Buba: Europäische G-SIBs nicht härter reguliert als US-G-SIBs
21.04.2026 / 12:00 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die global tätigen, systemisch wichtigen Banken (G-SRIs bzw Englisch G-SIBs) Europas sind nach Aussage der Deutschen Bundesbank keinen härteren Eigenkapitalregen ausgesetzt als ihre Konkurrenten in den USA. Wie die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht erläutert, stimmt dieser Befund auch unter Berücksichtigung der jüngst von der US-Aufsicht angekündigten Erleichterungen. Die Bundesbank räumt allerdings ein, dass die USA ein stärker abgestuftes System anwenden, bei dem Umfang und Komplexität der Anforderungen stärker von Größe und Systemrelevanz eines Instituts abhängen. Im Ergebnis fielen in den USA nur wenige Institute unter Baseler Regeln.
Interessenvertreter europäischer Banken fordern seit einiger Zeit, die schrittweise Umsetzung der Eigenkapitalrichtlinie Basel 3 auszusetzen. Sie begründen dies unter anderem mit der Gefahr, dass die europäischen Institute gegenüber ihren US-Konkurrenten weiter ins Hintertreffen geraten könnten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte diese Wahrnehmung kürzlich erneut zurückgewiesen. Die Kapitalanforderungen für Banken im Euroraum seien weitgehend vergleichbar mit denen in anderen Rechtsgebieten und stünden im Einklang mit internationalen Standards, hieß es in der vergangenen Woche.
Ein direkter Vergleich der Kapitalanforderungen europäischer G-SRI mit denen ihrer US-Wettbewerber ist laut Bundesbank nur bedingt möglich. Neben regulatorischen Unterschieden spielen dabei auch strukturelle Faktoren eine Rolle. Zudem optimieren Banken ihre Portfolios auch hinsichtlich regulatorischer Anforderungen. Unter dieser Nebenbedingung macht die Bundesbank folgende Punkte:
1. Die Kapitalanforderungen der Säule 1 für G-SRI liegen aktuell in den USA tendenziell über denen in der EU. Dies resultiert unter anderem aus dem sogenannten "Collins Floor", der einer Eigenmitteluntergrenze ("Output Floor") von 100 Prozent für Markt- und Kreditrisiken entspricht, während der auf alle Risikoarten insgesamt angewendete Output Floor in der EU von 2025 bis 2030 schrittweise von 50 auf 72,5 Prozent ansteigt, heißt es im Bericht der Bundesbank. Der Output Floor begrenzt den Nutzen, den Banken aus der Nutzung interner Modell bei der Berechnung von Eigenkapitalanforderungen ziehen dürfen.
2. Die von der Aufsicht geforderten Kapitalpuffer für systemrelevante Institute liegen in den USA auf einem tendenziell höheren Niveau als diejenigen der europäischen G-SRI. Dies gilt auch dann, wenn man die am 19. März vorgeschlagene Überarbeitung zugrunde legt.
3. Gleichzeitig enthält das europäische Regelwerk Erleichterungen bei den Kapitalanforderungen für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen sowie für Infrastrukturfinanzierungen. Diese sollen sicherstellen, dass Finanzierungen in diesen volkswirtschaftlich wichtigen Bereichen bereitgestellt werden. Im Gegensatz dazu ergeben sich im Bereich der Säule 2 in der EU im Aggregat tendenziell höhere Anforderungen.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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