EZB-Rat hatte Risiken und März-Projektionen im Blick - Protokoll
05.03.2026 / 14:18 Uhr
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist bei seinen Beratungen am 4./5. Februar 2026 einig in der Sache gewesen, den Leitzins angesichts des aktuellen Inflationsausblicks vorerst bei 2,00 Prozent zu belassen. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Protokoll der Beratungen hervorgeht, machten sich die Mitglieder des Gremiums aber Gedanken darüber, wie sie mit den zahlreichen Risiken für den "fragilen" Ausblick umgehen sollten, namentlich den geopolitischen. Sie setzten große Hoffnungen in die im März anstehenden makroökonomischen Projektionen des volkswirtschaftlichen Stabs, die, wie jetzt klar ist, vom Irak-Krieg beeinflusst sein dürften.
Insofern ist der Informationsgehalt des Protokolls sehr begrenzt, und es lohnt eher, die jüngsten Einschätzungen von EZB-Ratsmitgliedern zum Irak-Krieg in den Blick zu nehmen. Davon gab es am Donnerstag einige, und man liegt auf der sicheren Seite, wenn man sagt: Von einer Lockerung der Zinssenkungen, wie sie Protokoll erwähnt wird, ist aktuelle keine Rede mehr. Am weitesten wagte sich der Franzose Francois Villeroy de Galhau vor, der in einem Rundfunkinterview sagte, der Krieg im Nahen Osten sei kein Grund für eine Zinserhöhung. "Wir werden die nächsten Sitzungen abwarten, aber im Moment sehe ich keinen Grund", sagte er. Der Konflikt könne zwar die Inflation ankurbeln und das Wachstum dämpfen, das genaue Verhältnis hänge jedoch von der Dauer der Situation ab.
EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hielt sich eher bedeckt. "Wenn der Konflikt länger dauert, dann nimmt das Risiko zu, dass sich die Inflationserwartungen verändern", sagte er. Seiner Meinung nach muss die EZB mit Szenarien arbeiten, wobei das Basisszenario eine kurze Dauer des Konflikts sei. De Guindos hob vor diesem Hintergrund hervor, dass die Finanzmärkte bisher in geordneter Weise auf den Krieg reagiert hätten. "Die Staatsanleiherenditen sind nur leicht gestiegen", sagte er.
Das deutsche Ratsmitglied Joachim Nagel sagte: "Wenn der Krieg lange dauert, dann werden die Auswirkungen auf die deutsche, die europäische und die globale Wirtschaft nicht gut sein." Er fügte hinzu: "Ich kann und werde heute nicht darüber spekulieren, was das für die Zinslandschaft bedeuten würde." Nagel verwies andererseits darauf, dass ein länger dauernder Krieg über die Energiepreise auch auf die Verbraucherpreise durchwirken würde.
Der Finne Olli Rehn, ein Kandidat für den Posten des EZB-Präsidenten, stellte die wachstumsbremsende Wirkung des Kriegs in den Vordergrund. Er sagte, der Krieg dürfte die Nachfrage schwächen. Andererseits rechnet er zumindest kurzfristig mit einer höheren Inflation - in Abhängigkeit von der Dauer des Konflikts.
Laut dem Sitzungsprotokoll haben die EZB-Ratsmitglieder ihre Bereitschaft betont, auf Abweichungen vom Basisszenario einer mittelfristigen Inflation von 2 Prozent in die eine oder andere Richtung entschlossen zu reagieren. Die nächste Zinsentscheidung steht am 19. März an.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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March 05, 2026 08:17 ET (13:17 GMT)
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