MÄRKTE EUROPA/Fest - Geduldige Notenbanken verbreiten gute Stimmung

30.04.2026 / 18:30 Uhr

DOW JONES--Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag nach einem schwachen Start im Tagesverlauf ins Plus gedreht und fest geschlossen. Für den Stimmungswandel vor dem langen Wochenende gab es mehrere Gründe. Zum einen lieferte die Berichtssaison dies- wie jenseits des Atlantiks Kaufargumente. Zudem anderen verfallen die Notenbanken angesichts der mit dem Energiepreisschock gestiegenen Inflationserwartungen nicht in Hektik: US-Notenbank, EZB und die Bank of England bestätigten ihre Leitzinsen und warten mit Zinserhöhungen erst einmal ab, wie sich Konjunktur und Inflation entwickeln.

Des Weiteren kamen die Ölpreise von neuen Höchstständen seit Beginn des Nahostkonflikts am frühen Morgen im Laufe des Tages wieder deutlich zurück und sanken unter dem Strich sogar noch deutlich unter die Schlussstände vom Vortag. Für Rückenwind sorgten schließlich auch deutlicher sinkende Renditen am Anleihemarkt. Mit Ausnahme von London wird an den größeren Börsen in Europa am Maifeiertag nicht gehandelt.

Manche Teilnehmer vermuteten hinter der Kaufbereitschaft, dass einige Akteure, die mit Blick auf das bevorstehende Wochenende fälschlich eher mit fallenden Kursen gerechnet hätten, Positionen auf sinkende Kurse schließen, also Aktien kaufen mussten.

Der DAX schloss 1,4 Prozent höher bei 24.292 Punkten, für den Euro-Stoxx-50 ging es um 1,1 Prozent nach oben. Der Euro zog etwas an auf 1,1730 Dollar, zugleich sanken im Euroraum die Renditen am Anleihemarkt mit den wieder gesunkenen Ölpreisen.

Die geldpolitische Verlautbarung der EZB deute darauf hin, dass die Hürde für eine Zinserhöhung hoch ist, kommentierte die Ökonomin Madison Faller von J.P. Morgan Private Bank. Die Markterwartungen von fast drei Zinserhöhungen bis zum Jahresende erschienen angesichts der Unsicherheit verfrüht. J.P. Morgan erwartet in diesem Jahr lediglich eine Zinserhöhung. Die Notenbanker betonten zwar einerseits Inflationsrisiken, sagten aber auch, dass die europäische Konjunktur durch die Situation im Nahen Osten größeren Gefahren ausgesetzt ist. Mittelfristig will sie jedoch keine Änderungen an ihrem Zinspfad vornehmen.

DHL liefert starkes Ergebnis

Unternehmensseitig wütete die Berichtssaison, die eher positive Akzente setzte. Stark fielen die Zahlen der Deutschen Post (DHL) aus. Das operative Ergebnis im ersten Quartal habe die Konsensschätzung um 8 Prozent übertroffen, kommentierten die Metzler-Analysten. Die Zahlen zeugten von den wesentlichen Stärken des Konzerns. Er sei in der Lage, die strukturellen Kosten anzupassen und angemessene Preise zu verlangen. Die Aktie verteuerte sich um 7,5 Prozent.

BASF verdiente wie erwartet weniger als vor einem Jahr, die Markterwartungen wurden aber dennoch übertroffen. Der Chemieriese profitierte ab März von Mehrbestellungen, mit denen Kunden auf den Iran-Krieg regierten, um befürchteten Lieferengpässen nach der Blockade der Seestraße von Hormus zuvorzukommen. Der Kurs legte um 1,3 Prozent zu.

Die VW-Aktie bewegte sich um 0,9 Prozent nach oben. Der Autokonzern setzte, belastet von schwachen Geschäften in China und Zollkosten, weniger um und verdiente auch weniger. Der Gewinn sackte noch deutlicher ab als ohnehin von Analysten befürchtet. Die Jahresprognose wurde aber bestätigt, was den Kurs gestützt haben dürfte. Bei der Porsche AG fiel derweil laut Analysten das operative Ergebnis klar über dem Konsens aus. Die Aktie verteuerte sich um 1,8 Prozent.

Aussagen auf der Hauptversammlung des Triebwerkherstellers von Rolls-Royce trieben den Kurs der Aktie um 7,6 Prozent nach oben. Rolls-Royce sprach von einem starken Jahresauftakt und mehr Vertrauen in die eigene Prognose. Im DAX ging es im Sog für MTU Aero um knapp 3 Prozent nach oben. In Paris legten Safran um 1,6 Prozent zu.

Aus dem europäischen Bankensektor, dessen Subindex zwar um 0,4 Prozent zulegte, damit aber Schlusslicht bei den Branchen war, kamen durchwachsene Datenkränze. Analysten sprachen mit Blick auf BNP Paribas (-1,4%) von unter den Erwartungen liegenden Zahlen. Dem nationalen Wettbewerber Societe Generale wurde von Keefe, Bruyette & Woods ein schwaches Ergebnis bescheinigt. Die Aktie gab 3,6 Prozent ab. Auch Credit Agricole büßten 3,6 Prozent ein, nachdem die Ergebnisse der französischen Bank die Prognosen verfehlt hatten. Die Einnahmen fielen schwächer als erwartet aus und der Krieg im Nahen Osten trieb die Risikovorsorge für Kreditausfälle in die Höhe.

Positiv fielen die Kursreaktionen nach den Geschäftszahlen bei ING und bei BBVA aus. ING verteuerten sich um 3,7 und BBVA um 1,8 Prozent.

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Index               Schluss  Entwicklung in %  Seit Jahresbeginn (%) 
Euro-Stoxx-50         5.882               1,1                   0,43 
Stoxx-50              5.072               1,6                   1,51 
Stoxx-600               611               1,4                   1,82 
DAX                  24.292               1,4                  -2,19 
FTSE-100 London      10.213               1,6                   2,84 
CAC-40 Paris          8.072               0,5                  -0,95 
AEX Amsterdam           997               1,7                   4,82 
ATHEX-20 Athen        5.578              -0,7                   4,25 
BEL-20 Brüssel        5.280               1,4                   3,96 
BUX Budapest        132.634               0,9                  19,46 
OMXH-25 Helsinki      6.239               1,4                   9,38 
OMXC-20 Kopenhagen    1.449               2,7                  -9,88 
PSI 20 Lissabon       9.210               1,5                  11,45 
IBEX-35 Madrid       17.643               0,8                   1,94 
FTSE-MIB Mailand     47.796               0,9                   6,34 
OBX Oslo              1.941               1,2                  21,46 
PX Prag               2.592              -2,1                  -3,48 
OMXS-30 Stockholm     3.041               0,7                   5,47 
WIG-20 Warschau     128.509              -0,4                  10,06 
ATX Wien              5.834              -0,7                   9,53 
SMI Zürich           13.032               0,8                  -1,78 
 
 
DEVISEN        zuletzt  +/- %  +/- abs.  Schluss Vortag        Mi, 17:29 
EUR/USD         1,1725   +0,4    0,0048          1,1677           1,1691 
EUR/JPY         183,79   -1,8   -3,4200          187,21         187,2500 
EUR/CHF         0,9174   -0,7   -0,0066          0,9240           0,9237 
EUR/GBP         0,8635   -0,4   -0,0030          0,8665           0,8669 
USD/JPY         156,73   -2,3   -3,6600          160,39         160,2200 
GBP/USD         1,3576   +0,8    0,0103          1,3473           1,3485 
USD/CNY         6,8273   -0,2   -0,0102          6,8375           6,8380 
USD/CNH         6,8319   -0,2   -0,0145          6,8464           6,8424 
AUS/USD         0,7178   +0,9    0,0062          0,7116           0,7130 
Bitcoin/USD  76.296,00   +0,8    636,69       75.659,31        76.240,38 
 
 
ROHOEL         zuletzt  +/- %  +/- abs.  Schluss Vortag 
WTI/Nymex       104,64   -2,1     -2,24          106,88 
Brent/ICE       114,18   -3,3     -3,85          118,03 
 
 
Metalle        zuletzt  +/- %  +/- abs.  Schluss Vortag 
Gold          4.608,16   +1,5     66,41        4.541,75 
Silber           73,10   +2,3      1,62           71,48 
Platin        1.964,15   +4,5     84,84        1.879,31 
=== 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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April 30, 2026 12:29 ET (16:29 GMT)

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