EZB/Lane: Inflationseffekte von Klimawandel und "grünem Übergang" unklar

05.05.2026 / 18:33 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Die Auswirkungen des Klimawandels und der gegen ihn ergriffenen Maßnahmen auf die Inflation sind nach Aussage von Philip Lane, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), nicht klar. Lane führte in einer Rede bei einer Konferenz in Frankfurt laut veröffentlichtem Text zwar Argumente für einen Kampf gegen den Klimawandel und für die Nutzung erneuerbarer Energien an, doch gehörte der Kampf gegen eine überhöhte Inflation nicht dazu. "Allgemein lässt sich festhalten, dass die Gesamtauswirkung des Klimawandels auf die Inflationsrate nicht eindeutig ist", sagte er.

Der Aufwärtsdruck durch negative Angebotsschocks bei Agrarprodukten und Nahrungsmittelpreisen könnte durch klimabedingte negative Nachfrageschocks in anderen Bereichen ausgeglichen werden. Eine Studie der vier größten Länder des Euroraums weise auf asymmetrische und heterogene Auswirkungen höherer Temperaturen hin, die je nach Komponente, Land und Zeitpunkt des Schocks variierten. Insbesondere stünden Inflationsanstiegen infolge höherer Sommertemperaturen deflationäre Effekte durch wärmere Temperaturen in den anderen Jahreszeiten gegenüber.

"Dies zeigt sich besonders deutlich bei der Energieinflation, die bei milderen Winter- und Frühlingstemperaturen sinkt, was vermutlich auf einen geringeren Heizenergiebedarf zurückzuführen ist", erläuterte der EZB-Chefvolkswirt. Auch die Fachliteratur lieferte uneinheitliche Ergebnisse bezüglich der Auswirkungen anderer Extremwetterereignisse oder von Umweltzerstörung auf einzelne Inflationskomponenten und die mittelfristigen Aussichten.

Gleichwohl hält Lane einen Kampf gegen Klimawandel für sinnvoll. "Das Überschreiten klimatischer Kipppunkte könnte weitaus größere wirtschaftliche Störungen auslösen als bisher beobachtet, sollten selbstverstärkende Klimaveränderungen unumkehrbar werden", warnte er. Zudem werde die Fähigkeit der Volkswirtschaften zur Anpassung an ein wärmeres Klima darüber entscheiden, inwieweit der Klimawandel das Niveau und die Volatilität von Produktion und Inflation beeinflusst, was eine weitere Unsicherheitsebene schaffe.

Auch die Auswirkungen der grünen Transformation auf die Inflation bleiben Lane zufolge "ungewiss". "Dieser Wandel beinhaltet wahrscheinlich kurzfristig negative, langfristig jedoch positive Angebotsschocks und wirkt zudem als mehrschichtiger Nachfrageschock - positiv für Investitionen, aber negativ für den Konsum", sagte er.

Den Nutzen einer "grünen Transformation" hin zu einer geringeren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten sieht Lane in Folgendem: Erstens die Senkung der Treibhausgasemissionen, zweitens die Verringerung der Auswirkungen globaler Energieschocks auf die Inflation und drittens die Erhöhung der Energiesicherheit.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/mgo

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