MÄRKTE EUROPA/Uneinheitlich - KI-Aktien stark unter Druck - Zinsen fallen kräftig
15.10.2026 / 18:23 Uhr
Von Steffen Gosenheimer
DOW JONES--An den europäischen Börsen ist es am Donnerstag nach einem turbulenten Tag mit stark sinkenden Zinsen uneinheitlich zugegangen, wobei Aktien mit KI-Fantasie stark unter Druck standen. Hintergrund waren verstärkte Erwartungen einer weiteren Zinserhöhung in den USA nach höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationszahlen. Ein höheres Zinsniveau dürfte aber negative Folgen für die Investitionen in KI (Künstliche Intelligenz) bedeuten, nachdem in den vergangenen Monaten Unternehmen immer neue massive Investitionen ankündigten.
Die Marktzinsen fielen dessen ungeachtet am Berichtstag aber stark. Marktbeobachter vermuteten dahinter eine Fluchtbewegung in sichere Anlagen vor dem Hintergrund des Abverkaufs bei KI-Aktien, also Umschichtungen von Aktien in Anleihen. Daneben dürften einige Akteure das zuletzt hohe Zinsniveau auch für echte Anlagekäufe genutzt habe. Die Nachfrage nach Sicherheit überlagere offenbar den Inflationsimpuls. Sinkende Anleiherenditen seien deshalb noch kein Entwarnungssignal für die US-Notenbank, sagte Marktkenner Salah-Eddine Bouhmidi von IG.
Der DAX ging nach einer späten Erholung von den Tiefs 0,3 Prozent höher aus dem Tag mit 25.368 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 sank um 0,4 Prozent auf 6.168 Punkte. Der Stoxx-Subindex der Technologieaktien gab um 1,5 Prozent nach. Er schloss damit aber deutlich über dem Tagestief, nachdem am Nachmittag der Verkaufsdruck etwas nachgelassen hatte - auch weil sich die US-Börsen insgesamt widerstandsfähiger zeugten als zunächst erwartet.
In London ging es für den FTSE-100 sogar um 1,1 Prozent nach oben. Hier stützte, dass die britische Wirtschaft im August erneut gewachsen ist. Damit setzte sich die in diesem Jahr unerwartet starke Dynamik fort, obwohl Befürchtungen bestanden hatten, dass höhere Energiepreise die Aktivität dämpfen könnten.
Die viel beachtete US-Zehnjahresrendite war am Vortag nach US-Inflationsdaten bis auf 5,33 Prozent nach oben geschossen, lag zuletzt aber bei 5,09 Prozent. Das ist das niedrigste Niveau seit etwa drei Wochen. Die deutsche Zehnjahresrendite sank von 3,48 auf 3,41 Prozent. Der Euro macht einen gewaltigen Erholungsschub angesichts der besonders stark fallenden US-Zinsen. Er stieg von 1,1120 auf 1,1203 Dollar.
Auf Aktien mit KI-Fantasie drückten nicht nur Sorgen vor negativen Folgen der hohen Zinsen, sondern auch vor zunehmender Konkurrenz aus Asien, vor allem China. Dass Anthropic die Umsätze im dritten Quartal fast verdoppelte, verhallte; genauso wie ein Rekordgewinn von TSMC.
Infineon rutschten um 5,2 Prozent ab, ASML um 4,2 und STMicroelectronics um 3,8 Prozent. Weiter unter Druck standen auch die Aktien von Stromversorgern und Erbauern von Rechenzentren. Siemens Energy verloren 2,2 Prozent, Hochtief 3,6, ABB 3,4 und Schneider 2,4 Prozent,
Starke Geschäftszahlen kamen derweil von Ericsson. Die Aktie gewann 6,8 Prozent nach einem starken Umsatzwachstum bei Netzwerkausrüstungen. Eine Warnung des Unternehmens, wonach höhere Komponentenkosten im nächsten Jahr die Rentabilität belasten werden, ging unter.
Astrazeneca verbesserten sich um 3,2 Prozent, nachdem der Pharmariese einen KI-gestützten Wirkstoffforschungs-Deal mit Insitro abgeschlossen hatte. Astrazeneca zahlt dem KI-Therapeutikunternehmen zunächst 40 Millionen Dollar und bis zu 1,46 Milliarden Dollar, sofern bestimmte Ziele erreicht werden.
Pernod Ricard wartete dank eines starken Asiengeschäfts mit besser als angenommenen Erstquartalszahlen auf. Das organische Wachstum fiel um 0,9 Prozent und damit weniger stark als der Konsens von minus 1,7 Prozent, wie die Analysten von JP Morgan darlegten. Die Aktie legte um 0,8 Prozent zu. Remy Cointreau stiegen um 3,8 Prozent, Davide Campari um 1,0 Prozent.
Um 3,6 Prozent ging es für Docmorris aufwärts. Die Online-Apotheke hatte nach guten Quartalszahlen den Ausblick angehoben. Redcare stiegen im Gefolge um 1,5 Prozent.
Index Schluss* Entwicklung in % Seit Jahresbeginn (%) Euro-Stoxx-50 6.168 -0,4 +6,9 Stoxx-50 5.374 +0,4 +8,9 Stoxx-600 640 +0,4 +7,7 DAX 25.383 +0,3 +3,3 FTSE-100 London 10.725 +1,1 +8,0 CAC-40 Paris 7.873 +0,8 -3,4 AEX Amsterdam 1.137 -0,4 +19,5 ATHEX-20 Athen 6.668 -1,0 +24,6 BEL-20 Brüssel 5.547 +0,8 +9,2 BUX Budapest 143.485 +0,7 +29,2 OMXH-25 Helsinki 6.412 -1,7 +12,4 OMXC-20 Kopenhagen 1.523 +1,6 -5,3 PSI 20 Lissabon 9.416 -0,4 +13,9 IBEX-35 Madrid 19.231 -0,3 +11,1 FTSE-MIB Mailand 49.754 -0,7 +10,7 OBX Oslo 2.001 -0,4 +25,3 PX Prag 2.617 +1,3 -2,5 OMXS-30 Stockholm 3.276 -0,6 +13,6 WIG-20 Warschau 158.581 -0,1 +35,4 ATX Wien 6.619 -1,7 +24,3 SMI Zürich 14.130 +1,6 +6,5 * gerundet DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mi, 18:13 EUR/USD 1,1199 +0,4 0,0043 1,1156 1,1119 EUR/JPY 177,21 +0,3 0,5900 176,62 176,6200 EUR/CHF 0,9293 -0,2 -0,0019 0,9312 0,9324 EUR/GBP 0,8452 -0,0 -0,0003 0,8455 0,8456 USD/JPY 158,22 -0,1 -0,0900 158,31 158,8200 GBP/USD 1,3245 +0,4 0,0054 1,3191 1,3146 USD/CNY 6,6909 -0,0 -0,0017 6,6926 6,6926 USD/CNH 6,6903 -0,1 -0,0056 6,6959 6,6989 AUS/USD 0,6908 -0,9 -0,0061 0,6969 0,6953 Bitcoin/USD 82.444,66 +0,9 701,35 81.743,31 81.570,71 ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 98,03 +3,1 2,94 95,09 Brent/ICE 105,83 -0,2 -0,23 106,06 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.143,80 +0,9 38,68 4.105,12 Silber 56,89 +2,3 1,26 55,64 Platin 1.614,30 +0,5 7,55 1.606,75 (Angaben ohne Gewähr)
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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