EZB: Aktien und Unternehmensanleihen weiter hoch bewertet
27.05.2026 / 10:01 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht angesichts des Kriegs am Golf weiterhin ein Risiko von Finanzmarktkorrekturen, die die Finanzstabilität des Euroraums gefährden könnten. In ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht räumt die Zentralbank ein, dass sowohl Banken als auch Nichtbanken im aktuell schwierigen globalen Umfeld Stabilität zeigten. Gleichwohl warnt die EZB vor Korrekturen an Aktien- und Anleihemärkten sowie vor den Auswirkungen der Liquiditätsrisiken bei Nichtbanken, für die sie eine "umfassende Regulierung" fordert.
"Die anfänglichen Anpassungen der Finanzmärkte erwiesen sich ... als kurzlebig, sodass die Aktienbewertungen gemessen an historischen Standards nach wie vor hoch sind", heißt es in dem Bericht mit Blick auf den Iran-Krieg. Gleichzeitig seien die Risikoprämien für Unternehmensanleihen weltweit komprimiert geblieben, weshalb die Preisgestaltung anfällig für das ungewöhnlich hohe Maß an geopolitischer und politischer Unsicherheit sei. "Es besteht daher ein erhebliches Risiko, dass sich die Stimmung an den Finanzmärkten verschlechtert, da Abwärtsrisiken im Zusammenhang mit geopolitischen, fiskalischen und makrofinanziellen Entwicklungen offenbar unterschätzt werden", befindet die EZB.
Nichtbanken haben sich nach EZB-Einschätzung gegenüber dem Krieg weitgehend widerstandsfähig gezeigt, sähen sich jedoch Risiken durch breit angelegte Marktabschwünge ausgesetzt. "Insbesondere die Kombination aus geringen Liquiditätspuffern, hohen Portfoliobewertungen und konzentrierten Risikopositionen in ihren Bilanzen erhöht das Risiko von Notverkäufen von Vermögenswerten, die den Marktstress verstärken könnten", warnt die EZB. Obwohl sie im Euroraum an sich kein systemisches Problem darstellten, erforderten undurchsichtige und miteinander verflochtene private Märkte aufgrund von Spillover-Risiken - insbesondere aus den Vereinigten Staaten - eine genaue Überwachung.
Die anhaltenden Liquiditäts- und Verschuldungsschwachstellen in der Nichtbanken-Finanzintermediation erfordere eine "umfassende regulatorische Reaktion".
Die Banken des Euroraums haben die jüngsten Phasen der Unsicherheit nach EZB-Aussage gut überstanden, gestützt auf eine starke Rentabilität sowie reichliche Kapital- und Liquiditätspuffer. "Die Bedeutung von Nichtbanken-Quellen in ihrem Refinanzierungsmix könnte sie jedoch Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken aussetzen, falls die Marktbedingungen volatiler werden sollten", warnt die EZB.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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May 27, 2026 04:00 ET (08:00 GMT)
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