EU droht laut Rechnungshof Engpass bei kritischen Rohstoffen
02.02.2026 / 18:30 Uhr
Von Edith Hancock
DOW JONES--Die Europäische Union hat laut einem Bericht des Europäischen Rechnungshofes Schwierigkeiten, die Versorgung mit den für Energie- und Klimaziele notwendigen Rohstoffen sicherzustellen. Sie ist demnach zu stark abhängig von einigen wenigen Nicht-EU-Ländern.
"Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie gebe", sagte Keit Pentus-Rosimannus. Die ehemalige Finanzministerin Estlands war als Mitglied des Rechnungshofs für die Prüfung zuständig. "Leider sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in gefährlicher Weise von einer Handvoll Ländern außerhalb der EU abhängig."
Bei zehn von 26 für die Energiewende wichtigen Rohstoffen sei man von ausländischen Lieferanten abhängig, sagte sie weiter. In dem Bericht wird hervorgehoben, dass China 97 Prozent des in der EU benötigten Magnesiums liefert, das für Wasserstoff erzeugende Elektrolyseure verwendet wird. Die Türkei liefert 99 Prozent des in der EU benötigten Bors, das für Solarpaneele gebraucht wird.
"Das macht uns verwundbar und untergräbt unser Ziel, eine starke, unabhängige geopolitische Macht zu sein", sagte Pentus-Rosimannus. "Besonders wenn einer unserer Handelspartner beschließt, unsere Abhängigkeit als Waffe gegen uns einzusetzen."
Vertreter der Europäischen Kommission versuchen derzeit, neue Handelspartnerschaften mit anderen Ländern und Regionen zu schließen, da der Druck durch Spannungen mit den USA und China wächst.
China hatte im vergangenen Jahr neue Beschränkungen für den Export eigener Seltener Erden eingeführt, indem es Exportlizenzen für Unternehmen zur Pflicht machte. Die Kommission hat einen Plan im Wert von 3,56 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen, um die Mineralreserven der EU zu sichern. Dieser beinhaltet die Einrichtung eines Zentrums zur Förderung gemeinsamer Investitionen der Mitgliedstaaten und die Suche nach Wegen, mehr Mineralien durch Recycling im Binnenmarkt zu halten.
EU-Vertreter versuchen seit Jahren, den Zugang zu Rohstoffen zu verbessern. Doch der Rechnungshof warnt in seinem Bericht, dass die bisherigen Schritte - von der Berücksichtigung in Handelsabkommen bis hin zu Vorgaben für die Verwendung der Materialien - kaum Wirkung gezeigt haben.
Der Bericht des Rechnungshofes bezeichnet das Erreichen der Ziele zur Verbesserung der heimischen Förderung, Verarbeitung und des Recyclings von Rohstoffen, die in einem 2024 in Kraft getretenen Gesetz festgelegt wurden, als herausfordernd. Viele Mineralien, die zur Erzeugung erneuerbarer Energien verwendet werden, würden überhaupt nicht recycelt, hieß es. Verarbeitungsanlagen kämpften mit hohen Kosten, Explorationsaktivitäten seien unterentwickelt und Bergbauprojekte könnten Jahrzehnte brauchen, bis sie in Betrieb gehen, so der Bericht. "Die EU könnte in einen Teufelskreis geraten", schrieben die Prüfer.
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