MÄRKTE EUROPA/Schwach - Renditeschock vor Fed-Protokoll belastet
07.10.2026 / 13:56 Uhr
DOW JONES--Schwächer zeigen sich Europas Börsen am Mittwochmittag. Die zwischenzeitliche Entspannung dank positiver Nachrichten aus Frankreich und sinkender Ölpreise durch das Zurückdrängen der Huthi-Milizen im Jemen ist wieder verflogen. Neue Sorgen um den explosiven Anstieg der US-Renditen machen die Runde. Die 30-jährigen US-Staatsanleihen springen von einem Hoch zum nächsten. Mit 5,7160 Prozent erreichen sie aktuell ein neues 24-Jahreshoch.
Der DAX fällt um 1,5 Prozent auf 25.064 Punkte, der Euro-Stoxx-50 sogar um 1,8 Prozent auf 6.157 Zähler. Vor allem der Bankensektor steht wegen der Zinsanstiege unter Druck und verliert 3 Prozent. Im DAX trifft es besonders die Deutsche-Bank-Aktie und in Paris die Societe Generale mit je minus 4,7 Prozent.
Sorgen macht sich der Handel vor allem wegen des Fed-Protokolls am Abend: Sollte es deutliche Kommentare zu einer noch stärkeren US-Wirtschaft geben, dürften sich angesichts der jüngsten Konjunkturdaten die Spekulationen auf den Zwang zu einer US-Zinserhöhung noch auf der Oktober-Sitzung verstärken. Denn immerhin hatte der ISM-Service-Index als Indikator für den wichtigsten Beschäftigungszweig in den USA nun auch noch auf Expansionskurs bei gleichzeitig steigenden Preisen gezeigt. "Bislang hatte der Markt eine Oktober-Erhöhung aus politischen Gründen für eher unmöglich gehalten", sagt ein Händler. Denn der Termin der Fed-Sitzung liege nur eine Woche vor den wichtigen US-Zwischenwahlen. Eine Erhöhung würde US-Präsident Donald Trump brüskieren und als politische Einflussnahme gewertet werden, so die bisherige Begründung.
Zweitstärkster Verlierer in Europa sind die Technologiewerte mit 2,4 Prozent Abschlag beim Branchenindex. Der Sektor wird von steigenden Zinsen doppelt in die Zange genommen: Denn diese senken den Gegenwartswert ihrer zukünftig erwarteten Gewinne, erhöhen aber gleichzeitig ihre Zinskosten. "Gerade die massiven Investitionsankündigungen in KI-Infrastruktur werden jetzt eher negativ für die Auftraggeber gesehen", so ein Anleihehändler. Vor allem belaste dies nun auch Europäer, da KI-Unternehmen immer mehr Bonds im Euro-Raum begäben und damit die Kosten auch für die hiesigen Häuserbauer nach oben trieben. "Die Ära des kostenlosen Geldes ist vorbei. Staaten und Firmen müssen gigantische Summen für KI, Verteidigung und Infrastruktur aufbringen. Gleichzeitig steigen Zinsen und Schulden rapide. Kapital wird knapp", kommentiert Marktstratege Edouard Carmignac von der Fondgesellschaft die Lage.
Hauptverlierer sind BE Semiconductor mit minus 10 Prozent. Sie werden seit dem Vortag von heftigen Abstufungen belastet, unter anderem durch Barclays, Bank of America und UBS. Aber auch STMicro und ASML fallen bis zu 3,8 Prozent. Infineon im DAX sogar 5,4 Prozent.
Für Immobilienaktien kommt Gegenwind nicht nur von wieder anziehenden Marktzinsen vor dem Hintergrund wieder gestiegener Ölpreise. Die Analysten von Kepler Cheuvreux haben laut Marktteilnehmern reihenweise die Kursziele gesenkt. Zugleich wurde Deutsche Wohnen auf "Reduce" abgestuft, der Kurs verliert 2,4 Prozent.
Nachdem Autoaktien am Vormittag noch auf breiter Front im Plus gelegen haben - vor dem Hintergrund deutsch-französischer Bestrebungenn, das Verbrennerverbot aufzuweichen, geht es für Mercedes-Benz mittlerweile steil abwärts. Die Aktie verliert 3,1 Prozent. Auslöser sind offenbar schwache Absatzzahlen.
=== Index zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 6.157,22 -1,8 -115,01 6.272,23 6,3 Stoxx-50 5.279,21 -1,0 -55,66 5.334,87 7,3 DAX 25.064,11 -1,5 -385,08 25.449,19 2,3 MDAX 30.285,04 -0,9 -258,23 27.039,42 -1,1 TecDAX 4.042,63 -1,4 -56,59 3.091,28 11,6 SDAX 18.260,99 -0,7 -123,82 13.062,07 6,3 FTSE 10.464,09 -0,7 -77,60 10.541,69 5,4 CAC 7.767,10 -1,3 -97,97 7.865,07 -4,7 SMI 13.773,23 -0,1 -15,70 13.788,93 3,8 ATX 6.587,93 -3,0 -204,30 6.792,23 23,7 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Di, 17:40 EUR/USD 1,1181 -0,7 -0,0077 1,1258 1,1267 EUR/JPY 177,02 -0,5 -0,9700 177,99 178,1000 EUR/CHF 0,9301 -0,7 -0,0062 0,9363 0,9353 EUR/GBP 0,8464 -0,2 -0,0014 0,8478 0,8481 USD/JPY 158,31 +0,1 0,2100 158,1 158,0500 GBP/USD 1,3207 -0,5 -0,0065 1,3272 1,3283 USD/CNY 6,7045 +0,0 0,0015 6,7045 6,7045 USD/CNH 6,7082 +0,1 0,0070 6,7012 6,7014 AUS/USD 0,695 -0,5 -0,0032 0,6982 0,6983 Bitcoin/USD 83.578,13 -2,4 -2.048,61 85.626,74 86.170,13 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 90,17 +0,8 0,73 89,44 Brent/ICE 101,82 +1,2 1,24 100,58 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.116,46 -1,1 -46,99 4.163,45 Silber 60,17 -2,5 -1,51 61,69 Platin 1.633,81 -4,0 -67,94 1.701,75 (Angaben ohne Gewähr) ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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