Bundesbank hebt Inflations- und senkt BIP-Prognosen
12.06.2026 / 11:00 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Bundesbank im laufenden Jahr etwas und 2027 deutlich weniger stark wachsen als zuletzt erwartet, sich ab 2028 aber deutlicher erholen. Wie aus der neuen gesamtwirtschaftlichen Prognose hervorgeht, rechnet die Bundesbank für 2026 mit einem Wachstum des preis- und kalenderbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent, nachdem sie im Dezember 2025 einen Zuwachs von 0,6 Prozent prognostiziert hatte. Für 2027 und 2028 werden nun Wachstumsraten von 0,8 (1,3) und 1,4 (1,1) Prozent erwartet.
"In unserem Prognosezeitraum bis 2028 gewinnt die Konjunktur wieder an Fahrt", erklärte Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Gestützt werde die Erholung durch wieder sinkende Energiepreise, eine anziehende Weltwirtschaft und vor allem durch kräftige Impulse von der Fiskalpolitik.
Die Bundesbank-Fachleute schätzen, dass das Produktionspotenzial im Prognosezeitraum um lediglich 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr zunimmt. Insbesondere durch die expansive Fiskalpolitik übersteigen die erwarteten BIP-Zuwachsraten das schwache Potenzialwachstum damit spürbar.
Die am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene Inflation wird laut Bundesbank-Prognose 2026 bis 2028 bei 2,9 (2,3), 2,7 (2,2) und 1,9 (1,9) Prozent liegen und die Kerninflation bei 2,6 (2,4), 2,5 (2,1) und 2,3 (2,2) Prozent.
Sollten die Energiepreise wegen der Entwicklung im Nahen Osten noch stärker steigen als in der Prognose unterstellt, könnte dies den allgemeinen Preisanstieg zusätzlich verstärken und zugleich die Konjunktur erheblich dämpfen. "Alles in allem ist unsere neue Prognose aufgrund der geopolitischen Situation durch eine besonders hohe Unsicherheit geprägt", sagte Nagel.
Das Haushaltsdefizit sieht die Bundesbank 2028 bei 4,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung und den Schuldenstand bei 69,7 Prozent. Damit überschreitet Deutschland sowohl den EU-Referenzwert von 3 Prozent ab 2026 als auch der Bund ab 2028 die Kreditobergrenze der nationalen Schuldenregel.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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