MÄRKTE EUROPA/Aktien auf Erholungskurs - Meist gute Unternehmenszahlen stützen

13.05.2026 / 09:55 Uhr

Von Steffen Gosenheimer

DOW JONES--Die europäischen Aktienmärkte befinden sich nach dem Rücksetzer am Vortag am Mittwoch auf Erholungskurs. Dabei agieren sie im Spannungsfeld von Iran-Krieg, Inflationssorgen und dem US-chinesischen Gipfel in Peking. Dazu kommt eine kaum überschaubare Flut an Quartalsberichten, die überwiegend gut ausgefallen sind und die Stimmung heben.

Der DAX zieht um 0,9 Prozent auf 24.168 Punkte an, der Euro-Stoxx-50 macht 0,7 Prozent gut. Einer stärkeren Gegenbewegung dürften unter anderem Inflationssorgen im Weg stehen, nachdem am Vortag US-Verbraucherpreise einen noch stärkeren Anstieg gezeigt haben als ohnehin schon erwartet. Aus Deutschland wurden derweil Verkaufspreise im Großhandel berichtet, die im April 6,3 Prozent höher lagen als im Vorjahr. Im März waren es noch 4,1 und Februar 1,2 Prozent gewesen. Hintergrund der zunehmenden Dynamik ist der Energiepreisschock als Folge des Nahost-Kriegs.

Nach dem Renditeanstieg am Vortag geht es im frühen Handel mit den Marktzinsen wieder leicht nach unten. Vermögensverwalter Thomas Altmann von QC Partners weist darauf hin, dass die Renditen deutscher Bundesanleihen am Vortag auf das höchste Niveau seit 2011 geklettert sind. "Und ausgerechnet heute stockt die Bundesrepublik Deutschland ihre 2054 fällige Anleihe auf. Das könnte für Deutschland die teuerste Emission seit dem Jahr 2011 werden", so der Marktteilnehmer. Im Zehnjahresbereich liegt die Rendite bei 3,10 Prozent.

Hoffnungsvoll im Blick haben die Märkte das bevorstehende US-chinesische Gipfeltreffen. Eine der Fragen ist, ob US-Präsident Donald Trump Peking auf seine Seite ziehen kann als Druckmittel gegen den Iran. Für Hoffnung auf Entspannung in den Handelsstreitigkeiten beider Länder sorgt derweil, dass der Chef des KI-Flaggschiffs Nvidia die Trump-Delegation begleitet.

Unternehmensseitig hat Siemens durchwachsene Quartalszahlen vorgelegt. Während es in technologienahen Geschäftsbereichen nach oben ging, sackte der Gewinn im Industriegeschäft um 8 Prozent ab. Insgesamt sank das Nettoergebnis zwar, fiel aber immer noch etwas höher als erwartet aus. Mit 11 Prozent ging es mit dem Auftragseingang stärker nach oben als gedacht. Siemens kündigte außerdem ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 6 Milliarden Euro in einem Zeitraum bis zu fünf Jahren an. Die Aktie gibt um 1,7 Prozent nach.

Für Deutsche Telekom geht es um 1,6 Prozent nach oben. Das Unternehmen hat seinen Wachstumskurs im ersten Quartal fortgesetzt und die Jahresprognose leicht angehoben. Die Allianz hat den operativen Gewinn zum Jahresauftakt vor allem dank seines Schaden-Unfall-Geschäfts stärker gesteigert als erwartet. Unter dem Strich verbuchte der Konzern wegen Veräußerungsgewinnen einen Gewinnsprung. Den Ausblick für 2026 bestätigte Europas größter Versicherer aber nur. Die Aktie gewinnt 2,1 Prozent.

Merck KGaA machen einen Satz um 7,7 Prozent nach oben. Nach stark ausgefallenen Quartalszahlen hat der Pharma- und Technologiekonzern die Jahresprognose erhöht. Träger der Gewinnentwicklung ist unter anderem der Geschäftsbereich Halbleiter.

Der Chemikalienhändler Brenntag hat - belastet vom schwierigen Umfeld - sowohl bei Umsatz als auch Ergebnis Rückgänge hinnehmen müssen. Die Bruttomarge konnte der DAX-Konzern aber verbessern. Zudem bekräftigte das Essener Unternehmen die Prognose für das Gesamtjahr. Der Kurs verliert 2,2 Prozent.

Die Porsche Holding ist mit einem Gewinnrückgang in das Geschäftsjahr 2026 gestartet, hat die eigenen Erwartungen jedoch erfüllt. Gleichzeitig bestätigte die Holding die Ziele für das Gesamtjahr. Das Papier verbilligt sich um gut 1 Prozent.

Bei Siemens Energy sorgt eine Fülle positiver Analystenstimmen nach den Zahlen vom Vortag für eine Erholung um über 4 Prozent vom starken Kursminus am Dienstag. Goldman Sachs, Barclays, Berenberg und die Deutsche Bank haben ihre Kursziele erhöht.

Auto1 hat den Wachstumskurs auch im ersten Quartal fortgesetzt und die Prognose für das laufende Jahr bekräftigt. Die Aktie des Autohändlers büßt 0,6 Prozent ein. Tui hat im zweiten Geschäftsquartal den saisonal üblichen Verlust bei stabilen Einnahmen verringert. Die vor drei Wochen wegen des Iran-Krieges gesenkte Prognose für das operative Ergebnis bestätigte der Reisekonzern. Die Umsatzprognose ist weiterhin ausgesetzt. Die Tendenz zu kurzfristigen Sommerbuchungen hält laut Tui an. Die Aktie verteuert sich um 1,4 Prozent.

Die RTL Group hat ihren Umsatz trotz eines schwachen Werbeumfelds stabil gehalten. Den zunächst bestätigten Ausblick will das Unternehmen im August aktualisieren. Er soll dann auch die bis dahin übernommene Sky Deutschland umfassen. Der Markt setzt den Kurs um 2 Prozent nach unten.

Der IT-Dienstleister Cancom hat trotz eines leichten Umsatzrückgangs zweistellige Wachstumsraten beim operativen Gewinn verzeichnet und den Ausblick bestätigt. Der Markt macht daraus ein Minus der Aktie von 1,6 Prozent.

In Paris geht es für Alstom um 1,6 Prozent aufwärts. Der Zughersteller hat im Geschäftsjahr 2026 einen deutlich höheren Nettogewinn als im Vorjahr erzielt. Das bereinigte operative Ergebnis - die wichtigste Kennzahl des Unternehmens - blieb mit 1,17 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil.

Zurich Insurance sieht sich auf Kurs, die bis 2027 gesetzten Ziele zu erreichen oder zu übertreffen und erwartet keine wesentlichen Auswirkungen der Nahost-Spannungen. Das kommt gut an, die Aktie verteuert sich um 4 Prozent. Um 7,8 Prozent nach oben geht es für ABN Amro in Amsterdam. Die Bank hat in ihrem ersten Quartal nicht nur mehr verdient als erwartet, sondern erwartet auch für das gesamte Jahr geringere Kosten.

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INDEX            zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag  +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50   5.848,44   +0,7      39,99        5.808,45        1,0 
Stoxx-50        5.081,61   +0,9      45,95        5.035,66        3,3 
DAX            24.167,75   +0,9     212,82       23.954,93       -1,3 
MDAX           31.234,20   +0,7     223,82       27.039,42        2,0 
TecDAX          3.757,36   +1,3      47,91        3.091,28        3,7 
SDAX           18.278,22   +1,0     180,89       13.062,07        6,4 
FTSE           10.358,16   +0,9      92,84       10.265,32        4,3 
CAC             8.001,63   +0,3      21,71        7.979,92       -1,8 
SMI            13.222,26   +0,8     102,73       13.119,53       -0,3 
ATX             5.883,70   +0,6      34,72        5.848,98       10,5 
 
DEVISEN          zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag  Mo, 17:01 
EUR/USD           1,1710   -0,2    -0,0027          1,1737     1,1780 
EUR/JPY           184,74   -0,1    -0,2600             185   184,9600 
EUR/CHF           0,9152   -0,1    -0,0011          0,9163     0,9154 
EUR/GBP           0,8657   -0,1    -0,0012          0,8669     0,8634 
USD/JPY           157,73   +0,1     0,1200          157,61   157,0000 
GBP/USD            1,352   -0,1    -0,0016          1,3536     1,3638 
USD/CNY           6,7906   -0,0    -0,0014          6,7920     6,7948 
USD/CNH           6,7899   +0,0     0,0005          6,7894     6,7908 
AUS/USD           0,7232   -0,1    -0,0007          0,7239     0,7252 
Bitcoin/USD    80.915,97   +0,3     243,08       80.672,89  80.857,28 
 
ROHÖL            zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag 
WTI/Nymex         100,90   -1,3      -1,28          102,18 
Brent/ICE         106,39   -1,3      -1,38          107,77 
 
Metalle          zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag 
Gold            4.704,50   -0,2      -9,15        4.713,65 
Silber             86,57   +0,0       0,03           86,54 
Platin          2.121,32   -0,2      -4,98        2.126,30 
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/gos/flf

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