Bundesbank: Konzentration von Staatsanleihen bei Banken begrenzen
15.09.2026 / 15:13 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Deutsche Bundesbank schlägt vor, die Konzentration von Staatsanleihen in Bankbilanzen zu verringern, um so Fortschritte bei der Einführung einer einheitlichen europäischen Einlagensicherung (Edis) zu ermöglichen. Als mögliche Werkzeuge nennt sie die Einführung von Obergrenzen für den Besitz von Staatsanleihen, darunter solchen des Staates, in denen das Institut seinen Sitz hat. Die regulatorische Behandlung von Staatsanleihen gilt als ein Hindernis für die Zustimmung Deutschlands zu einer engeren Bankenunion.
Banken haben verschiedene Gründe, viele Staatsanleihen zu halten: Sie werden als risikofrei behandelt, weshalb Banken für sie kein Eigenkapital vorhalten müssen. Sie sind außerdem hoch liquide und helfen den Instituten bei der Erfüllung von Liquiditätsanforderungen. Besondere Anreize haben Banken, Anleihen "ihres" Staats zu halten: Die Wahrscheinlichkeit, im Fall eines Falles gerettet zu werden, ist bei einer engen Verflechtung höher, außerdem üben Staaten sanften Druck auf die Institute aus, ihnen Anleihen abzunehmen.
Die Bundesbank zeigt in ihrem Bericht, wie stark die Verflechtung von Banken und Staaten im Euroraum ist. Der Anteil heimischer Staatsschuldtitel an den Gesamtaktiva beträgt im deutschen und französischen Bankensystem jeweils knapp über 4 Prozent, während er bei spanischen Banken im Aggregat bei über 10 Prozent und bei italienischen Banken bei fast 16 Prozent liegt. Der Anteil heimischer Staatsanleihen an den gesamten Staatsanleihen von Euroländern beträgt in Deutschland 67,8 Prozent, in Frankreich 83,9 und in Italien 82,2 Prozent.
In einen Stresstest hat die Bundesbank herausgefunden, dass Banken mit einer hohen Konzentration an Staatsanleihen in der Bilanz ein stärkeres Stabilitätsrisiko darstellen als solche mit niedrigerer Konzentration. (Umgekehrt stellen Staaten mit hoher Verschuldung ein Risiko für die Banken dar, die deren Anleihen kaufen.) Würde man im jetzigen Zustand die Einlagensicherungssysteme zusammenlegen, käme das einer Vergemeinschaftung von Risiken gleich.
Dem könnte man laut den Vorschlägen der Bundesbank mit zwei Werkzeugen begegnen:
1. Konzentrationszuschläge zum Eigenkapital
Sie lösen ab einem bestimmten Schwellenwert Eigenkapitalanforderungen für Forderungen gegenüber einzelnen Staaten aus. Die zusätzlichen Eigenkapitalanforderungen steigen dabei mit zunehmender Konzentration an. Bemessungsgrundlage ist das Verhältnis der Forderungen gegenüber einem Staat zum harten Kernkapital der Bank.
2. Konzentrationslimits
Solche Limits legen eine Obergrenze für das Engagement gegenüber einzelnen Staaten fest. Wird diese Grenze überschritten, müssten bestehende Bestände reduziert werden, und zusätzliche Käufe von Staatsschuldtiteln des betreffenden Emittenten wären nicht mehr zulässig.
Letzteres Instrument ist etwas restriktiver und würde in einigen Staaten zu einer deutlich niedrigeren Staatsanleihenachfrage bzw. höheren Renditeforderungen der Banken führen. Laut Bundesbank-Grafik wäre Frankreich am stärksten betroffen, gefolgt vom Italien, Spanien und Deutschland.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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September 15, 2026 09:12 ET (13:12 GMT)
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