KONJUNKTUR IM BLICK/Zentralbanken warten weiterhin ab

24.04.2026 / 16:41 Uhr

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Gemessen an den Hoffnungen zu Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar dauert der Konflikt jetzt schon ziemlich lange. Aber die wirtschaftlichen Schäden lassen sich noch immer nicht abschließend beurteilen. Man weiß noch nicht, wie stark die Fähigkeiten zur Produktion von Öl und Flüssiggas beeinträchtigt sind und wie die Nachfrage auf das eingeschränkte Angebot reagieren wird. Vorerst ist die Straße von Hormus, durch die die meisten Produkte transportiert werden müssen, ohnehin geschlossen. Die Zentralbanken warten vorerst weiter ab. Weder US-Notenbank noch Bank of Japan noch EZB oder Bank of England dürften ihre Leitzinsen in der vor uns liegenden Woche anheben.

US-Notenbank lässt Geldpolitik unverändert

Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass die Fed den Leitzins in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent lassen wird, wenn sie am Mittwoch (20.00 Uhr) ihre Entscheidung bekannt macht. Fed-Futures preisen dieses Ergebnis zu fast 100 Prozent ein und beziffern die Chancen einer späteren Senkung auf maximal ein Drittel. Weder die für die Notenbank relevanten Daten zu Arbeitsmarkt und Inflation noch Äußerungen von Fed-Offiziellen machten zuletzt Hoffnung auf eine baldige Lockerung. Die Beschäftigung stieg im März stärker als erwartet, die Inflation erreichte 3,3 Prozent und selbst FOMC-"Tauben" wie Christopher Waller äußerten sich skeptisch zu weiteren Zinssenkungen.

Am Freitag (14.30 Uhr) werden Daten zum Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Deflator) veröffentlicht. Die Fed dürfte die sich dort abzeichnende Teuerungsrate schon aus den Veröffentlichungen zu Verbraucher- und Erzeugerpreisindex erschlossen haben.

EZB bestätigt Leitzins von 2,00 Prozent

Auch der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte seinen Leitzins unverändert bei 2,00 Prozent lassen. Zwar ist die Inflation zuletzt energiepreisbedingt deutlich gestiegen, doch dürfte die Zentralbank angesichts der anhaltenden Unsicherheit über Dauer und Ausgang des Kriegs im Nahen Osten eine abwartende Haltung einnehmen. Das hat zuletzt EZB-Präsidentin Christine Lagarde angedeutet. Analysten wollen eine erste Zinsanhebung im Juni nicht ausschließen und werden genau darauf achten, ob Lagarde irgendwelche Hinweise darauf gibt. Die Zinsentscheidung wird am Donnerstag (14.15 Uhr) kommuniziert, die Pressekonferenz mit Lagarde beginnt gegen 14.45 Uhr.

BoJ und BoE halten ebenfalls still

Finanzmarktteilnehmer und Analysten warten schon lange auf eine Zinserhöhung durch die Bank of Japan (BoJ). Nachdem zuletzt immer mehr von ihnen auf eine unmittelbar bevorstehende Straffung getippt hatten, bremsen nun die seit Beginn des Iran-Kriegs verschlechterten Konjunkturindikatoren und allgemein die Unsicherheit die Zinserhöhungserwartungen. Laut Factset-Konsens wird mit einem unveränderten Leitzins von 0,75 Prozent gerechnet. Die Zinsentscheidung wird am frühen Dienstagmorgen bekannt gegeben.

BoE lässt Geldpolitik unverändert

Die Bank of England (BoE) dürfte vor dem Hintergrund der erhöhten Unsicherheit durch den Iran-Krieg vorerst ebenfalls keine Änderung ihrer Geldpolitik vornehmen. Zwar meinten Analysten nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses im Vormonat tendenziell eher eine Neigung zu Zinsanhebungen als zu Zinssenkungen zu bemerken, doch haben sich die Erwartungen nicht verfestigt. Einigermaßen fest eingepreist ist eine erste Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf dann 4,00 Prozent erst für Juli. Und selbst das wird von vielen Analysten für übertrieben gehalten. Bekannt gemacht wird die Zinsentscheidung am Donnerstag (13.00 Uhr).

BIP und Inflationsraten steigen

Es stehen in der Woche außerdem einige erstrangige Konjunkturdaten an. Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal kommen unter anderen aus Deutschland (Donnerstag, 10.00 Uhr), dem Euroraum (Donnerstag, 11.00 Uhr) und den USA (Freitag, 14.30 Uhr). Volkswirte erwarten, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent gestiegen ist, nachdem es im vierten Quartal um 0,3 Prozent zugelegt hatte. Für den Euroraum werden ebenfalls 0,2 (viertes Quartal: 0,2) Prozent Wachstum erwartet und für die USA annualisiert 2,5 (0,5) Prozent.

Zudem kommen Verbraucherpreisdaten aus Deutschland (Mittwoch, 14.00 Uhr) und dem Euroraum (Donnerstag, 11.00 Uhr). Volkswirte erwarten, dass der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) Deutschlands gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent gestiegen ist und um 3,1 (März: 2,8) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lag. Eine tragende Rolle dürfte dabei der Anstieg der Energiepreise gespielt haben. Für den Euroraum wird ein Anstieg der Inflationsrate auf 2,9 (2,6) Prozent prognostiziert.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo/mgo

(END) Dow Jones Newswires

April 24, 2026 10:40 ET (14:40 GMT)

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