EZB/Schnabel: Energiepreisschock breitet sich schneller als 2021 aus

07.05.2026 / 19:59 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--EZB-Direktorin Isabel Schnabel sieht Anzeichen dafür, dass die Inflationsdynamik derzeit stärker ist als während des Post-Corona-Schocks 2021. In einer in London gehaltenen Vorlesung verwies sie auf die Preiserhöhungspläne der Unternehmen und den Anstieg der Inflationserwartungen von Konsumenten. Schnabel mahnte außerdem die Regierungen, die Fähigkeit der Zentralbanken zur Inflationsbekämpfung nicht durch exzessive Schulden und Finanzderegulierung zu untergraben.

"Jüngste Umfragen deuten darauf hin, dass ein rapide wachsender Anteil europäischer Industrieunternehmen Preiserhöhungen plant, um die Gewinnmargen vor steigenden Inputkosten zu schützen - selbst wenn der Terms-of-Trade-Schock die Nachfrage dämpft", sagte Schnabel laut veröffentlichtem Text der Vorlesung. Gleichzeitig zeichneten sich erneut Störungen in den Lieferketten ab, und die Inflationserwartungen der Haushalte passen sich rasch an.

"Im März erwartete der Medianverbraucher im Euroraum für die kommenden drei Jahre eine Inflation von 3 Prozent, was einem Niveau ähnlich wie in den Jahren 2021 bis 2022 entspricht, während die Durchschnittserwartungen ein Allzeithoch erreichten. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass Preisschocks das Wirtschaftssystem wahrscheinlich schneller durchlaufen werden als im Jahr 2021, da die Erinnerungen an jene schmerzhafte Inflationsphase noch frisch sind." Sollte sich der Energiepreisschock ausweiten, müsste die Geldpolitik gestrafft werden, um das Risiko von Zweitrundeneffekten einzudämmen, welche die mittelfristige Preisstabilität gefährden. Dieses Risiko habe in den vergangenen Wochen zugenommen.

ESTR-Futures preisen eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni ein. Ein weiterer Schritt wird für September erwartet.

Schnabel warnte, dass die Unabhängigkeit der Zentralbanken und damit ihre Fähigkeit zur effizienten Inflationsbekämpfung von zwei Entwicklungen bedroht werde: Der steigenden Staatsverschuldung und einer Deregulierung von Banken. Falls sich die Fiskalpolitik unverantwortlich verhalte, könnte die Geldpolitik schließlich gezwungen sein, Staatsschulden zu monetarisieren, was zu fiskalischer Dominanz führen würde.

Die Fähigkeit der Zentralbank zur Wahrung der Preisstabilität kann Schnabel zufolge außerdem faktisch von der Fragilität des Finanzsystems einschränkt werden. "Eine Zentralbank, die die Zinsen nicht anheben kann, ohne finanzielle Störungen oder eine Finanzkrise zu riskieren, ist nicht frei, ihr Mandat zur Preisstabilität zu erfüllen", sagte sie.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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