IWF senkt Euroraum-BIP-Prognose - EZB soll straffen

11.06.2026 / 11:45 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum des Euroraums 2026 leicht gesenkt und der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Straffung ihrer Geldpolitik bei "vorausschauender Kommunikation" nahegelegt. Wie aus einem Bericht zum Abschluss von Artikel-4-Konsultationen hervorgeht, rechnet der IWF für 2026 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,9 Prozent. In der im April veröffentlichten Aktualisierung des Weltwirtschaftsausblicks waren es noch 1,1 Prozent gewesen. Die Wachstumsprognose von 1,2 Prozent für 2027 wurde bestätigt.

Der IWF erwartet für die beiden Jahre Inflationsraten von 2,8 und 2,3 Prozent und schreibt an die EZB gerichtet: "Der Leitzins wird steigen müssen, um die Auswirkungen des Schocks auf die Inflation einzudämmen." Im Basisszenario (das in Übereinstimmung mit den Markterwartungen vom 26. Mai von einer kumulierten Erhöhung um 50 Basispunkte im Jahr 2026 gegenüber dem Vorkriegsniveau ausgehe) blieben die Gesamt- und die Kerninflation bis ins Jahr 2028 hinein über 2 Prozent.

"Sollten die eingehenden Daten mit der Prognose des Basisszenarios übereinstimmen, könnte ein etwas restriktiverer geldpolitischer Kurs als im Basisszenario angenommen erforderlich sein. Dies wäre notwendig, um die mittelfristigen Inflationserwartungen solide zu verankern, zu verhindern, dass der Energiekostenschock zu allgemeinen Preiserhöhungen führt, und eine zeitnähere Rückkehr der Inflation zum Zielwert zu gewährleisten."

Falls die Energiepreise und die Inflationserwartungen stärker stiegen als es mit dem im Basisszenario vorgesehenen Inflationspfad vereinbar wäre, könnte nach Aussage des IWF eine schnellere und/oder stärkere Straffung angemessen sein. "Wenn jedoch der Anstieg der Inflationserwartungen mit einer erheblichen Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen und einer geringeren Nachfrage einhergeht, würde eine negativere Produktionslücke den Inflationsdruck begrenzen und den Straffungsbedarf verringern. Der IWF rät der EZB zu einer "vorausschauenden Kommunikation".

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/mgo

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June 11, 2026 05:45 ET (09:45 GMT)

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