KONJUNKTUR IM BLICK/US-Inflationsdaten und Warsh-Anhörung
10.07.2026 / 11:11 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Inflationsdruck hat nach dem am 18. Juni abgeschlossenen Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran weltweit abgenommen, Das dürfte sich in den in der vor uns liegenden Woche zur Veröffentlichung anstehenden Preisdaten zeigen - auch wenn US-Präsident Donald Trump das Abkommen für tot erklärt hat und die Ölpreise zwischenzeitlich wieder gestiegen sind. Veröffentlicht werden in der Woche US-Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten für Juni. Außerdem findet die erste turnusmäßige Anhörung von Fed-Chairman Kevin Warsh im Kongress statt, und China veröffentlicht BIP-Daten für das zweite Quartal.
US-Inflation sinkt im Juni - Kerninflation auch
Der Inflationsdruck in den USA dürfte im Juni dank niedrigerer Ölpreise etwas gesunken sein. Analysten rechnen laut Facstset-Konsens damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gesunken sind und nur noch um 3,9 (Mai: 4,2) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Raten von plus 0,3 und plus 2,8 (2,9) Prozent prognostiziert. Die Zahlen werden am Dienstag (14:30 Uhr) veröffentlicht. Einen Tag später kommen zur gleichen Zeit Erzeugerpreiszahlen.
US-Erzeugerpreise steigen im Juni weniger stark
Auch auf Produzentenebene dürfte der Preisdruck in den USA im Juni nachgelassen haben. Analysten erwarten laut Factset-Konsens, dass die Erzeugerpreise gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent gestiegen sind, nachdem sie im Mai noch um 1,1 Prozent angezogen hatten. Für die Kernerzeugerpreise wird ein Anstieg von 0,4 (Mai: 0,4) Prozent prognostiziert. Die Daten sind auch insofern interessant, als Teile des Index in die Berechnung des Kernpreisindex der persönlichen Konsumausgaben (Kern-PCE-Deflator) einfließen, der von der Fed bevorzugten Inflationsmessgröße.
Warsh erklärt dem Kongress seien Geldpolitik
Fed-Chairman Kevin Warsh hatte sich zuletzt etwas optimistischer hinsichtlich der Inflationsentwicklung geäußert. Gerade erst hat er seine Anhörungen zur Bestätigung im Amt des Fed-Chairman absolviert, da muss er schon wieder antreten - dieses Mal darf er das erste Mal dem Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses seine Geldpolitik erläutern (Dienstag, 16.00 Uhr). Bisher hat der Offenmarktausschuss der Fed in seinem ersten Meeting unter Warshs Leitung den "Easing Bias" kassiert, nach der Zinsentscheidung ein etwas knapperes Statement als üblich veröffentlicht, und auch die am Mittwoch veröffentlichten Minutes fielen etwas knapper als zuvor aus. Warsh will weniger kommunizieren. Außerdem hat sich der Fed-Chef nicht an der Zinsprognose des FOMC beteiligt.
Man könnte sagen: Warsh hat "ein bisschen geliefert", nur nicht die dem US-Präsidenten in Aussicht gestellte Zinssenkung. Für Diskussionsstoff werden sicherlich die auf seinen Vorschlag hin gegründeten Ausschüsse sorgen, die die Arbeit der Fed kritisch unter die Lupe nehmen sollen.
Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamt sich
Chinas Wirtschaftswachstum dürfte sich im zweiten Quartal verlangsamt haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass das Bruttoinlandsprodukt mit einer Jahresrate von 4,5 Prozent gestiegen ist, nachdem es im ersten Jahresviertel noch 5,0 Prozent gewesen waren. Das Wachstum wäre damit vom oberen an den unteren Rand des von der Partei ausgegebenen Zielkorridors von 4,5 bis 5,0 Prozent gewandert. Die OECD hatte für 2026 Anfang Juni 4,5 Prozent Wachstum prognostiziert und der IWF Anfang Juli 4,6 Prozent. Veröffentlicht werden die Zahlen am Mittwoch (4.00 Uhr)
Ansonsten von Interesse: EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält am Montag (18.45 Uhr) eine Rede. Beobachter werden genau darauf achten, welchen Ton die als geldpolitische Falkin bekannte Schnabel eine Woche vor der Zinsentscheidung am 23. Juli anschlägt. Zinsentscheidungen stehen in der Woche in Kanada (Mittwoch, 15.45 Uhr) und Südkorea (Donnerstag, 3.00 Uhr) an.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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July 10, 2026 05:10 ET (09:10 GMT)
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