EZB wird bei Zinsbeschluss auf bestimmte Indikatoren achten - Protokoll
16.04.2026 / 14:52 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird einige für einen möglichen Zinserhöhungsbeschluss am 30. April wichtige Daten erst kurz vor seiner Entscheidung erhalten. Wie aus dem Protokoll der Ratssitzung vom 18./19. März hervorgeht, wollten sich die Ratsmitglieder bei der Abschätzung des Inflationsausblicks nicht alleine auf die Abschätzung von Dauer und Intensität des Iran-Kriegs stützen, sondern auch auf einige Hochfrequenzindikatoren. Die werden erst in der Woche des Zinsbeschlusses veröffentlicht.
Laut dem Protokoll fand es der Rat "wichtig, die Auswirkungen des Schocks auf die Inflationserwartungen von Unternehmen und privaten Haushalten zu bewerten - auf Grundlage der Konsumentenumfrage, der Umfrage zum Zugang von Unternehmen zu Finanzierung sowie der Unternehmens- und Verbraucherumfragen der Europäischen Kommission".
Unter den genannten Veröffentlichungen steht als erstes zum Finanzierungszugang von Unternehmen für das erste Quartal an (27. April), wobei zwei Drittel des Berichtszeitraums in die Zeit vor Kriegsbeginn fallen. Es folgt am 29. April der von der EU-Kommission erhobene Index der Wirtschaftsstimmung (Esi) für April, der auch Angaben zu den Preiserwartungen der Wirtschaftsakteure enthält.
Bereits in der März-Umfrage hatte sich hier ein starker Anstieg der Preiserwartungen gezeigt. Vor allem die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes rechneten mit einer deutlichen Anhebung ihrer Abgabepreise. Der entsprechende Indikator stieg auf 19,7 (Februar: 12,3) Punkte, während der langfristige Mittelwert bei 7,9 liegt. Die Preiserwartungen von Konsumenten stiegen von 26,2 auf 43,4 (Mittelwert: 21,0) Punkte.
Direkt am Tag der Zinsentscheidung kommen Verbraucherpreisdaten für April. Im März war die Inflation von 1,9 auf 2,6 Prozent gestiegen - etwas stärker als vorläufig berichtet - und die Kerninflation hatte bei 2,3 Prozent verharrt. Außerdem wird am gleichem Tag die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das erste Quartal veröffentlicht.
Der EZB-Rat hatte am 19. März wie erwartet beschlossen, seinen Leitzins bei 2,00 Prozent zu lassen. "Angesichts der sich schnell ändernden Umstände ist es die Pflicht des EZB-Rats, ruhig und fokussiert zu bleiben, gegenüber den europäischen Bürgern Rechenschaft abzulegen und sich uneingeschränkt für die Erfüllung seines Mandats einzusetzen", heißt es zu dazu im Protokoll.
Abweichungen vom Inflationsziel - in beide Richtungen - könnten toleriert werden, solange sie kurzlebig und in ihrem Ausmaß begrenzt seien und solange die Inflationserwartungen fest verankert blieben. Große und anhaltende Abweichungen der Inflation vom Zielwert würden jedoch angemessene geldpolitische Maßnahmen erfordern, um die Inflationserwartungen verankert zu halten.
Der volkswirtschaftliche Stab hatte aktuelle makroökonomische Prognosen veröffentlicht, wobei es neben eine Referenzszenario auf zwei Risikoszenarien gab, die einen stärkeren Anstieg der Ölpreise beinhalteten. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in dieser Woche gesagt, die bisher zu beobachtende Entwicklung liege zwischen dem (optimistischen) Basis- und dem milderen von beiden Risikoszenarien. Ein Barrel Brent kostet derzeit rund 96 US-Dollar - weitaus weniger als kurz nach Ausbruch des Krieges (120 Dollar).
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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