KONJUNKTUR IM BLICK/Nachrichten aus der Vorkriegswelt
02.04.2026 / 13:41 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und dessen wirksamste Gegenmaßnahme, die Sperrung der Straße von Hormus, treiben die Energiepreise weltweit und trüben die Wachstumsaussichten. Das meiste von dem, was in der vor uns liegenden Woche an Konjunkturdaten veröffentlicht wird, spiegelt noch die Vorkriegsrealität einer sich belebenden Konjunktur bei sinkendem Inflationsdruck.
Eine Ausnahme bilden die US-Verbraucherpreise für März, das von der Uni Michigan erhobene Verbrauchervertrauen für März sowie das Protokoll der FOMC-Sitzung vom 17./18. März. Und dann ist da noch der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), der bei einer Klausur in Frankreich die radikal veränderten Rahmenbedingungen diskutieren dürfte. Und die könnten sich in der Woche außerdem dramatisch weiterentwickeln.
Deutscher Auftragseingang steigt im Februar
Der Auftragseingang der deutschen Industrie (Veröffentlichung: Mittwoch, 8.00 Uhr), dürfte nach einem sehr kräftigen Rücksetzer gleich zu Jahresbeginn im Februar wieder gestiegen sein. Analysten erwarten laut Factset-Konsens, dass die Bestellungen gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent zugelegt haben, nachdem sie im Januar um 11,1 Prozent gefallen waren. Diese Zahl war, wie auch teilweise die in den Vormonaten verbuchten Zuwächse, von Großaufträgen - beziehungsweise einem Mangel an Großaufträgen - geprägt.
Die Auftragseingänge ohne Großaufträge, die für die unmittelbare Entwicklung des Outputs wichtiger sind, waren im Januar ebenfalls leicht gesunken - dies allerdings nach vier monatlichen Anstiegen in Folge. Zusammen mit den Auftragszahlen kommen die Zahlen zum Umsatz im verarbeitenden Gewerbe, der allerdings derzeit kein besonders guter Vorlaufindikator der am nächsten Tag anstehenden Produktionsdaten zu sein scheint. Im Januar stiegen die Umsätze um 1,5 Prozent, während die Produktion um 2,5 Prozent sank.
Deutsche Produktion steigt im Februar
Die Produktion im produzierenden Sektor Deutschlands dürfte im Februar gestiegen sein. Analysten erwarten laut Factset-Konsens, dass der Output von Industrie, Bau- und Energiewirtschaft gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent zugelegt hat, nachdem er im Januar zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen war - um 0,5 Prozent. Zeitgleich kommen Handelsbilanzdaten für ebenfalls Februar.
US-PCE-Kerninflation sinkt im Februar marginal - CPI-Inflation steigt
Der Inflationsdruck in den USA dürfte im Februar nach der von der Notenbank präferierten Messgröße leicht gesunken sein. Analysten erwarten laut Factset-Konsens, dass der Preis-Index der persönlichen Konsumausgaben ohne Energie und Nahrungsmittel (Kern-PCE-Deflator) gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent gestiegen ist, aber nur noch um 3,0 (Januar: 3,1) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lag. Die Aussagekraft dieses Index' dürfte aus Sicht der Fed angesichts des seither eingetretenen Energiepreisanstiegs begrenzt sein. Die Zahlen werden am Donnerstag (14.30 Uhr) veröffentlicht. Aktueller sind da schon die Verbraucherpreisdaten für März.
US-Inflation auf Basis von Verbraucherpreisen verstärkt sich im März
Der am Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsdruck dürfte mit Beginn des Iran-Kriegs zugenommen haben. Analysten erwarten laut Factset-Konsens, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent gestiegen sind und um 2,7 (Februar: 2,4) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Dass das nicht alleine an den Energiepreisen gelegen haben dürfte, zeigen die Prognosen für die Kernverbraucherpreise: Sie dürften mit Raten von 0,3 und ebenfalls 2,7 (2,5) Prozent gestiegen sein. Veröffentlicht werden die Daten am Freitag (14.30 Uhr).
Notenbanken im Wartemodus - EZB-Rat in Klausur
Was machen die Notenbanken aus alledem? Offenbar versuchen sie zugleich Gelassenheit und Handlungsbereitschaft zu demonstrieren. Motto: Noch wissen wir nicht, wie es weitergeht mit der Inflation. Aber sobald wir sehen, dass sich der Preisdruck verbreitert und die Erwartungen beeinflusst, werden wir handeln.
ESTR-Forwards preisen für die Ratssitzung am 30. April eine EZB-Zinsanhebung zu gut 60 Prozent ein und bis Dezember insgesamt zwischen zwei und drei kleinen Zinsschritten. Das ist immer noch eine Menge, wenn man bedenkt, dass zuletzt sogar eine ausgewiesene Zins-Falkin wie Isabel Schnabel versucht hat, auf die Erwartungsbremse zu treten. Es wird interessant sein, die Kommunikation von EZB-Ratsmitgliedern zu beobachten, wenn sie von ihrer am Dienstag beginnenden, zwei Tage andauernden Klausur zurückkehren.
Das FOMC-Sitzungsprotokoll (Mittwoch, 20.00 Uhr) könnte noch nicht bekannte Diskussionen im Offenmarktausschuss am 17. und 18. März zu Tage fördern. Auch Fed-Chairman Jerome Powell hatte zuletzt Erwartungen zu bremsen versucht, dass die Fed demnächst ihren Leitzins anheben wird.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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