Deutschland stoppt milliardenschweres F126-Fregatten-Projekt

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24.06.2026 / 17:55 Uhr

Von Bertrand Benoit und Alistair MacDonald

DOW JONES--Deutschland hat das milliardenschwere F126-Fregatten-Projekt gestoppt. Das Verteidigungsministerium beschloss nach eigenen Angaben, einen Auftrag über sechs maßgeschneiderte F126-Fregatten nicht weiterzuverfolgen. Stattdessen sollen acht Meko A-200-Fregatten vom deutschen Schiffbauer TKMS gekauft werden. Dabei handelt es sich um ein einfacheres, aber bewährtes Design.

Deutschland hat die größte militärische Aufrüstung seit Ende des Kalten Krieges eingeleitet. Dies ist eine Reaktion auf die wachsenden Bedrohungen durch Russland. Zudem gibt es Signale, dass die USA ihre militärische Präsenz in Europa reduzieren wollen.

Berlin hat im vergangenen Jahr die Militärausgaben von der Schuldenbremse ausgenommen. Die Regierung plant, mehr als eine halbe Billion Euro in Ausrüstung, Infrastruktur und Personal zu investieren. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, er wolle, dass Deutschland bis Ende des Jahrzehnts über das größte konventionelle Militär in Europa verfüge.

Im Rahmen dieses Prozesses hat die Regierung die einst schwerfälligen Beschaffungsverfahren des Militärs umgestaltet. Sie rückt auch von der Bestellung komplexer, maßgeschneiderter Systeme ab. Deren Entwicklung dauert oft Jahre oder sogar Jahrzehnte und sprengt das Budget am Ende deutlich. Stattdessen setzt man auf Standardlösungen, die schnell einsatzbereit sind.

Die Flut an Aufträgen hat jedoch zu einer Preisinflation geführt. Militärunternehmen hatten Mühe, ihre Produktionskapazitäten an die steigende Nachfrage anzupassen. Die Regierung hat versucht, diesem Trend entgegenzuwirken. Sie drängte die Auftragnehmer, mehr zu investieren und Fachwissen aus der schwächelnden Autoindustrie des Landes einzubringen. Ziel ist es, die Produktion zu automatisieren und Skaleneffekte zu erzielen.

Das Parlament, das alle großen Militäraufträge genehmigen muss, hat sich ebenfalls gegen die steigenden Kosten gewehrt. Regierungsvertreter waren in letzter Zeit zunehmend besorgt. Sie befürchteten, dass die Abgeordneten das immer teurer werdende F126-Projekt aus diesem Grund ablehnen könnten.

Die Fregatte, deren Entwicklung 2020 begann, hätte eine Reihe von Aufgaben erfüllen und für längere Zeit auf See bleiben können. Ihr Entwurf entstand in einer Zeit, in der sich europäische Militärs auf begrenzte Auslandseinsätze an weit entfernten Orten konzentrierten - nicht auf die Verteidigung des Heimatlandes.

Der Krieg in der Ukraine hat auch die Vorstellungen davon verändert, wie eine künftige Konfrontation mit Russland aussehen könnte. Westliche Generäle sehen Moskaus Verlust eines großen Teils seiner Schwarzmeerflotte in der Anfangsphase des Krieges als Warnung. Dies zeigt die Verwundbarkeit großer Kriegsschiffe im Zeitalter unbemannter Flug- und Unterwasserdrohnen.

Das deutsche Militär erwartete ursprünglich, dass die erste Charge der F126 im Jahr 2033 geliefert wird. Der niederländische Schiffbauer DSNS, der den ursprünglichen Zuschlag erhielt, erwies sich jedoch als unfähig, das anvisierte Budget und den Zeitplan einzuhalten. Daraufhin begann Berlin mit dem Prozess, das Projekt an den deutschen Waffenhersteller Rheinmetall zu übertragen.

Während der Verhandlungen stellte sich heraus, dass die Gesamtkosten für den Bau der sechs Fregatten von 10 Milliarden Euro auf schätzungsweise 18 Milliarden Euro steigen würden, wie das Ministerium am Mittwoch mitteilte. Zudem hätte die Regierung auf Schadensersatzansprüche gegen den vorherigen Auftragnehmer verzichten müssen.

Die ersten vier Meko-Fregatten würden im Vergleich dazu 6,3 Milliarden Euro kosten. Es gebe zudem die Option, vier weitere für 5,3 Milliarden Euro zu bestellen, hieß es.

Die Meko ist laut Verteidigungsvertretern besonders für die U-Boot-Abwehr geeignet. Die F126 hätte zwar ein breiteres Spektrum an Aufgaben erfüllt. Der Wechsel folgt jedoch dem neuen Leitmotiv der deutschen Marine, nun der Devise "Stahl ins Wasser zu bringen" Priorität einzuräumen.

Ein Sprecher von TKMS sagte, das Modell sei "eine international bewährte, kosteneffiziente und skalierbare Schiffsklasse". Er fügte hinzu, dass das Unternehmen die erste Fregatte im Jahr 2029 an die Marine ausliefern werde.

Berlins Kehrtwende bei den Fregatten ist ein Rückschlag für Rheinmetall. Der Rüstungskonzern hat parallel zu den rasant steigenden Militärausgaben Berlins an Wert gewonnen. Die Aktien des Konzerns notierten im Nachmittagshandel rund 18,5 Prozent niedriger.

Um die steigende europäische Nachfrage nach Marineschiffen und U-Booten zu bedienen, kaufte das Unternehmen im vergangenen Jahr den deutschen Schiffbauer NVL. Dies löste bei einigen Analysten Bedenken aus. Sie befürchteten, dass Armin Papperger, der ehrgeizige CEO, das Unternehmen überfordere und in Bereiche vordringe, in denen es wenig Fachwissen habe.

Rheinmetall lehnte eine Stellungnahme ab. Das Unternehmen wollte, dass NVL den Fregattenvertrag von DSNS übernimmt.

Einige Analysten erwarten, dass das Unternehmen bei der Herstellung der Meko-Fregatten noch eine untergeordnete Rolle spielen könnte.

TKMS teilte mit, die Option für die Marine, nach der ersten Charge vier weitere Schiffe zu bestellen, "eröffnet die Möglichkeit, die deutsche Schiffbauindustrie einzubinden. Wir sind offen für Gespräche mit unseren Industriepartnern."

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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June 24, 2026 11:55 ET (15:55 GMT)

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