MÄRKTE EUROPA/Geopolitik belastet - Anleger meiden Risiko
02.03.2026 / 09:51 Uhr
DOW JONES--Die europäischen Aktienmärkte sind nach dem Ausbruch des Iran-Krieges am Wochenende schwach gestartet. So verliert der DAX 2,1 Prozent auf 24.766 Punkte, der Euro-Stoxx-50 handelt 2,3 Prozent tiefer bei 5.996 Punkten. Defensive Branchen wie Versorgung, Rüstung und Nahrungsmittel halten sich besser als Banken oder Chemie. Vor allem Aktien aus der Reisebranche geraten in einer ersten Reaktion massiv unter Druck. Der Touristikkonzern Tui hat nach den Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran Reisen in die Region storniert oder abgesagt. Röhöl der Sorte Brent notiert am Morgen knapp 10 Prozent höher bei 80 Dollar je Barrel. Der Dollar profitiert, der Euro fällt auf 1,17 Dollar zurück.
Die Liquidität fließt zunächst in die sicheren Häfen von Anleihen. Alles in allem sprechen Marktteilnehmer von einer geordneten Risikoscheu unter Investoren mit Blick auf die Entwicklung im Nahen Osten - ein chaotischer Abverkauf quer durch alle Assetklassen und Notverkäufe in Folge von Margin Calls finde bisher nicht statt.
Straße von Hormus und Ölpreis im Fokus
Die entscheidende Frage für die Weltwirtschaft ist, ob die Seestraße von Hormus tatsächlich für mehr als ein paar Wochen für Öl- und Gasexporte gesperrt sein wird. Falls ja, würde dies nach Aussage von Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding das globale Wachstum bremsen und die weltweite Inflation spürbar in die Höhe treiben. Ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um 15 US-Dollar pro Barrel könnte das Niveau der Verbraucherpreise in der Eurozone um fast 0,5 Prozent erhöhen und den Zuwachs der verfügbaren Einkommen entsprechend schmälern.
Schmieding geht davon aus, dass US-Präsident Trump große Anstrengungen unternehmen werde, um einen anhaltenden Anstieg der Energiepreise zu verhindern, der ihm im eigenen Land vor den US-Zwischenwahlen (Midterms) im November schaden könnte. Die US-Wähler machten ihn bereits vor den Angriffen auf den Iran für die hohen Verbraucherpreise verantwortlich. Trump könnte die militärische Macht der USA nutzen, um zu verhindern, dass der Iran die Straße von Hormus über längere Zeit schließt. Er könnte zum Beispiel mit dem Iran verhandeln. Zudem könnte er andere Ölexporteure bitten, ihre Liefermengen zu erhöhen, um einen potenziellen Rückgang der iranischen Ölexporte teilweise auszugleichen. Langfristig könnten die iranischen Ölexporte unter einem neuen Regime und bzw. oder einem Abkommen mit den USA sogar steigen. In jedem Fall dürfte die Fähigkeit des Irans, gewaltbereite Milizen wie die Hisbollah oder die Huthi im Ausland zu unterstützen, nun noch weitaus begrenzter ausfallen, als sie es seit den israelisch-amerikanischen Angriffen auf die iranischen Atomanlagen im vergangenen Juni gewesen sei.
Sobald die Märkte den ersten Schock verdaut hätten, erwartet Marktstratege Michael Brown von Pepperstone, dass der Fokus relativ rasch zu den fundamentalen Treibern und dem Narrativ zurückkehren werde, die zuvor vorgeherrscht hätten. Vor diesem Hintergrund würde Brown bei deutlichen Kursrückgängen an den Aktienmärkten eher gegen den Trend kaufen, da das grundlegende Szenario für steigende Kurse weiterhin sehr robust ausfalle.
Defensive Sektoren laufen besser als breiter Markt laufen
Als potenzielle Profiteure der Eskalation gilt für IG-Marktstratege Salah-Eddine Bouhmid der Energiesektor in Folge steigender Ölpreise, der Sektor der Energiewerte legt europaweit gegen den Trend um 3 Prozent zu. Die Aktien der Rüstungsindustrie profitieren von einer verschärften sicherheitspolitischen Lage, hier steigen Hensoldt um knapp 8 Prozent, BAE Systems um 7,4 und Thales um 5,8 Prozent. Gleichzeitig zeichnet sich eine Rotation in klassische defensive Marktsegmente ab. Versorgerpapiere (-0,1%) werden zudem verstärkt nachgefragt, während konjunktursensible Branchen wie Technologie (-2,2%), Finanzen (-3,2%) und zyklischer Konsum (-3,8%) unter Verkaufsdruck geraten.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 5.996,25 -2,3 -142,16 6.138,41 16,8 Stoxx-50 5.200,15 -1,8 -94,11 5.294,26 11,9 DAX 24.766,44 -2,1 -517,82 25.284,26 19,9 MDAX 30.842,63 -2,3 -717,71 27.039,42 15,3 TecDAX 3.726,17 -1,6 -61,75 3.091,28 4,8 SDAX 17.810,77 -2,1 -384,19 13.062,07 22,4 CAC 8.413,28 -2,0 -167,47 8.580,75 10,0 SMI 13.756,48 -1,8 -257,82 14.014,30 11,4 ATX 5.582,55 -2,1 -119,15 5.701,70 38,3 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Fr, 17:05 EUR/USD 1,1714 -0,8 -0,0099 1,1813 1,1814 EUR/JPY 183,97 -0,2 -0,4200 184,39 184,3800 EUR/CHF 0,9059 -0,3 -0,0030 0,9089 0,9081 EUR/GBP 0,8777 +0,2 0,0015 0,8762 0,8782 USD/JPY 157,01 +0,6 0,9800 156,05 156,0500 GBP/USD 1,3342 -1,1 -0,0142 1,3484 1,3450 USD/CNY 6,8835 +0,4 0,0256 6,8579 6,8579 USD/CNH 6,8833 +0,3 0,0234 6,8599 6,8604 AUS/USD 0,7062 -0,7 -0,0051 0,7113 0,7127 Bitcoin/USD 66.019,11 +0,5 333,11 65.686,00 66.011,66 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 72,51 +8,2 5,49 67,02 Brent/ICE 79,34 +8,9 6,47 72,87 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 5.407,44 +2,5 130,15 5.277,29 Silber 95,67 +2,0 1,85 93,82 Platin 2.397,75 +1,4 33,00 2.364,75 ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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March 02, 2026 03:50 ET (08:50 GMT)
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