Deka auf Commerzbank-HV: Unicredit wie Elefant im Porzellanladen
20.05.2026 / 10:00 Uhr
DOW JONES--Die Fondsgesellschaften Deka und DWS sehen derzeit kaum Chancen auf einen konstruktiven Dialog der Commerzbank mit der Unicredit. Der "Elefant im Raum", benehme sich "eher wie einer im Porzellanladen", sagte Andreas Thomae, Vertreter der Deka Investment, laut Redemanuskript auf der Hauptversammlung der Commerzbank mit Blick auf die Übernahme-Avancen der italienischen Bank. "Ungestüm und nicht freundlich. Das sind keine guten Voraussetzungen, um sich an einen Tisch zu setzen und vernünftig über mögliche Perspektiven zu sprechen."
Vorstand und Aufsichtsrat seien verpflichtet, im Interesse des Unternehmenswohls und seiner Aktionäre zu handeln, gab Hendrik Schmidt, Corporate-Governance-Experte von der DWS, in seiner Rede zu bedenken. Klar sei, dass zur Steigerung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit im Bankenbereich auch grenzüberschreitende Zusammenschlüsse und Übernahmen erfolgen werden beziehungsweise werden müssen. "Ob es in dieser verfahrenen Lage noch zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe kommen kann, ist zweifelhaft", fügte er jedoch hinzu.
Man dürfte nicht auf einen "weißen Ritter" oder auf den Bund hoffen, um eine Übernahme zu verhindern. In diesem Zusammenhang lobte Schmidt die ehrgeizigen neuen Ziele, die die Commerzbank vorvergangene Woche ausgegeben hat. "Diese damit gesetzten Zielmarken bewegen sich im europäischen Vergleich auf einem Niveau, das nur von wenigen Wettbewerbern erreicht wird", sagte Schmidt. "Zugleich sind sie klar als Signal der Eigenständigkeit der Commerzbank zu verstehen. Wir begrüßen diesen Ehrgeiz ausdrücklich. Gleichzeitig gilt: Entscheidend wird nun die konsequente und glaubwürdige Umsetzung sein." Seiner Meinung nach wird die Unicredit nicht lockerlassen. "Sie verfügt über die notwendigen Mittel und die Zeit."
"Der beste Schutz vor einer Übernahme ist die eigene Wertsteigerung", sagte Deka-Vertreter Thomae und appellierte an Vorstand und Belegschaft: "Lassen Sie sich nicht ablenken und konzentrieren Sie sich auf Ihre Kunden und das Kerngeschäft. Lassen Sie Taten sprechen!"
Er fürchtet, dass die Pläne der Unicredit die Managementkapazitäten der Commerzbank dauerhaft in Anspruch nehmen würden. Die Pläne sähen vor, die Commerzbank erst nach einer Restrukturierung über drei Jahre mit der Unicredit-Tochter HVB zu fusionieren. "Insgesamt reden wir über einen Zeitraum von fünf Jahren, was die Commerzbank intern binden würde mit der Gefahr, den Kundenfokus zu verlieren", sagte Thomae.
Er kritisierte die Restrukturierungsempfehlungen, die die Unicredit für die Commerzbank ausgegeben hatte. Das Ziel, die Eigenkapitalrendite der Commerzbank bis 2028 zunächst auf 19 Prozent und dann 2030 auf 23 Prozent zu hieven, "bleibt zu wenig unterfüttert und wegfallende Erträge werden kaum berücksichtigt", fügte er hinzu. "Das freiwillige Umtauschangebot ist derzeit keine Option."
Die Commerzbank selbst hat vorvergangene Woche - auch unter dem Eindruck der Unicredit-Pläne - neue Ziele bis 2030 vorgestellt, die deutlich ehrgeiziger als bisher ausfallen. Sie sehen vor, dass die Eigenkapitalrendite 2028 auf 17 Prozent und 2030 auf 21 Prozent steigt.
"Das sind ambitionierte Ziele, aber die Initiativen dazu sind untermauert und der Track Record ist gut", meint Thomae. Das Ausführungsrisiko ist nicht zu unterschätzen, erscheint aber bei dieser Strategie geringer."
Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com
DJG/mgo/kla
(END) Dow Jones Newswires
May 20, 2026 04:00 ET (08:00 GMT)
Bitte beachten Sie das Regelwerk
DAX®, MDAX®, TecDAX® und SDAX® sind eingetragene Markenzeichen der ISS STOXX Index GmbH
EURO STOXX®-Werte bezeichnet Werte der Marke „EURO STOXX“ der STOXX Limited und/oder ihrer Lizenzgeber
TRADEGATE® ist eine eingetragene Marke der Tradegate AG
Kurse in EUR; Fremdwährungsanleihen in der jeweiligen Währung
Zeitangaben in CEST (UTC+2)
Top 5 Umsatz
Letzte Aktualisierung:
20.05.2026 @ 11:05:46


