EZB gibt Inflationsrückgang bei Angebotsschock mehr Zeit
30.09.2026 / 17:45 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat die jüngsten Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Reaktion auf den ölpreisbedingten Inflationsanstieg verteidigt. Bei einer Veranstaltung in Luxemburg sagte sie, die EZB habe den Ölpreisschock nicht einfach ignorieren können, auch wenn es sich um einen Angebotsschock handele. "Stattdessen wird der Zielkonflikt zwischen Inflation und Wirtschaftsleistung, der bei einem negativen Angebotsschock entsteht, dadurch gelöst, dass man eine allmählichere Rückkehr der Inflation zum Zielwert zulässt, um im Gegenzug einen stärkeren Rückgang der Wirtschaftstätigkeit zu vermeiden", sagte sie laut veröffentlichtem Redetext.
Die EZB hat ihren Leitzins im Juni und September auf derzeit 2,50 Prozent erhöht. ESTR-Futures preisen bis Juni zwei weitere Leitzinsanhebungen ein, die nächste für Dezember.
Schnabel zufolge wird die EZB besonders auf folgende Entwicklungen achten:
Der erste Punkt sei, wie sich der hartnäckigere Anstieg der Energiepreise auf die Inflationserwartungen auswirken werde, insbesondere nach der langen Phase hoher Inflation nach der Pandemie. Die Inflationserwartungen der privaten Haushalte seien einerseits gestiegen, andererseits verharrten die meisten Maße der langfristigen Inflationserwartungen in der Nähe des 2-Prozent-Ziels.
Als zweiten Faktor nannte Schnabel die Frage, ob sich die Gesamtnachfrage trotz des weiteren Anstiegs der Energiepreise weiterhin als so widerstandsfähig erweisen werde wie in den vergangenen Monaten. "Insbesondere der Konsum hat sich gut behauptet, und Stimmungsindikatoren deuten darauf hin, dass sich die zugrunde liegende Dynamik sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor verbessert", sagte sie.
Der dritte und damit zusammenhängende Faktor betrifft Schnabel zufolge die Auswirkungen der veränderten kurz- und langfristigen Zinssätze auf die Wirtschaft. Diese Neubewertung spiegelt eine Reihe von Faktoren wider. Einer davon ist eine Neueinschätzung des Inflationspfads im Zuge der Verschärfung des Energieschocks. Sie spiegelt aber auch einen Anstieg der Realzinsen wider", erläuterte die EZB-Direktorin.
In dem Maße, wie diese Neubewertung Spillover-Effekte von Erwartungen einer strafferen Geldpolitik im Ausland widerspiegele, werde sie die globale Gesamtnachfrage dämpfen und zu restriktiveren Finanzierungsbedingungen im Euroraum beitragen. "Dies sollte dazu beitragen, die breitere Übertragung des Energieschocks auf die Inflation einzudämmen."
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/cbr
(END) Dow Jones Newswires
September 30, 2026 11:45 ET (15:45 GMT)
Bitte beachten Sie das Regelwerk
DAX®, MDAX®, TecDAX® und SDAX® sind eingetragene Markenzeichen der ISS STOXX Index GmbH
EURO STOXX®-Werte bezeichnet Werte der Marke „EURO STOXX“ der STOXX Limited und/oder ihrer Lizenzgeber
TRADEGATE® ist eine eingetragene Marke der Tradegate AG
Kurse in EUR; Fremdwährungsanleihen in der jeweiligen Währung
Zeitangaben in CEST (UTC+2)
Top 5 Umsatz
Letzte Aktualisierung:
30.09.2026 @ 19:02:51


