MÄRKTE USA/Leichter - "KI-Fantasie" wird weiter verkauft - Zinsen sinken

15.10.2026 / 15:57 Uhr

Von Steffen Gosenheimer

DOW JONES--Abwärts geht es im frühen Handel am Donnerstag an der Wall Street - vor allem bei Aktien mit KI-Fantasie. Und das, obwohl die Renditen an den Anleihemärkten stark sinken. Die Abwärtstendenz bei den Zinsen verstärkte sich kurz vor Handelsbeginn sogar noch, nachdem die US-Erzeugerpreise im September deutlich höher ausfielen als erwartet. Marktteilnehmer vermuten dahinter eine Flucht in den vermeintlich sicheren Anleihehafen angesichts der sich eintrübenden Stimmung für Aktien und des regelrechten Ausverkaufs bei Aktien mit KI-Fantasie.

Die nach den jüngsten Inflationsdaten gestiegenen Zinserhöhungserwartungen bedeuten gleich von mehreren Seiten Gegenwind für KI-Aktien. Zum einen verteuern sich die Finanzierungen der oft massiven KI-Investitionen, was eine geringere Rentabilität bedeutet und Investitionen weniger attraktiv macht. Daneben führt ein höheres Zinsniveau über die Abzinsung zukünftiger Gewinne zu höheren Aktienbewertungen. Daneben leidet der KI-Sektor aber auch unter Sorgen vor einem zunehmenden Wettbewerb durch asiatische Unternehmen.

Die technologielastigen Nasdaq-Indizes fallen im Frühhandel um bis zu 1,2 Prozent. Der S&P-500 gibt um 0,3 Prozent nach, der eng gefasste Dow-Jones-Index steigt dagegen um 0,5 Prozent, gestützt vor allem von sehr festen Einzelhandelsaktien. Gold erholt sich um 1,3 Prozent, unterstützt von sinkenden Zinsen und einem schwächeren Dollar.

Die US-Zehnjahresrendite, die am Vortag nach den Inflationsdaten zunächst auf 5,33 Prozent nach oben geschossen war, ehe sie wieder auf das Ausgangsniveau um 5,20 Prozent zurückkam, liegt aktuell bei 5,06 Prozent. Das ist das niedrigste Niveau seit etwa drei Wochen. Zu den sinkenden Renditen dürften angesichts des attraktiven Renditeniveaus auch echte Anlagekäufe beitragen, sagen Marktbeobachter. Eine eher kleinere Rolle könnte auch spielen, dass die Ölpreise aktuell wieder sinken, Brent um 1,4 Prozent auf 104,56 Dollar. Der Dollar kommt mit dem Zinsrückgang deutlich zurück, der Euro erholt sich um fast 1 Cent auf 1,1211 Dollar.

Die Märkte hätten gerade 24 unglaublich turbulente Stunden hinter sich, weil auf höhere Inflationsraten wachsende Ängste rund um den KI-Handel gefolgt seien, kommentieren die Marktstrategen der Deutschen Bank das Geschehen. Die Angst vor einer breiteren Verschärfung der Kreditbedingungen und den daraus folgenden negativen Rückwirkungen auf den KI-Sektor, der derzeit stark im Vordergrund stehe, führe zu wachsenden Zweifeln daran, ob die Fed trotz der hohen Inflation tatsächlich handeln werde. Am Zinsterminmarkt wird trotz der negativen Inflationsüberraschungen für das Zinstreffen am 28. Oktober lediglich zu 34 Prozent eine Zinserhöhung eingepreist - für Dezember mit zu 93 Prozent.

Unter den Halbleiteraktien werden Nvidia 3,2 Prozent niedriger gesehen, AMD 5,7 und Broadcom 2,6 Prozent. Marvell geben um 5,0 Prozent nach, Micron um 5,7. Coreweave, die am Vortag schon um 15 Prozent einknickten, geben um weitere 6,2 Prozent nach. Das Unternehmen ist auf KI-Infrastruktur und die Bereitstellung von Grafikprozessoren spezialisiert. Börsianer sprechen von Sorgen um die finanzielle Gesundheit des Unternehmens, nachdem die Coreweave-Anleiherenditen die Marke von 15 Prozent überschritten hätten. GE Vernova geben um weitere 4,1 Prozent nach - das Unternehmen liefert Strom- und Netzinfrastruktur für Rechenzentren.

Dass der KI-Entwickler Anthropic mit der Nachricht aufwartete, dass der Umsatz im dritten Quartal um 45 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar gestiegen sei, geht unter. Analysten weisen zudem darauf hin, dass das Umsatzwachstum des Herstellers des Claude-Chatbots nachgelassen habe. Ebenso geht unter, dass der führende Auftragsfertiger für Chips, Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) seinen Gewinn im Dreimonatszeitraum bis zum 30. September um fast 70 Prozent auf ein Rekordniveau steigerte.

Rocket Lab rutschen um gut 14 Prozent ab, nachdem das Unternehmen den Start seiner Neutron-Rakete auf das nächste Jahr verschoben hat. Vanda Pharmaceuticals hat in einer Phase-3-Studie zur Behandlung von Angststörungen das Ziel verfehlt. Die Aktie gibt um 2,5 Prozent nach.

Konjunkturseitig hat der Kalender zwar einiges zu bieten, die meisten Daten gehen hinter den Preisdaten aber unter. Unter anderem sind die Einzelhandelsumsätze im September besser ausgefallen als erwartet. Walmart liegen 4,2 Prozent höher, Home Depot 3,1 Prozent.

 
INDEX               zuletzt  +/- %        +/- abs.  Schluss Vortag 
DJIA              51.856,20   +0,5         +234,72       51.621,48 
S&P-500            7.695,33   -0,3          -23,61        7.718,94 
NASDAQ Comp       26.447,71   -0,9         -245,16       26.692,87 
NASDAQ 100        29.603,56   -1,2         -347,26       29.950,82 
 
 
US-Treasuries       Rendite    +/-       Tageshoch       Tagestief 
2 Jahre                4,72  -0,08            4,79            4,70 
5 Jahre                4,87  -0,12            4,96            4,85 
10 Jahre               5,06  -0,13            5,16            5,04 
 
 
DEVISEN             zuletzt  +/- %        +/- abs.  Schluss Vortag        Mi, 18:13 
EUR/USD              1,1208   +0,5          0,0052          1,1156           1,1119 
EUR/JPY              176,83   +0,1          0,2100          176,62         176,6200 
EUR/CHF              0,9282   -0,3         -0,0030          0,9312           0,9324 
EUR/GBP               0,846   +0,1          0,0005          0,8455           0,8456 
USD/JPY              157,77   -0,3         -0,5400          158,31         158,8200 
GBP/USD              1,3244   +0,4          0,0053          1,3191           1,3146 
USD/CNY              6,6909   -0,0         -0,0017          6,6926           6,6926 
USD/CNH              6,6899   -0,1         -0,0060          6,6959           6,6989 
AUS/USD              0,6897   -1,0         -0,0072          0,6969           0,6953 
Bitcoin/USD       80.599,95   -1,4       -1.143,36       81.743,31        81.570,71 
 
 
ROHOEL              zuletzt  +/- %        +/- abs.  Schluss Vortag 
WTI/Nymex             95,90   +0,9            0,81           95,09 
Brent/ICE             105,2   -0,8           -0,86          106,06 
 
 
Metalle             zuletzt  +/- %        +/- abs.  Schluss Vortag 
Gold               4.159,38   +1,3           54,26        4.105,12 
Silber                56,83   +2,1            1,19           55,64 
Platin             1.619,70   +0,8           12,95        1.606,75 
 
(Angaben ohne Gewähr) 
 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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October 15, 2026 09:56 ET (13:56 GMT)

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