KONJUNKTUR IM BLICK/Deutsche Daten für Mai und Protokolle
03.07.2026 / 16:01 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Das Jahr 2026 ist "halb rum", aber die harten Konjunkturdaten hinken wie immer etwas hinterher. In der vor uns liegenden Woche werden Daten zur Entwicklung der leidgeprüften deutschen Industrie für Mai veröffentlicht, was die Erwartungen hinsichtlich des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal beeinflussen dürfte. Außerdem kommen die geldpolitischen Sitzungsprotokolle von Fed und Europäischer Zentralbank (EZB), und der Internationale Währungsfonds (IWF) veröffentlicht einen aktualisierten Weltwirtschaftsausblick.
Deutscher Auftragseingang steigt im Mai etwas
Der Auftragseingang der deutschen Industrie dürfte im Mai nach einem deutlichen Rückgang im Vormonat etwas gestiegen sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass die Bestellungen gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent gestiegen sind, nachdem sie im April um 3,8 Prozent nachgegeben hatten. Die Auftragstätigkeit kann nur als sehr gedämpft bezeichnet werden. Durch das Minus im April ergibt sich gegenüber dem ersten Quartal ein Rückgang von 0,4 Prozent, nachdem das erste Quartal seinerseits um 4,2 Prozent unter dem vierten gelegen hatte. Belastend wirkt vor allem die schwache Inlandsnachfrage. Der Auftragseingang ohne Großaufträge hat sich zuletzt im Trend erholt.
Die Zahlen werden am Montag (8.00 Uhr) veröffentlicht. Zusammen mit ihnen kommen die zum Umsatz im verarbeitenden Gewerbe, die noch die Erwartungen hinsichtlich der am Folgetag anstehenden Produktionsdaten beeinflussen dürften.
Deutsche Produktion sinkt im Mai leicht
Die Produktion im produzierenden Sektor Deutschlands (Dienstag, 8.00 Uhr) dürfte im Mai leicht nachgegeben haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass der Output von Industrie, Bau- und Energiewirtschaft gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent zurückgegangen ist, nachdem es im April zu einem Anstieg um 0,4 Prozent gekommen war. Die Erwartungen von Ökonomen hinsichtlich des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal sind gedämpft. Ein Anstieg der Produktion im Mai würde die Aussichten auf ein leichtes Wirtschaftswachstum verbessern.
Vervollständigt wird die Reihe der Veröffentlichungen von der Handelsbilanz für Mai (Donnerstag, 8.00 Uhr)
Erstes FOMC-Sitzungsprotokoll der Ära Warsh
Fed-Chairman Kevin Warsh will die US-Notenbank bekanntermaßen auf Kommunikationsdiät setzen. Was seine eigene Kommunikation angeht, ist ihm das bereits gelungen. Das geldpolitische Statement war im Juni dagegen nicht kürzer als sonst, wobei es - verglichen mit dem der Europäischen Zentralbank (EZB) etwa - ohnehin sehr kurz ist. Das Protokoll ("Minutes") ist in der Regel knapp 20 Seiten lang, einschließlich einer sehr ausführlichen Anwesenheitsliste. Es bleibt abzuwarten, ob Warsh bereits für eine Straffung gesorgt hat, oder ob er auch hier die Ergebnisse einer der viel besprochenen Arbeitsgruppen abwarten will.
Der Offenmarktausschuss FOMC hatte am 17. Juni beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen und keine Bereitschaft zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik mehr zu signalisieren. Das Protokoll wird am Dienstag (20.00 Uhr) veröffentlicht. Zwei Tage später, am Donnerstag (13.30 Uhr) folgt das EZB-Pendant
EZB-Protokoll zeigt Diskussionen vor erster Zinsanhebung seit 2023
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte am 11. Juni seine erste Zinserhöhung seit 2023 beschlossen, und zwar einstimmig. Seither spekulieren Analysten darüber, ob es das schon war, oder ob da noch mehr kommt. Die Aussage des Rats, die Anhebung um 25 Basispunkte lasse sich selbst im freundlichsten der EZB-Szenarien für die Entwicklung des Nahost-Konflikts gut begründen, weckte die Erwartung, dass es bis Jahresende noch eine weitere Zinserhöhung geben würde.
Sechs Tage später schlossen der Iran und die USA ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Konflikts und der Ölpreis fiel. Das spiegelte sich bereits in einem unerwartet deutlichen Inflationsrückgang im Juni und einer immer weiter sinkenden Erwartung hinsichtlich einer weiteren Straffung.
Weiterhin von Interesse: Der Internationale Währungsfonds (IWF) veröffentlicht am Mittwoch (15.00 Uhr) einen aktualisierten Weltwirtschaftsausblick mit Wachstumsprognosen für 2026 und 2027. Angesichts des volatilen Weltgeschehens dürfte es sich um ein Dokument mit geringer Aussagekraft handeln.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/sha
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