MÄRKTE EUROPA/Risk-on dank Trump - Aber Berichtssaison setzt Akzente

22.01.2026 / 13:45 Uhr

DOW JONES--An den europäischen Aktienmärkten geht es am Donnerstag kräftig nach oben. Nachdem die Indizes am Vortag kurz vor der Rede von US-Präsident Donald Trump ihr Tief sahen, geht es seitdem nach oben. Aktuell wird an den Börsen eingepreist, dass Trump förmlich und wie für den Marktstrategen Michael Brown von Pepperstone vorhersehbar die Zollandrohungen im Zusammenhang mit Grönland zurücknahm. Dies geschah nach einem "sehr produktiven" Treffen mit NATO-Generalsekretär Rutte, bei dem man sich auf einen "Rahmen" bezüglich Grönlands und des "Hohen Nordens" im Allgemeinen einigte. Während weitere Gespräche über die Details dieses Deals folgen werden, spielen diese Einzelheiten für die Finanzmärkte kaum eine Rolle. Der Kern der Sache ist, dass das geopolitische Risiko durch diese Nachricht unbestreitbar um mehrere Stufen gesunken ist.

Damit werden am Aktienmarkt Eskalationsszenarien ausgepreist, aber auch die langlaufenden Staatsanleihen in Japan und den USA, die jüngst für deutlichen Stress sorgten, atmen nun durch. Der DAX steigt um 1,2 Prozent auf 24.863 Punkte, der Euro-Stoxx-50 um 1,3 Prozent auf 5.958 Zähler.

Vor allem Exportwerte wie Autotitel (Sektor plus 1,7%) sind gesucht, die jüngst unter den angedrohten US-Strafzöllen litten. Doch hatte auch VW gute Nachrichten zu vermelden, für den Wert geht es um gleich 4,6 Prozent nach oben. VW hat bekannt gegeben, dass sich der Netto-Cashflow des Konzernbereichs Automobile nach vorläufigen Berechnungen im abgelaufenen Geschäftsjahr auf rund 6 Milliarden Euro beläuft. Damit wurde sowohl die eigene Prognose als auch die Erwartungen des Markts deutlich übertroffen. Derweil hat Traton (+0,1%) trotz eines Rückgangs des Fahrzeugabsatzes um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr vorläufige Eckdaten für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 veröffentlicht, die im Rahmen der Markterwartungen und teils darüber liegen.

Die Aktie des französischen Reifenherstellers Michelin steigt um 2,5 Prozent. "Das sieht noch einen Tick besser als bei Conti aus", so ein Händler zu den am Vortag vorgelegten Geschäftszahlen der Deutschen. Da die Profitabilität der gesamten Auto-Zulieferbranche im Fokus stehe, dürfte sehr gut ankommen, dass Michelin einen deutlich höheren Cashflow vermeldete.

Berichtssaison hat einige Überraschungen parat

Die Krise des Computerspieleherstellers Ubisoft hat noch dramatischere Züge angenommen als befürchtet. Die Aktien bauen ihre Verluste in Paris auf 34 Prozent aus. Zu dem gekappten Jahresausblick kommen nun noch eine Restrukturierung mit Aufteilung in fünf Geschäftsbereiche, die Streichung diverser Spieleproduktionen plus zwei Studio-Schließungen dazu. Für das Jahr 2026 rechnet Ubisoft mit einem operativen Verlust von rund 1 Milliarde Euro, der Cashflow wird negativ erwartet mit 400 bis 500 Millionen Euro. Neue Jahresziele plant Ubisoft erst im Mai auszugeben. "Die Aktien dürften bis dahin sehr volatil bleiben", so ein Händler.

Carl Zeiss Meditec brechen um 13 Prozent ein, nachdem das Unternehmen über einen deutlich schwächeren Start in das Geschäftsjahr 2026 berichtete als erwartet, was zu einer Gewinnwarnung und einer Überprüfung der Jahresprognose führte, so MWB. Die Umsätze im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2025/26 seien im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent auf 467 Millionen Euro zurückgegangen, während das EBITA um 77 Prozent auf 8 Millionen Euro gefallen sei. China bleibe das Hauptstrukturproblem des Unternehmens, wobei erwartet werde, dass ausschreibungsbedingte Verluste bei Intraokularlinsen (IOL) und zunehmender lokaler Wettbewerb weiteren Preisdruck verursachen werden.

Milliarden IPO in Amsterdam

Verlierer sind wie erwartet die Rüstungsaktien auch aufgrund der Entspannung um Grönland. Aber auch der Börsengang von Czechoslovak Group (CSG) zieht momentan Liquidität an sich, die bei den Wettbewerbern flüssig gemacht wird. Die tschechische Gesellschaft gewinnt laut Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro, an Bedeutung und werde zunehmend als potenzieller Konkurrent etablierter Player wie Rheinmetall wahrgenommen. Der Börsengang an der Euronext in Amsterdam sei mit einer kurzen Vorlaufzeit geplant, der Handelsstart soll bereits am Freitag erfolgen. Die Nachfrage sei hoch, das Orderbuch innerhalb weniger Minuten gedeckt gewesen.

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INDEX                     zuletzt        +/- %    absolut      +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50            5.958,32        +1,3%      75,44          +1,6% 
Stoxx-50                 5.058,10        +0,9%      46,45          +1,9% 
DAX                     24.863,20        +1,2%     302,22          +0,3% 
MDAX                    31.605,80        +2,1%     660,50          +1,1% 
TecDAX                   3.708,76        +1,8%      67,26          +0,5% 
SDAX                    18.223,04        +2,8%     498,08          +3,2% 
CAC                      8.166,55        +1,2%      97,38          -1,0% 
SMI                     13.226,81        +0,5%      70,00          -0,8% 
ATX                      5.525,27        +2,1%     115,11          +1,6% 
 
ROHOEL                    zuletzt  VT-Settlem.      +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex                   59,54        60,39      -1,4%          -0,85   +5,7% 
Brent/ICE                   64,31        65,24      -1,4%          -0,93   +7,1% 
 
METALLE                   zuletzt       Vortag      +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold                     4.829,79     4.831,30      -0,0%          -1,51  +11,8% 
Silber                      93,67        93,11      +0,6%           0,57  +30,6% 
Platin                   2.143,40     2.127,32      +0,8%          16,08  +21,3% 
Kupfer                       5,74         5,77      -0,6%          -0,03   +1,3% 
YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags 
(Angaben ohne Gewähr) 
=== 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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