IWF-Chefin Georgieva fordert Industrieländer zum Sparen auf

07.10.2026 / 08:01 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Die Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, hat die fortgeschrittenen Volkswirtschaften ("Industrieländer") aufgefordert, ihre Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. In ihrer Auftaktrede zur Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank warnte sie davor, auf eine Lösung des Schuldenproblems durch hohes, KI-induziertes Wachstum zu hoffen und forderte die Zentralbanken zu einer restriktiveren Geldpolitik auf.

"Wir sehen ... kein entschlossenes Handeln in den hoch verschuldeten Industrieländern, wo das Gebot der Stunde glaubwürdige, mittelfristige Pläne zur Haushaltskonsolidierung sind. Diese sollten in einigen Fällen durch sofortige fiskalische Maßnahmen flankiert werden, auch um die Geldpolitik zu entlasten", sagte sie laut veröffentlichtem Redetext in Singapur.

Die Erwartung, dass höheres Wachstum fiskalische Probleme lösen werde, kann Georgieva zufolge zu politischer Nachlässigkeit führen. "Die politischen Entscheidungsträger hatten es in den vergangenen 17 Jahren relativ leicht, weil die Zinsen die gesamte Zeit über unter den BIP-Wachstumsraten verharrten", sagte sie. Da die Länder mit höheren Raten gewachsen seien als die Zinsen, sei der Druck durch den Schuldendienst abgemildert worden.

"Höhere Zinssätze setzen dem nun ein Ende. Ökonomen drücken dies gerne als Zins-Wachstums-Differenz aus ..., die heute deutlich ungünstiger ist als in vielen vergangenen Jahren und weiter ansteigen dürfte. Das bedeutet, dass der Wachstumsschub, der erforderlich wäre, um die öffentliche Schuldenquote ohne fiskalische Anstrengungen zu senken, auf kurze Sicht unerreichbar erscheint", erläuterte die IWF-Chefin.

Nach ihrer Aussage könnte jetzt "ein guter Zeitpunkt für eine umsichtig restriktive Ausrichtung in der Geldpolitik vieler Länder sein". "Und es ist absolut angemessen, dass die US-Notenbank, die EZB und die Bank of Japan die Zinsen angehoben und sich entschieden geäußert haben, wodurch die künftigen Zinspfade entsprechend neu bewertet wurden", fügte sie hinzu.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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October 07, 2026 02:00 ET (06:00 GMT)

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