getroffen wurden.
Für die USA würde ein nachlassendes Interesse japanischer Investoren an US-Staatsanleihen den Aufwärtsdruck auf die Renditen verstärken, die sich umgekehrt zu den Anleihekursen bewegen. Bei einer seltenen gemeinsamen Intervention mit Tokio zur Stützung des Yen sagte Bessent, Japan solle künftig in Erwägung ziehen, sich Dollar bei der Fed zu leihen, statt seine US-Staatsanleihen zu verkaufen.
Japan ist laut US-Finanzministerium der größte Halter von US-Staatsanleihen mit rund 1,1 Billionen US-Dollar (Stand Ende Juli). Das ist weniger als der Höchststand von 1,2 Billionen US-Dollar im Februar, bevor Japans Bemühungen zur Stützung des Yen begannen.
Analysten und Investoren warnen, dass eine Umlenkung japanischen Kapitals nur schrittweise erfolgen und davon abhängen wird, ob die BoJ trotz wirtschaftlicher Schwächen weitere Zinserhöhungen durchsetzt.
Leicht steigende Zinsen in Japan könnten zudem nicht ausreichen, um japanische Investoren dazu zu bewegen, größere Summen zurückzuholen, wenn sie ihr Geld in amerikanische Technologiewerte oder höher verzinste Anleihen anderer Länder investieren können, die immer noch über den japanischen liegen, sagen einige Analysten.
"Im Moment erwarte ich keine massive Rückführung von Geldern aus US-Staatsanleihen nach Japan", sagte Norihiro Yamaguchi, leitender Japan-Volkswirt bei Oxford Economics in Tokio. Es bedürfe mehr Klarheit darüber, wie hoch die BoJ ihren Leitzins anheben wolle, um japanische Investoren zu einer stärkeren Umschichtung in inländische Anlagen zu bewegen.
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