EZB: Einige Ratsmitglieder hätten Zinserhöhungsvorschlag zugestimmt

28.05.2026 / 14:25 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat es bei den Beratungen am 29. und 30. April 2026 trotz verschärfter "Aufwärtsrisiken" für die Inflationsentwicklung keine Mehrheit für eine Zinserhöhung gegeben. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Sitzungsprotokoll hervorgeht, wären einige Ratsmitglieder nicht abgeneigt gewesen, einen solchen Schritt zu tun. "Einige Mitglieder merkten an, dass die Entscheidung eine knappe Angelegenheit gewesen sei und sie einer Zinserhöhung auf der aktuellen Sitzung nicht widersprochen hätten, sofern diese zur Debatte gestanden hätte", heißt es in dem Dokument.

Aus diesem Protokoll geht außerdem hervor, dass EZB-Chefvolkswirt Philip Lane dem Rat unveränderte Zinsen mit der Begründung vorgeschlagen hatte, dass die seit März bekannt gewordenen Informationen und Daten im Großen und Ganzen der bisherigen Einschätzung des Rats zum Inflationsausblick und den ihn umgebenden Risiken entsprächen.

Zugleich waren die Mitglieder der Meinung, dass sich die Aufwärtsrisiken für den Inflationsausblick verschärft hätten. Es sei nun offensichtlich, dass der Energiepreisschock nicht nur beträchtlich sei, sondern auch an Persistenz gewinne, was das Risiko erhöhe, dass er auf die breitere Inflationsdynamik übergreife.

In der Diskussion wurde demnach hervorgehoben, dass die Basisszenario-Projektionen der Experten vom März an zwei Zinserhöhungen bis zum Jahresende gekoppelt gewesen seien. "Selbst unter diesen Annahmen wurde prognostiziert, dass die Inflation mittelfristig geringfügig über dem Zielwert bleiben würde, wobei die Projektionen den Anstieg der Ölpreise seit der März-Sitzung noch gar nicht berücksichtigten", heißt es weiter.

Daher sei es zunehmend wahrscheinlich geworden, dass ein Ansatz des "Darüberhinwegsehens" nicht mehr angemessen ist. Es wurde argumentiert, dass diese Situation den primären Fokus darauf verlagere, den am besten geeigneten Zeitpunkt für eine Zinserhöhung zu bestimmen. Eine Anhebung der Zinssätze auf der aktuellen Sitzung hätte nach Meinung der "Falken" ein noch stärkeres Signal der Entschlossenheit gesendet, die Inflation rechtzeitig auf den Zielwert zurückzuführen. Der Optionswert des Abwartens mit einer Leitzinserhöhung habe sich seit der letzten Sitzung verringert.

Trotz dieser Bedenken waren alle Mitglieder bereit, sich hinter die Entscheidung zu stellen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Dies geschah mit der Begründung, dass auf der aktuellen Sitzung keine akute Dringlichkeit für eine Zinserhöhung bestehe - vorausgesetzt, dass die Kommunikation das feste Engagement des EZB-Rates betont, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation mittelfristig auf dem Zielniveau stabilisiert.

ESTR-Forwards preisen eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Juni zu 95 Prozent ein.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

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May 28, 2026 08:24 ET (12:24 GMT)

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