Rabobank: EZB priorisiert Inflationsrisiken - noch "in a good place"?

13.03.2026 / 09:57 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Rabobank-Volkswirt Bas van Geffen erwartet, dass der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seinen Beratungen in der nächsten Woche den Leitzins bei 2,00 Prozent belassen, aber ein besonderes Augenmerk auf die Inflationsrisiken legen wird. "Vorerst macht der Inflationsausblick keine Zinserhöhung notwendig, aber je länger der Konflikt dauert, desto größer werden die Inflationsrisiken", schreibt er in seinem Ausblick auf die Zinsentscheidung am 19. März. Aktuell sieht van Geffen den Leitzins für das gesamte Jahr 2026 bei 2,00 Prozent. "Aber wenn sich die Situation an den Energiemärkten deutlich verschärft, wird die EZB den Leitzins bei der nächsten geldpolitischen Ratssitzung anheben", prognostiziert er.

Der Volkswirt ist nicht sicher, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf die Aussage verzichten wird, die EZB sei mit ihrer Geldpolitik "gut positioniert" ("in a good place"). "Die Formulierung von 'a good place' schrittweise aufzugeben, war relativ einfach, als der Markt keine Änderung der Geldpolitik erwartete. Im aktuellen Umfeld könnte es jedoch als Zeichen dafür gewertet werden, dass die EZB aktiv eine Zinserhöhung im April vorbereitet, wenn sie diese Formulierung komplett vermeidet - selbst wenn dies gar nicht beabsichtigt ist", gibt er zu bedenken.

Lagarde werde daher einen Balanceakt vollführen müssen: "Einerseits muss sie bekräftigen, dass sich die Geldpolitik weiterhin in einer guten Position befindet (andernfalls würde der EZB-Rat die Leitzinsen nicht unverändert lassen), andererseits muss sie versuchen, den Eindruck zu zerstreuen, dass dies eine Art zukunftsgerichtetes Signal darstellt. "Bereits im vergangenen Monat betonte Lagarde, dass die Agilität, auf Schocks reagieren zu können, ein Grund dafür sei, warum sich die Geldpolitik in einer guten Position befinde."

Eine Lehre aus der Energiekrise von 2022 ist van Geffen zufolge, dass Zentralbanken schlecht gerüstet sind, um mit einem solchen Schock umzugehen. "Im besten Fall kann die EZB ihre Geldpolitik straffen, um einen Teil der Nachfrage zu drosseln, was die Energiepreise jedoch möglicherweise nicht wesentlich senken wird. Gleichzeitig wäre dies mit wirtschaftlichen Kosten verbunden", erläutert er.

Andererseits aber könnten die Kosten eines Nichtstuns noch höher sein: eine Entankerung der Inflationserwartungen. "Dies würde zu einem länger anhaltenden Überschießen der Inflation und einem Verlust der Glaubwürdigkeit der Zentralbank führen." Wie EZB-Präsidentin Lagarde während der Energiekrise 2022 sagte: Eine Rezession senke die Inflation möglicherweise nicht wesentlich, daher sei es von entscheidender Bedeutung sicherzustellen, dass sich keine Zweitrundeneffekte festsetzten.

"Die EZB steht also vor einem heiklen Balanceakt. Sie muss die Erwartungen in Schach halten und gleichzeitig der Wirtschaft so wenig Schaden wie möglich zufügen", erläutert der Rabobank-Analyst.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

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March 13, 2026 04:56 ET (08:56 GMT)

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