Nagel: Trumps Zinssenkungsforderungen reduzierten Renditen
23.04.2026 / 17:05 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach Zinssenkungen durch die US-Notenbank haben nach Aussage von EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel zu einem kurzfristigen Rückgang der Renditen von US-Staatsanleihen geführt, allerdings auch unbeabsichtigte Nebenwirkungen gehabt. "Wenn der Druck steigt, sinken die Renditen von US-Staatsanleihen, was darauf hindeutet, dass die Märkte eine lockerere Geldpolitik erwarten", sagte Nagel bei einer Veranstaltung anlässlich des 90. Geburtstags des ersten Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing.
Nagel referierte Ergebnisse einer Studie der Bundesbank-Volkswirte Ivan Frankovic und Sören Karau (Political Pressure on the Fed - Is This Time Different?). Diese hatten untersucht, wie sich die Verbalinterventionen des US-Präsidenten auf die Finanzmärkte ausgewirkt haben und kamen dabei Nagel zufolge zu folgenden Ergebnissen: Die Treasury-Renditen sanken, dennoch stiegen die Aktienkurse nicht, wie man es eigentlich erwarten würde. Stattdessen fielen sie, und die Volatilität nahm zu. Darüber hinaus schossen die Goldpreise in die Höhe, und der US-Dollar wertete besonders stark ab.
Die Autoren interpretieren dies als eine Risikoneubewertung auf zwei Ebenen: Erstens schichteten Anleger innerhalb der US-Märkte von Aktien in Staatsanleihen um - eine inländische Flucht in Sicherheit. Zweitens zeigten der schwächere Dollar und die höheren Goldpreise, dass sich Investoren von US-Vermögenswerten zurückzögen - eine Flucht in die Sicherheit außerhalb der USA.
"Wichtig ist, dass die Studie keine Anzeichen für steigende Inflationserwartungen findet. Tatsächlich gehen marktbasierte Kennzahlen eher leicht zurück", sagte Nagel. Nach seiner Aussage deutet das darauf hin, dass die Anleger nicht einfach nur eine lockerere Geldpolitik erwarteten - sie waren besorgt über die Integrität der US-Institutionen und die weitreichenden Konsequenzen, die ein Verlust dieser Integrität nach sich ziehen würde. Sorgen über ein schwächeres US-Wachstum oder höhere Unsicherheit schienen schwerer zu wiegen als Inflationsängste.
Nagel würdigte Issings Rolle bei der Etablierung der EZB und seine Jahre als Chefvolkswirt. Issing habe die Bundesbank-Tradition der Zentralbankunabhängigkeit zu einer europäischen Tradition gemacht, sagte er.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/mgo
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