MÄRKTE EUROPA/Etwas fester - Anleger setzen auf baldigen Frieden im Iran-Krieg

07.05.2026 / 10:04 Uhr

DOW JONES--Nach der Vortagesrally geht es an Europas Börsen am Donnerstag mit den Kursen weiter nach oben, wenn auch deutlich verlangsamt. Im Blick steht weiterhin die Geopolitik. Die Anleger setzen auf einen formalen Friedensschluss zwischen den USA und dem Iran. Laut Medienberichten stehen beide Länder vor der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zur Beendigung des Kriegs. Dieses sehe unter anderem eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran vor, im Gegenzug verzichte der Iran auf eine Anreicherung seiner Uran-Bestände.

US-Präsident Donald Trump schürte am Vortag die Erwartung auf eine baldige Lösung des Konflikts, zugleich stellte er die Öffnung der Straße von Hormus in Aussicht. Allerdings drohte Trump auch neue Militärschläge an, sollte es zu keiner Einigung kommen. Im Handel wird die Stimmung als vorsichtig optimistisch beschrieben, allerdings müssten der Iran und die USA zügig liefern, sonst drohe ein erneuter Abverkauf an den Börsen, gerade angesichts des nahenden Wochenendes.

Der DAX gewinnt 0,2 Prozent auf 24.966 Punkte, der Euro-Stoxx-50 gewinnt 0,4 Prozent auf 6.050 Punkte. Der Euro wertet leicht auf auf 1,1764 Dollar, an den Anleihemärkten geht es mit den Renditen einen Tick nach unten. Der Ölpreis als das wichtigste Krisenbarometer in dem Konflikt gibt weiter nach und stützt die Stimmung. Der Preis für Brent verliert 2,1 Prozent auf 99,18 Dollar das Fass. Der europäische Energie-Sektor verliert 0,7 Prozent, für die defensiven Versorger-Titel geht es um 1,4 Prozent nach unten.

Eine Normalisierung der Energiemärkte wird lange dauern, selbst für den Fall eines baldigen Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran. Dies zeige der Blick auf die Rohstoff-Futures, so QC Partners. Rohöl der Sorte Brent mit Lieferung im September werde aktuell für 93 Dollar gehandelt. Zu Jahresbeginn konnte die September-Lieferung noch für 60 Dollar bestellt werden. "Auch nach einer Friedensvereinbarung wird dieser Krieg noch lange nachwirken und Weltwirtschaft und Unternehmensgewinne belasten."

Rüstungsaktien geben nach. Im Handel ist von einer Stimmungseintrübung für den Sektor angesichts eines möglichen Friedensabkommens zwischen dem Iran und den USA die Rede. Leonardo fallen um 0,5 Prozent zurück, BAE Systems um 3,6 Prozent oder Hensoldt um 1,7 Prozent. Für Rheinmetall geht es nach endgültigen Zahlen um 3,5 Prozent nach unten. Diese enthalten nach Einschätzung von Berenberg keine Überraschungen gegenüber den vorläufigen Zahlen.

Daneben gilt es auch am Donnerstag eine Flut von Unternehmensnachrichten zu verarbeiten. Der bisherige Verlauf wird im Handel positiv gewertet: die Bilanzsaison gekoppelt mit der Dividendensaison stelle eine wichtige Stütze für den Markt dar. Mit Blick auf die US-Berichtssaison spricht die Deutsche Bank sogar von einem "spektakulären" Verlauf. Zum ersten Mal seit vier Jahren werde erwartet, dass alle elf Top-Level-Sektoren ein Gewinnwachstum im Vergleich zum Vorjahr ausweisen.

Henkel (+3,2%) hat nach Einschätzung von RBC solide Erstquartalszahlen vorgelegt. Das organische Umsatzwachstum lag mit 1,7 Prozent klar über der Marktprognose von 1,1 Prozent. Sowohl Consumer Brands als auch der Bereich Adhesives Technologies hätten sich besser als erwartet entwickelt. Vonovia verlieren dagegen 2,1 Prozent, obgleich Berenberg von soliden Zahlen spricht.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess (-9,3%) hat auch im ersten Quartal 2026 spürbar unter dem schwachen konjunkturellen Umfeld gelitten. In den Monaten Januar bis März sackte das EBITDA vor Sondereinflüssen um 29,3 Prozent auf 94 Millionen Euro ab, die entsprechende Marge verschlechterte sich auf 6,8 von 8,3 Prozent. Hier hatte die Konsensschätzung auf 92 Millionen EBITDA bzw 6,7 Prozent Marge gelautet. CEO Matthias Zachert spricht von einem schwachen Jahresstart.

Siemens Healthineers verlieren nach Zahlen und einem gesenkten Ausblick 4,1 Prozent. Der Umsatz im abgelaufenen Quartal verfehlte die Prognose deutlich, auch die EBIT-Marge lag darunter. Belastend wirkten Umsatzeinbußen in China, Handelszölle sowie negative Wechselkurseffekte.

Der Gewinn von Swiss Re ist laut RBC im ersten Quartal zwar um 27 Prozent über der Konsensschätzung ausgefallen. Allerdings bemängeln die Analysten die Qualität der Zahlen: Das Ergebnis sei fast ausschließlich durch Schäden aus Naturkatastrophen getrieben worden, zudem sei es durch einen positiven Abzinsungseffekt im Bereich P&C begünstigt worden. Swiss Re geben 3,8 Prozent nach und drücken auch Munich Re um 2,1 Prozent nach unten.

Knorr-Bremse (+2,9%) hat durchwachsene Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Der Umsatz liegt leicht unter der Erwartung, der Auftragseingang hat diese erfüllt. Besser als prognostiziert ist aber die operative EBIT-Marge von 13,5 Prozent ausgefallen, hier lag die Erwartung bei 13 Prozent.

Bei Kontron überschattet ein mögliches Übernahmegebot durch den Großaktionär Ennoconn Corporation die Erstquartalszahlen. Dieser erwäge "ernsthaft" seine Beteiligung auf über 30 Prozent auszubauen, was ein Pflichtgebot an die Restaktionäre auslösen würde. Als Preis wolle Ennoconn 23,50 Euro je Aktie anbieten. Für das Kontron-Papier geht es um 1,8 Prozent auf 23,38 Euro nach oben.

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INDEX            zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag  +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50   6.050,03   +0,4      22,90        6.027,13        4,5 
Stoxx-50        5.181,02   +0,2       7,68        5.173,34        5,3 
DAX            24.965,54   +0,2      46,85       24.918,69        1,9 
MDAX           32.040,72   +0,8     261,31       27.039,42        4,6 
TecDAX          3.820,28   +0,3       9,83        3.091,28        5,5 
SDAX           18.640,32   +1,6     292,22       13.062,07        8,5 
FTSE           10.382,58   -0,5     -56,08       10.438,66        4,5 
CAC             8.337,72   +0,5      38,30        8.299,42        2,3 
SMI            13.321,67   +0,3      38,41       13.283,26        0,4 
ATX             6.013,39   +0,8      45,59        5.967,80       12,9 
 
DEVISEN          zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag  Mo, 13:50 
EUR/USD           1,1764   +0,1     0,0017          1,1747     1,1695 
EUR/JPY           183,81   +0,1     0,1300          183,68   183,8300 
EUR/CHF           0,9149    0,0     0,0000          0,9149     0,9174 
EUR/GBP           0,8638   -0,0    -0,0003          0,8641     0,8636 
USD/JPY           156,23   -0,1    -0,1600          156,39   157,1400 
GBP/USD           1,3617   +0,2     0,0026          1,3591     1,3540 
USD/CNY           6,8023   -0,1    -0,0087          6,8110     6,8300 
USD/CNH           6,8004   -0,2    -0,0130          6,8134     6,8278 
AUS/USD           0,7257   +0,3     0,0021          0,7236     0,7176 
Bitcoin/USD    81.525,92   +0,1     112,86       81.413,06  78.806,24 
 
ROHÖL            zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag 
WTI/Nymex          93,47   -1,7      -1,61           95,08 
Brent/ICE          99,18   -2,1      -2,09          101,27 
 
Metalle          zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag 
Gold            4.740,90   +1,1      51,85        4.689,05 
Silber             79,59   +2,9       2,26           77,33 
Platin          2.083,38   +1,1      22,55        2.060,83 
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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May 07, 2026 04:03 ET (08:03 GMT)

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