INTERVIEW/Delivery Hero will mit KI-Agent weltweit schneller 'liefern' - CFO

30.04.2026 / 12:24 Uhr

Von Ulrike Dauer

DOW JONES--Der Lieferkonzern Delivery Hero will mit Hilfe seines neuen autonomen KI-Agenten namens Herogen wesentlich agiler werden in seinen 65 Märkten in fünf Regionen rund um den Globus als in der Vergangenheit. CFO Marie-Anne Popp zufolge beschleunigt der Einsatz von Herogen das Geschäft, die Arbeitsweise und das Go-to-Market, "weil wir einfach viel schneller sind und auch in der Lage sind, eben schneller und in vielen verschiedenen Märkten gleichzeitig neue Produkte auszurollen".

Der autonome Software-Delivery-Agent, den der MDAX-Konzern vergangene Woche vorgestellt hat, soll die Leistung von 130 Software-Entwicklern erbringen bzw die Belegschaft um eine virtuelle Entwicklungsabteilung mit 130 Beschäftigten erweitern. Delivery Hero betont dabei aber, dass Herogen ein Werkzeug für die berufliche Weiterentwicklung sei und nicht für den Abbau von Arbeitsplätzen. Denn - im Gegensatz zur traditionellen Automatisierung, die darauf abziele, Rollen zu ersetzen - verlagere Herogen die Mensch-Maschine-Schnittstelle von der Programmiersprache zur natürlichen Sprache. Dadurch könnten Entwickler ihre Ziele schneller erreichen und dabei von Programmierern zu Softwarearchitekten werden, argumentiert das Unternehmen.

Was der Agent "im Prinzip den Ingenieuren abnimmt, sind natürlich repetitive Aufgaben, Bugfixes, Änderungswünsche und so weiter", sagte Popp im Interview mit Dow Jones Newswires. "Und die Idee ist natürlich momentan wirklich, dass das unseren Ingenieuren erlaubt, mehr tatsächliche Entwicklung zu machen, also wirklich komplexere Aufgaben anzugehen oder im Prinzip den Backlog schneller auflösen."

Der Konzern habe "einen Wahnsinnsinnovationsstau" bei den vielen neuen Features, die auf die Einführung warten. "Und im Prinzip ist die Konsequenz dieses KI- Agenten, dass wir einfach schneller sind, ja, dass wir wirklich die Sachen, die neuen Produkte, die neuen Features schneller entwickeln können, schneller testen können, schneller ausrollen können und dann eben schneller verändern können oder fixen können, wenn es ein Problem gibt", sagte Popp.

Inzwischen würden die Agenten im Konzern "autonom arbeiten", sowohl im Entwicklungs-Bereich als auch in anderen Bereichen wie dem Service-Bereich, und so die Produktivität erhöhen, so Popp. Sie würden den Beschäftigten Arbeit abnehmen, die dann in der Lage seien, analytischere und strategischere Tätigkeiten zu verrichten. Da habe "sich sehr viel getan in den letzten Monaten".

Rodrigue Schäfer, Vice President Platform bei Delivery Hero, sagte bei der Vorstellung von Herogen: "Indem sie Absichten beschreiben, anstatt sich mit Syntax auseinanderzusetzen, können sich unsere Entwickler auf das konzentrieren, was sie am besten können: kreative Erforschung und komplexe Problemlösung."

Herogen wurde Delivery Hero zufolge intern auf Basis mehrere branchenführender Large Language Models (LLMs) verschiedener führender Anbieter entwickelt. Die Kapazität wachse rasant, der Agent liefere bereits heute eine Programmierungsleistung, die auf Jahresbasis der von 130 erfahrenen Entwicklern entspreche. Im Konzern sei die Einführung von Herogen in den Technologieteams zu 18 Prozent abgeschlossen. Entwickler können ihre Programmierarbeit an Herogen delegieren und sich so auf das große Ganze und die Ideenfindung für neue Funktionen konzentrieren. Dies beschleunige den Übergang von Delivery Hero zu einer globalen Alltags-App. Ein Mensch führe die abschließende Code-Prüfung durch. Herogen sei bereits für die Bearbeitung von 9 Prozent aller Code-Änderungsanfragen im gesamten Unternehmen verantwortlich, bis Jahresende sollen es 20 Prozent werden. Die überwiegende Mehrheit der Aufgaben erfordere keine oder nur eine Interaktion mit dem Menschen.

Popp wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob der autonome KI-Agent möglicherweise den Stellenabbau bei Delivery Hero beschleunigt. "Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir da natürlich die Industrie mitgestalten und auch an der Veränderung teilhaben", sagte Popp. Aber es sei "sehr schwer zu sagen, wie alles in sechs Monaten, zwei Jahren, drei Jahren aussieht".

Kontakt zur Autorin: ulrike.dauer@wsj.com; @UlrikeDauer_

DJG/uxd/cbr

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April 30, 2026 06:23 ET (10:23 GMT)

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