KONJUNKTUR IM BLICK/BoJ und Fed heben Leitzins an
11.09.2026 / 15:42 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Es sind die Tage der geldpolitischen Straffung: Nachdem am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins um 25 Basispunkte angehoben hat, dürften nun die Federal Reserve und die Bank of Japan (BoJ) das Gleiche tun. Die Bank of England dagegen dürfte den Leitzins unverändert lassen. Daneben kommen in der Woche die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sowie einige US-Konjunkturdaten. Die Woche endet am Sonntag mit Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
Wichtigster Auslöser der möglichen Zinserhöhungen sind zweifellos die durch den Iran-Krieg bedingten höheren Energiepreise. Ein weiterer Grund dürfte das anhaltend robuste Wachstum sein. Es gibt Diskussionen darüber, dass die Geldpolitik die Aktivität nicht so stark bremst, wie man angesichts des Leitzinsniveaus erwarten könnte - dass also der neutrale Gleichgewichtszins gestiegen ist. Das gilt allerdings nicht für Japan, wo der Leitzins, auch gemessen an gängigen Messgrößen, schon länger als sehr niedrig eingeschätzt wird.
Fed steht vor knapper Zinsentscheidung
Die anstehende Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) der Fed verspricht eine knappe Entscheidung, auch wenn es für Marktteilnehmer nach den Verbraucherpreisdaten für August eine klare Sache zu sein scheint. Zwar sehen die US-Notenbanker den Arbeitsmarkt nicht als primären Treiber der Inflation, doch der starke Arbeitsmarktbericht für August räumte ein wesentliches Argument gegen eine Straffung aus dem Weg und nahm den Währungshütern die Sorge vor einem Einbruch des Beschäftigungsmarktes. Haupttreiber der Zinserwartungen blieben vielmehr die anhaltend hohen Energiepreise infolge des Konflikts mit dem Iran sowie die seit Jahren über dem Zielwert liegende Inflation.
Während Fed-Gouverneur Michael Barr im Falle ausbleibender Entspannung bei den Preisen für ein entschlossenes Handeln plädiert, spricht Finanzminister Scott Bessent von einem rein temporären Angebotsschock bei verhaltener Kerninflation. Fed-Chef Kevin Warsh betonte seinerseits, dass er die finanzielle Gesamtlage kaum als ausreichend restriktiv empfinde und auch geopolitische Entwicklungen in die Erwägungen einfließen. An den Geldmärkten wird eine Zinserhöhung nach den Inflationsdaten um 25 Basispunkte zu 86 Prozent eingepreist. Zuvor waren es 67 Prozent gewesen.
Aktuell liegt der Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Fed gibt die Zinsentscheidung am Mittwoch (20.00 Uhr) bekannt. Um 20.30 Uhr beginnt die Pressekonferenz mit Fed-Chairman Kevin Warsh. Am nächsten Tag folgt die BoE.
Bank of England belässt Leitzins bei 3,75 Prozent
Es wird allgemein erwartet, dass die BoE den Leitzins bei 3,75 Prozent belassen wird. Experten rechnen mehrheitlich mit einer Stimmenverteilung von 6 zu 3 für ein Beibehalten des Zinsniveaus, da es bislang keine Anzeichen für Zweitrundeneffekte beim Inflationsdruck gibt. Dennoch dürfte sich die Notenbank angesichts des anhaltenden Nahost-Konflikts und gestiegener Energiepreise vorsichtiger äußern. Ein drängender Handlungsbedarf besteht vorerst nicht, da auch der jüngste Anstieg der Renditen von Staatsanleihen die Finanzierungsbedingungen bereits verschärft hat.
Analysten gehen davon aus, dass der Leitzins für den Rest des Jahres 2026 unverändert bleibt und erste Zinssenkungen erst im Jahr 2027 erfolgen werden. Allerdings steigen die Risiken für präventive Zinsanhebungen für den Fall, dass der Druck durch die Energiepreise länger als gedacht anhalten sollte. Zinsentscheidung und Sitzungsprotokoll werden um 13.00 Uhr veröffentlicht.
Bank of Japan steuert auf weitere Zinserhöhung zu
Bei der Ratssitzung der Bank of Japan (BoJ) zeichnet sich eine weitere Straffung der Geldpolitik ab. Nach der Erhöhung im Juni liegt der Leitzins aktuell bei 1,00 Prozent. Es wird allgemein mit einem weiteren Zinsanstieg um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent gerechnet. Einen größeren Schritt von 50 Basispunkten will die Notenbank voraussichtlich vermeiden, um die Finanzmärkte nicht zu verschrecken.
Unterstützt wird die Aussicht auf höhere Zinsen durch ein solides Wirtschaftswachstum, steigende Inflation sowie ein starkes Lohnwachstum. Zudem stellen Analysten und Insider eine Beschleunigung des Straffungstempos auf etwa eine Zinserhöhung pro Quartal in Aussicht. Einige Experten halten daher bis Jahresende sogar noch einen zweiten Zinsschritt für möglich. Die Zinsentscheidung wird für den frühen Freitagmorgen erwartet. Um 1.30 Uhr kommen zudem japanische Verbraucherpreise für August.
ZEW-Konjunkturerwartungen steigen im September weiter
Die vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung für Deutschland erhobenen Konjunkturerwartungen (Dienstag, 11.00 Uhr) dürften im September weiter gestiegen sein. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten einen Anstieg auf 40,0 (August: 34,2) Punkte. Es wäre der fünfte Anstieg in Folge. Der bereits von Sentix gemeldete Anstieg der Konjunkturerwartungen deutet in die gleiche Richtung. Allerdings wurde er vor der Veröffentlichung schwacher "harter" Konjunkturdaten für Juli erhoben, die den ZEW-Index etwas negativ beeinflusst haben könnten.
Aus den USA kommen Daten zum Einzelhandel und zu den Importpreisen (Mittwoch, 14.30 Uhr) sowie zur Industrieproduktion (Freitag, 15.15 Uhr).
Am Sonntag finden die Wahlen zum Landtag Mecklenburg-Vorpommerns und zum Berliner Abgeordnetenhaus statt. Erdrutschsiege der AfD wie In Sachsen-Anhalt sind hier nicht zu erwarten, allerdings steht an der Küste für die gemeinsam mit der Linken regierende SPD viel auf dem Spiel. Die AfD kam hier 2021 auf 16,7 Prozent der Stimmen. In Berlin war 2023 mit 28,2 Prozent noch die CDU stärkste Partei. Dicht auf folgten damals Koalitionspartner SPD und Grüne mit je 18,4 Prozent. Inzwischen liegt die Linke in Umfragen vorn. Erste Hochrechnungsergebnisse auf Basis von Nachwahlbefragungen werden ab 18.00 Uhr veröffentlicht.
(Mitarbeit: Andreas Plecko)
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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