EU warnt Pornoseiten wegen Zugang für Minderjährige und untersucht Snapchat

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26.03.2026 / 14:38 Uhr

Von Mauro Orru

DOW JONES--Die Europäische Union verstärkt ihre Bemühungen zur Durchsetzung von Online-Kinderschutzregeln. Sie hat eine Untersuchung gegen Snapchat eingeleitet. Zudem warnt sie die Pornografie-Plattformen Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos in einer vorläufigen Bewertung, dass diese nicht genug tun, um Minderjährige vom Zugang zu nicht jugendfreien Inhalten abzuhalten.

Die Europäische Kommission, das Exekutivorgan der EU, hatte im Mai 2025 eine Untersuchung gegen die vier pornografischen Websites eingeleitet. Grund war der Verdacht auf Verstöße gegen das EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act), ein Regelwerk, das Unternehmen und Online-Plattformen befolgen müssen. Andernfalls riskieren sie eine Geldstrafe von bis zu 6 Prozent ihres Jahresumsatzes sowie regelmäßige Geldstrafen.

In einer vorläufigen Bewertung sagten hochrangige EU-Kommissionsvertreter am Donnerstag, dass Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos die Risiken für Minderjährige, die auf ihre Plattformen zugreifen, nicht angemessen identifiziert und bewertet hätten. Die EU-Kommission setzt ihre Untersuchung fort. Den EU-Vertretern zufolge können Minderjährige auf allen vier Plattformen durch einen einfachen Klick zur Bestätigung, dass sie über 18 Jahre alt sind, auf nicht jugendfreie Inhalte zugreifen. Dies sei im Grunde eine Form der Selbsterklärung, die nicht unbedingt der Wahrheit entspreche. Sie forderten die Unternehmen auf, Altersüberprüfungen einzuführen.

"Kinder greifen in immer jüngerem Alter auf nicht jugendfreie Inhalte zu, und diese Plattformen müssen robuste, datenschutzwahrende und wirksame Maßnahmen ergreifen, um Minderjährige von ihren Diensten fernzuhalten", sagte Henna Virkkunen, die oberste Technologie-Beauftragte der EU-Kommission.

Unternehmen, die in der EU tätig sind, haben nach dem Digital Services Act die Pflicht, ein hohes Maß an Datenschutz, Sicherheit und Schutz für Minderjährige zu gewährleisten. Die EU-Kommission verfügt über Richtlinien, die die Altersüberprüfung als wirksames Instrument zum Schutz von Minderjährigen vor Pornografie hervorheben.

Die vier Unternehmen haben das Recht, Dokumente aus den Untersuchungsakten der EU-Kommission einzusehen. Sie können schriftlich auf deren vorläufige Bewertung antworten und Maßnahmen vorschlagen, um die Bedenken der EU-Vertreter auszuräumen.

Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos reagierten nicht auf Bitten um Stellungnahme.

EU untersucht bei Snapchat Einhaltung der Kinderschutzregeln

Unterdessen teilte die EU-Kommission mit, sie werde bei Snapchat die Einhaltung der Kinderschutzregeln im Rahmen des EU-Gesetzes über digitale Dienste (DSA) untersuchen. Hochrangige EU-Vertreter sagten, Snapchat habe möglicherweise gegen das Gesetz verstoßen. Die Plattform habe Minderjährige Anbahnungsversuchen, der Rekrutierung für kriminelle Zwecke sowie Informationen über den Verkauf von Drogen oder altersbeschränkten Produkten wie Alkohol und E-Zigaretten ausgesetzt.

Der EU-Kommission zufolge verlässt sich Snapchat beim Alter auf eine Selbsterklärung, die Kinder unter 13 Jahren nicht daran hindere, auf seine Plattform zuzugreifen. Die Vertreter sagten zudem, dass die Standardeinstellungen von Snapchat möglicherweise keinen ausreichenden Datenschutz und keine ausreichende Sicherheit für Minderjährige böten. Jugendliche würden automatisch anderen Nutzern empfohlen, und Push-Benachrichtigungen blieben standardmäßig aktiviert.

"Snapchat ist darauf ausgelegt, Menschen dabei zu helfen, mit engen Freunden und der Familie in einer positiven, vertrauenswürdigen Umgebung zu kommunizieren, wobei Datenschutz und Sicherheit von Anfang an integriert sind - einschließlich zusätzlicher Schutzmaßnahmen für Jugendliche. Da sich Online-Risiken weiterentwickeln, überprüfen, stärken und investieren wir kontinuierlich in diese Schutzmaßnahmen", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Plattform habe sich stets proaktiv engagiert und in gutem Glauben mit der EU-Kommission zusammengearbeitet, um das Gesetz über digitale Dienste einzuhalten. Dies werde Snapchat auch weiterhin während der gesamten Untersuchung tun.

Die Untersuchung gegen Snapchat und die Forderungen an Plattformen, Altersüberprüfungen einzuführen, zeigen, dass EU-Vertreter ihre Bemühungen verstärken, jüngere Nutzer vor Inhalten zu schützen, die sie für potenziell schädlich erachten, auch in den sozialen Medien.

Einige EU-Mitgliedstaaten haben ein Verbot sozialer Medien für bestimmte Altersgruppen von Minderjährigen erwogen oder entsprechende Gesetzentwürfe eingebracht. Australien hat im vergangenen Jahr als erstes Land der Welt ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige erlassen.

Die EU-Kommission pilotiert derzeit eine App zur Altersüberprüfung. Diese wird aktuell mit Mitgliedstaaten, Online-Plattformen und anderen Dritten getestet.

"Heute ergreifen wir eine weitere Maßnahme zur Durchsetzung des Gesetzes über digitale Dienste - um sicherzustellen, dass Kinder online angemessen geschützt sind, wie es ihr Recht ist", sagte Virkkunen.

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March 26, 2026 09:38 ET (13:38 GMT)

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