Ungarn beschlagnahmt Millionen Dollar der ukrainischen Oschadbank

06.03.2026 / 18:35 Uhr

Von Thomas Grov

DOW JONES--Ungarische Behörden haben sieben Mitarbeiter der zweitgrößten Bank der Ukraine festgenommen und mehr als 80 Millionen US-Dollar in bar sowie Gold beschlagnahmt. Die Fracht war in zwei gepanzerten Lastwagen von Österreich über Ungarn in die Ukraine transportiert worden. Der Schritt markiert eine erhebliche Eskalation im schwelenden Streit zwischen den beiden Nachbarländern über Öllieferungen.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hatte seine Konfrontation mit der Ukraine verschärft, nachdem diese die Öllieferungen nach Ungarn nur zögerlich wieder aufnahm, als eine Pipeline Ende Januar beschädigt worden war. Angesichts der bevorstehenden Parlamentswahlen am 12. April hat Orban diesen Streit zum Kernstück eines zunehmend nationalistischen Wahlkampfs gemacht, nachdem seine Umfragewerte im Kampf um eine fünfte Amtszeit gesunken sind.

Die Mitarbeiter der staatlichen Oschadbank wurden am Freitag kurzzeitig festgehalten, als sie mit den gepanzerten Fahrzeugen unterwegs waren. An Bord befanden sich laut Bankangaben 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro sowie neun Kilogramm Goldbarren der Raiffeisen Bank aus Österreich. Die ungarische nationale Steuer- und Zollverwaltung gab an, die Maßnahme sei Teil einer Untersuchung wegen Geldwäsche. Die Oschadbank hingegen erklärte, der Geldtransport sei im Einklang mit einer Vereinbarung mit der Raiffeisen Bank erfolgt. Die sieben Mitarbeiter wurden später aus Ungarn ausgewiesen.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bezeichnete das Vorgehen der ungarischen Behörden als Geiselnahme und Straßenraub. Er kündigte an, die Europäische Union um Klärung zu bitten. "Das ist Staatsterrorismus und Erpressung", so Sybiha. Die Beschlagnahmung der Gelder ist der bisher schärfste Schritt Orbans in diesem Konflikt. Er betont regelmäßig seine Beziehung zu Russland, lobt billige russische Energielieferungen und macht die Ukraine dafür verantwortlich, eine Energiekrise in seinem Land herbeiführen zu wollen.

Hintergrund ist eine Pipeline auf ukrainischem Gebiet, die Ende Januar von einer russischen Drohne getroffen wurde. Orban behauptet, Präsident Wolodymyr Selenskyj habe die Leitung längst repariert, verzögere den Transit aber absichtlich, um Ungarn zur Zustimmung für EU-Hilfspakete zu drängen - darunter ein 90-Milliarden-Euro-Kredit und weitere Russland-Sanktionen.

Ungarn, das die politische Unterstützung der EU für die Ukraine seit Beginn der Invasion kritisch sieht und gleichzeitig engere Bande zur Trump-Administration knüpft, hat beide Maßnahmen bisher verzögert. Die Ukraine weist die Vorwürfe zurück: Russland trage die Schuld an den Pipelineschäden, und man arbeite an der Stabilisierung der Leitung, um den Durchfluss bald wieder zu ermöglichen. Im vergangenen Monat hatte Orban bereits Truppen an kritischer Energieinfrastruktur stationiert mit der Begründung, die Ukraine könnte die Versorgung des Landes gefährden. Oppositionsführer Peter Magyar, ein ehemaliger Orban-Getreuer, der derzeit in den Umfragen führt, warf dem Ministerpräsidenten daraufhin "Angstmacherei und Panikmache" vor.

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March 06, 2026 12:34 ET (17:34 GMT)

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