Eurosystem stellt Plan für tokenisiertes Finanzsystem vor

11.03.2026 / 13:31 Uhr

DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine strategische Initiative zur Entwicklung eines europäischen tokenisierten Finanzökosystems vorgestellt, in dem Zentralbankgeld weiterhin eine zentrale Rolle spielen soll. Die "Appia" genannte Strategie soll Eurosystem (EZB und nationale Zentralbanken des Euroraums) sowie Akteure aus dem öffentlichen und privaten Sektor mit dem Ziel zusammenbringen, integrierte, innovative und widerstandsfähige tokenisierte Finanzmärkte für den institutionellen Großkundenhandel ("Wholesale") in Europa aufzubauen.

"Mit Appia bauen wir eine Straße vom heutigen Finanzsystem zu den tokenisierten Märkten von morgen, die fest im Zentralbankgeld verankert ist", sagte EZB-Direktor Piero Cipollone. Tokenisierung ist der Prozess der Ausgabe oder Darstellung von Vermögenswerten in Form von digitalen "Token", die typischerweise auf Distributed-Ledger-Technologie (DLT)-Netzwerken erfasst werden. Für Wholesale-Finanzmärkte bergen Tokenisierung und DLT das Potenzial zur Effizienzsteigerung, indem sie es ermöglichen, mehrere Schritte im Lebenszyklus eines Vermögenswerts - von der Emission und dem Handel bis hin zu Abwicklung, Verwahrung und Verwaltung - auf einer einzigen Plattform zu bündeln. Darüber hinaus ermöglicht die Tokenisierung den Einsatz von Smart Contracts, die eine breite Palette innovativer Lösungen eröffnen.

Pontes und Appia sind Säulen des Systems

Die Strategie des Eurosystems zur Bereitstellung von tokenisiertem Wholesale-Zentralbankgeld ruht auf zwei sich ergänzenden Initiativen: Pontes und Appia. Pontes ist die DLT-Lösung des Eurosystems, die im dritten Quartal 2026 eingeführt werden soll, um die Abwicklung von DLT-basierten Transaktionen in Zentralbankgeld zu ermöglichen. Appia hat eine breitere, längerfristige Perspektive und wird eine enge Zusammenarbeit mit dem Markt beinhalten. Dabei soll untersucht werden, wie ein auf Tokenisierung und DLT basierendes Wholesale-Finanzökosystem gestaltet werden könnte.

Das Eurosystem plant, seine Vision für dieses Ökosystem in einem Konzeptentwurf zu konkretisieren, der 2028 veröffentlicht werden soll. In der Zwischenzeit werden die Arbeiten im Rahmen der Appia-Roadmap die Bereitstellung tokenisierter Marktinfrastrukturen und -dienstleistungen sowohl durch den Markt als auch durch das eigene Pontes-Angebot des Eurosystems, das schrittweise erweitert wird, leiten und prägen.

Indem das Eurosystem durch Appia die Rolle des Zentralbankgeldes als Anker des Währungssystems bewahrt, will es sicherstellen, dass die Umsetzung der Geldpolitik wirksam bleibt und die Finanzstabilität sowie das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme gewahrt werden. Die Initiative zielt darauf ab, ein stärker integriertes, wettbewerbsfähiges und innovatives europäisches Zahlungsverkehrs- und Wertpapierumfeld zu fördern, die strategische Autonomie und Widerstandsfähigkeit Europas zu stärken und die anhaltende Relevanz des Euro als internationale Währung zu sichern.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/sha

(END) Dow Jones Newswires

March 11, 2026 08:30 ET (12:30 GMT)

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