RWI senkt deutsche Wachstumsprognosen für 2026 und 2027
12.03.2026 / 10:31 Uhr
Von Andreas Plecko
DOW JONES--Das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft nach unten korrigiert. Für das Jahr 2026 erwarten die Ökonomen nun ein BIP-Wachstum von nur noch 0,9 (bisher: 1,0) Prozent, für 2027 werden 1,2 (1,4) Prozent prognostiziert. Hauptgrund für diese Dämpfung sind die massiven wirtschaftlichen Folgen des aktuellen Iran-Krieges. Die faktische Blockade der Straße von Hormus hat zu drastisch steigenden Öl- und Gaspreisen geführt, was sowohl die Produktionskosten in der Industrie in die Höhe treibt als auch die Budgets der privaten Verbraucher stark belastet.
Infolge dieses Energiepreisschocks wird auch ein deutlicher Anstieg der Inflation erwartet. Die Forscher rechnen für das Gesamtjahr 2026 mit einer Teuerungsrate von 2,6 Prozent, die sich 2027 nur leicht auf 2,4 Prozent abschwächen soll. Der Höhepunkt der Inflation wird für die Sommermonate erwartet, da die Energiekosten zeitverzögert auf andere Bereiche wie Nahrungsmittel und Transport durchschlagen. Einzig die derzeit moderaten Lohnabschlüsse wirken einer noch stärkeren Preisspirale leicht dämpfend entgegen.
Trotz dieser Belastungen werde sich die konjunkturelle Erholung fortsetzen, sie werde jedoch fast ausschließlich durch massive staatliche Ausgaben getragen. Öffentliche Investitionen in Klimaschutz sowie deutlich steigende Verteidigungsausgaben stützten die Wirtschaft, während private Investitionen und der Export aufgrund schwacher internationaler Nachfrage und nachlassender Wettbewerbsfähigkeit stagnierten. Diese expansive Fiskalpolitik führe jedoch zu einem explodierenden Staatsdefizit: Das Finanzierungsloch wachse voraussichtlich bis 2027 auf 213 Milliarden Euro an, was einer hohen Defizitquote von 4,4 Prozent des BIP entspricht.
RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt warnte abschließend eindringlich vor den Risiken der aktuellen Lage. Das rein staatlich finanzierte Wachstum sei auf Dauer keine Lösung, weshalb umfassende strukturelle Reformen zwingend notwendig seien, um die Abhängigkeit von öffentlichen Impulsen zu beenden und die deutsche Wirtschaft langfristig und aus eigener Kraft heraus zu stabilisieren.
Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com
DJG/apo/hab
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March 12, 2026 05:30 ET (09:30 GMT)
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