MÄRKTE EUROPA/Risk-Off nach Trumps Zolldrohung - Bayer gesucht

19.01.2026 / 18:02 Uhr

DOW JONES--Die europäischen Aktienmärkte haben zu Beginn der neuen Woche deutliche Verluste verzeichnet. Vor allem die Aktien der exportorientierten Unternehmen kamen deutlicher unter Druck. "Und wieder sind es US-Zolldrohungen, die die Märkte erschüttern", sagte Vermögensverwalter Thomas Altmann von QC Partners. Hintergrund ist die Drohung von US-Präsident Trump, im Zuge der eskalierenden Spannungen um das zu Dänemark gehörende Grönland neue Handelszölle gegen acht europäische Länder zu verhängen. Der DAX fiel um 1,3 Prozent auf 24.959 Punkte, der Euro-Stoxx-50 büßte 1,7 Prozent auf 5.926 Punkte ein. Der Euro legte leicht zu und notierte bei 1,1645 Dollar, der Greenback konnte damit nicht von der Risikoaversion der Anleger profitieren. Auch Anleihen als "sicherer Hafen" verbuchten trotz dese aktuellen Umfelds keinen vermehrten Zulauf. Bundesanleihen traten mehrheitlich auf der Stelle. Gewinner war einmal mehr der Goldpreis, der erstmals über der Marke von 4.000 Euro je Feinunze notierte. Auch in Dollar gerechnet glänzte das Edelmetall wie nie zuvor, die Unze kostet 4.673 Dollar.

Was war neu? US-Präsident Donald Trump kündigte an, die USA würden ab Februar zusätzliche Importzölle von zehn Prozent auf Waren aus acht europäischen Staaten zu erheben. Ab Juni sollen diese auf 25 Prozent steigen, sofern keine Einigung über den von ihm geforderten Erwerb Grönlands erzielt wird. Zwar treffen die Zölle vor allem die US-Verbraucher über steigende Preise. "Gleichwohl beeinträchtigen diese Maßnahmen die europäische Wirtschaft erheblich", sagte Ulrich Stephan, Anlagestratege der Deutschen Bank. Höhere Preise reduzierten die Nachfrage in den USA nach europäischen Gütern, führten zu Absatz- und Marktanteilsverlusten und zwängen europäische Exporteure häufig zu Preiszugeständnissen, die ihre Gewinnmargen schmälerten.

Grönland-Zoll könnte deutsches BIP um 1 Prozent mindern

Eine konsequente Umsetzung der von US-Präsident Donald Trump angedrohten "Grönland"-Einfuhrzölle würde der deutschen Volkswirtschaft nach Aussage von Commerzbank-Volkswirt Vincent Stamer erheblichen Schaden zufügen. Stamer geht bei seiner Berechnung vom Worst Case aus, bei dem der aktuelle Zollsatz von 15 Prozent zunächst um die angedrohten 10 Prozentpunkte steigen würde und ab 1. Juni um 25 Punkte auf 40 Prozent. "So läge der Schaden für die deutsche Wirtschaft bei einem konsequent eingeführten Zoll von 40 Prozent bei bis zu 1 Prozent", schrieb er in einem Kommentar. Auf dem aktuellen Niveau liege der Schaden bei 0,3 Prozent. Stamer verwies darauf, dass diplomatische Lösungen ohne eine Eskalation des Handelsstreits weiterhin möglich seien. "Trump hat in der Vergangenheit häufig Maximalforderungen mit Zollandrohungen untermauert, um letztendlich Verhandlungspartnern einen 'Deal' und Zugeständnisse abzuringen", argumentierte er.

Risk-Off das Gebot der Stunde

Die Anleger wechselten schnell in den Risk-Off-Modus, auch da niemand weiß, wie es nach den von Europa geplanten Zöllen auf US-Waren mit einem Wert von 93 Milliarden Euro nun weitergeht. Mit Blick auf die zu erwartenden Zölle gehörte der Sektor der Automobilwerte mit Minus 2,3 Prozent zu den größten Verlierern. Schwach waren hier BMW (-3,4%) nach einer Herunterstufung durch die Analysten von Berenberg auf Hold unterwegs. Aber auch Bauwerte, Technologiewerte wie auch die europäischen Banken wurden von Investoren gemieden. Der jüngste Zollvorstoß von Präsident Trump drohe das Umsatzwachstum und die Erträge im Luxussektor zu beeinträchtigen, meinte Marktstratege Neil Wilson bei der Saxo Bank. LVMH, Burberry, Hermes und Richemont tendierten leichter, da sich die Produktion vieler Juweliere und Modehäuser nur schwer an andere Standorte verlagern lasse. Auch die US-Umsätze seien schwer zu ersetzen, da viele der Marken in den vergangenen Jahren aufgrund des Erfolgs in den USA gut abgeschnitten hätten. Im Plus hielten sich dagegen die Rüstungswerte sowie der Telekom-Sektor.

Größter Gewinner im DAX war die Bayer-Aktie, die um 7 Prozent nach oben schoss. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA vom Freitagabend, den Fall Durnell zu überprüfen, markiere einen Wendepunkt in der langwierigen Roundup-Rechtsstreitigkeit von Bayer und beseitige die größte verfahrenstechnische Unsicherheit in Bezug auf die Strategie der bundesstaatlichen Vorrechte des Unternehmens, hieß es von MWB. Obwohl der Einzelfall finanziell unbedeutend sei, habe die Überprüfung durch das Gericht das Potenzial, das "Endspiel der Rechtsstreitigkeiten" für die verbleibenden rund 65.000 Ansprüche wesentlich zu verändern.

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Index                    Schluss  Entwicklung in %  Seit Jahresbeginn* 
Euro-Stoxx-50           5.925,82             -1,7%               +4,1% 
Stoxx-50                5.062,34             -1,3%               +4,3% 
Stoxx-600                 607,06             -1,2%               +3,7% 
XETRA-DAX              24.959,06             -1,3%               +3,3% 
FTSE-100 London        10.235,29              k.A.               +3,1% 
CAC-40 Paris            8.112,02             -1,8%               +1,3% 
AEX Amsterdam             992,73             -1,7%               +6,2% 
ATHEX-20 Athen          5.733,10             +0,5%               +6,6% 
BEL-20 Bruessel         5.290,10             -1,3%               +5,5% 
BUX Budapest          122.151,69             -0,1%              +10,2% 
OMXH-25 Helsinki        5.829,02             -1,5%               +3,7% 
ISE NAT. 30 Istanbul   12.747,88              k.A.              +12,5% 
OMXC-20 Kopenhagen      1.724,76             -2,7%              +10,3% 
PSI 20 Lissabon         8.561,29             -0,9%               +4,5% 
IBEX-35 Madrid         17.665,30             -0,3%               +2,3% 
FTSE-MIB Mailand       45.195,89             -1,3%               +1,9% 
OBX Oslo                1.637,06             -1,5%               +4,0% 
PX  Prag                2.730,86             -1,0%               +2,7% 
OMXS-30 Stockholm       2.984,58             -1,8%               +5,4% 
WIG-20 Warschau         3.267,10             -0,5%               +3,1% 
ATX Wien                5.441,57             -0,5%               +2,7% 
SMI Zuerich            13.277,04             -1,0%               +1,1% 
*bezogen auf Vortagesschluss 
 
DEVISEN                   zuletzt        +/- %       0:00  Fr, 17:15 Uhr   % YTD 
EUR/USD                    1,1645        +0,5%     1,1586         1,1606   -1,4% 
EUR/JPY                    184,10        +0,6%     182,92         183,32   -0,7% 
EUR/CHF                    0,9283        -0,1%     0,9292         0,9310   -0,2% 
EUR/GBP                    0,8671        -0,0%     0,8675         0,8669   -0,6% 
USD/JPY                    158,09        +0,1%     157,88         157,95   +0,7% 
GBP/USD                    1,3430        +0,6%     1,3355         1,3388   -0,8% 
USD/CNY                    6,9955        -0,1%     7,0016         7,0019   -0,3% 
USD/CNH                    6,9561        -0,2%     6,9671         6,9669   -0,1% 
AUS/USD                    0,6714        +0,6%     0,6673         0,6683   +0,0% 
Bitcoin/USD             93.190,10        -2,4%  95.455,70      94.716,90   +7,7% 
 
ROHOEL                    zuletzt  VT-Settlem.      +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex                   59,37        59,34      +0,1%           0,03   +3,8% 
Brent/ICE                   64,11        64,13      -0,0%          -0,02   +5,4% 
 
METALLE                   zuletzt       Vortag      +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold                     4.672,69     4.596,45      +1,7%          76,24   +6,4% 
Silber                      94,51        90,15      +4,8%           4,36  +26,4% 
Platin                   2.035,99     2.018,86      +0,8%          17,13  +15,2% 
Kupfer                       5,90         5,83      +1,1%           0,07   +2,4% 
YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags 
(Angaben ohne Gewähr) 
=== 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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